Auf Einladung des EvB-Gymnasiums Wipperfürth Nach „GNTM“-Schock – Influencerin klärt über Cybermobbing auf

Wipperfürth/Hückeswagen · Auf Einladung des EvB-Gymnasiums Wipperfürth und der Oberbergische Medieninitiative klärte Lijana Kaggwa, selbst eine Betroffene, Schüler und Eltern über Cybermobbing auf. Dabei berichtete die junge Frau über schockierende eigene Erlebnisse während und nach der Ausstrahlung der TV-Show „Germany's Next Topmodel“.

Lijana Kaggwa, deutsches Model und Influencerin, berichtete in der Alten Drahtzieherei, wie Cybermobbing entsteht und wie Betroffene sich dagegen wehren können.  Foto: Jürgen Moll

Lijana Kaggwa, deutsches Model und Influencerin, berichtete in der Alten Drahtzieherei, wie Cybermobbing entsteht und wie Betroffene sich dagegen wehren können. Foto: Jürgen Moll

Foto: Jürgen Moll

Was 14 Jahre lang ein Traum gewesen war, verwandelte sich mit der TV-Ausstrahlung der Castingshow „Germany‘s Next Topmodel“ zu einem unvorstellbaren Albtraum. Aufgrund schlimmster Anfeindungen im Netz musste Lijana Kaggwa sogar unter Polizeischutz gestellt werden. Denn die Beleidigungen und Verleumdungen durchdrangen regelrecht den Bildschirm und manifestierten sich vor der Haustür der jungen Frau. „In meinem Garten wurden Giftköder ausgelegt, um meinem Hund zu schaden. Meine Familie wurde bedroht. Man kannte meine tägliche Joggingroute und kündigten an, mich abzupassen, vergewaltigen und töten zu wollen“, erzählt Lijana Kaggwa am Donnerstagabend in der Alten Drahtzieherei aus. Gut 80 Eltern und andere Interessierte saßen fassungslos im Publikum. Was war passiert? Wie konnte es so weit kommen?

Lijana Kaggwa hatte 2020 an „GNTM“, wie die Pro7-Show abgekürzt wird, teilgenommen. Ein langjähriger Traum für die damals 24-Jährige aus Kassel, die mit der Show aufgewachsen war und selbst Model werden wollte, war wahr geworden. Die Drehs an traumhaften Orten der Welt hat sie noch in guter Erinnerung. Es waren aufregende und tolle Tage. Doch als drei Monate später die Ausstrahlungen begannen, kippte die Stimmung. Für Lijana Kaggwa wurde der Donnerstag, an dem die Aufzeichnungen im TV ausgestrahlt wurden, zur Qual. Denn danach fing das Internet regelrecht Feuer.

Im Sinne der Inszenierung wurden die Aufnahmen nämlich so zusammengeschnitten, dass Auseinandersetzungen noch dramatischer aussahen, als sie tatsächlich stattgefunden hatten. Lijana wurde zur Zielscheibe, erntete dafür den Hass einer anonymen Masse im Internet. Die Folge: Sie zog sich zurück, verließ tagelang das Haus nicht, spielte am Ende sogar mit Suizidgedanken.

Zu ihrem Glück war ihre Familie bei ihr, die ihre Situation erkannte und professionelle Hilfe zurate zog. Die junge Frau, stabilisiert durch Psychologen und Therapeuten, fasste im Halbfinale den Entschluss, die Show zu verlassen. Mit einem klaren Statement, dass Hass niemals gewinnen kann, denn: „Love always wins.“ Seitdem ist Lijana Kaggwa als Botschafterin im ganzen Land unterwegs, um aufzuklären, darüber, was Cybermobbing ist, wie es entsteht und wie sich Kinder und Jugendliche davor schützen und Eltern helfen können.

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich Bürgermeisterin Anne Loth tief betroffen. „Wir brauchen eine stärkere Gesetzgebung, mehr Aufklärung und Sensibilität“, forderte sie. Kriminalhauptkommissar Walter Steinbrech riet Betroffenen dazu, sich auf jeden Fall mitzuteilen: „Das Schlimmste, was Opfer machen können, ist, sich zurückzuziehen.“ Freizügige Fotos sollten auf keinen Fall verschickt und schon gar nicht weiterverbreitet werden. Denn das, stellte er klar, sei strafbar.

Wer Cybermobbing erlebe, sollte möglichst viel dokumentieren, mit Screenshots und einem Tagebuch, wann was stattgefunden hat. Nur so hätte auch die Polizei eine Handhabe gegen die feigen Täter im Netz.

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