Evangelische Kirchengemeinden Hückeswagen und Bergisch Born Die Kirchen-Kooperation funktioniert

Hückeswagen/Bergische Born · Die Evangelischen Kirchengemeinden von Hückeswagen und Bergisch Born sind vor fünf Jahren eine pfarramtliche Verbindung eingegangen, mittlerweile sind sie auf einem guten Weg. Das bestätigen Pfarrer Reimund Lenth und Pfarrerin Dr. Anke Mühling. Bereits 2028 steht der nächste Einschnitt an.

 Sehen die Kooperation auf einem guten Weg: Vikar Jonas vom Stein (l.), Pfarrerin Dr. Anke Mühling und Pfarrer Reimund Lenth.

Sehen die Kooperation auf einem guten Weg: Vikar Jonas vom Stein (l.), Pfarrerin Dr. Anke Mühling und Pfarrer Reimund Lenth.

Foto: Stephan Büllesbach

Am Anfang war sogar über eine Fusion nachgedacht worden, doch im Herbst 2017 stand fest: Die Evangelischen Kirchengemeinden Hückeswagen und Bergisch Born streben nur eine pfarramtliche Verbindung an. Vorrangiger Grund, dass die Verantwortlichen beider Gemeinden überhaupt über ein in irgendeiner Art vorgesehenes Zusammengehen sprachen, war das altersbedingte Ausscheiden von zwei Pfarrern: Die Pensionierungen des Bergisch Borner Pfarrers Reinhard Feyka stand für Herbst 2018, die des Hückeswagener Pastors Martin Haupt-Schott für Herbst 2020 an. Irgendwie musste es weitergehen, und die bisherige Anzahl von Pfarrerstellen – drei in Hückeswagen und eine in Bergisch Born – war nicht mehr machbar. Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen verfügt auch die Evangelische Kirche im Rheinland nicht mehr über ausreichend Pastoren.

Der Hückeswagener Pfarrer Reimund Lenth erinnert sich an die ersten Gespräche: „Damals schwebte das Damoklesschwert über der Gemeinde von Bergisch Born.“ Denn mit einer Anzahl von nur etwa 900 Gemeindegliedern bestand die Gefahr der Auflösung oder der Fusion. Dabei besteht die Gemeinde mit ihrer Kirche von 1953 seit Anfang der 1960er Jahre, zuvor war sie auf die Gemeinden von Hückeswagen, Wermelskirchen und Remscheid aufgeteilt. In vielen Gesprächen zwischen den Verantwortlichen in Hückeswagen und Bergisch Born war 2017 überlegt worden, wie die eigenständige, lebendige Gemeinde mit ihrem großen ehrenamtlichen Engagement erhalten werden könnte. Schließlich kam die Idee auf, dass beide eine pfarramtliche Verbindung eingehen. „Die Vertreter der Landeskirche waren letztlich offen dafür“, versichert Lenth. Das Ganze ist inzwischen sogar so etwas wie ein Pilotprojekt bestätigt seine Bergisch Borner Kollegin Dr. Anke Mühling.

Bergisch Born erhielt nach dem Weggang von Feyka eine halbe Pfarrerstelle, die als vierte Pfarrerstelle in Hückeswagen angesiedelt war. Abgetreten ist sie aber an die Borner Gemeinde, die sie auch finanziert. „Es war dann ein Riesenglück, dass eine junge Frau ausgerechnet in diesem Kreis aus familiären Gründen eine halbe Stelle gesucht hat“, sagt Lenth mit Blick auf die Bewerbung von Anke Mühling, die im September 2019 aus einer kleinen niedersächsischen Gemeinde ins Bergische zog. „Das war göttliche Fügung“, wirft die Pfarrerin und Mutter einer Tochter lächelnd ein.

Die pfarramtliche Verbindung beinhaltet aber auch einige organisatorische Gemeinsamkeiten. So wird der Konfirmandenunterricht einvernehmlich von den Pfarrern vorgenommen, und es gibt gegenseitige Vertretungen etwa im Urlaub und bei Krankheit, bei Beerdigungen, Trauungen und anderen Amtshandlungen. Einmal pro Halbjahr steht zudem der sogenannte Kanzeltausch an, bei dem die Pfarrer in der jeweils anderen Gemeinde predigen.

Nach der Pandemie haben sich beide Gemeinden erneut auf den Weg gemacht, wie es Lenth bezeichnet. Inzwischen gibt es viele Berührungspunkte, etwa bei gemeinsamen Open-Air-Gottesdiensten, Wanderungen oder Festen – so wird auch das fünfjährige Bestehen der pfarramtlichen Verbindung am 13. August mit einem gemeinsamen Gottesdienst und Fest gefeiert (s. Info-Kasten).

„Was in Bergisch Born passiert, motiviert uns in Hückeswagen“, versichert Lenth mit Blick vor allem auf das ehrenamtliche Engagement. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich die beiden Hückeswagener Pfarrer – neben Lenth noch Klaus-Peter Suder – im Frühjahr 2028 in den Ruhestand verabschieden werden. Schon jetzt gehen die Verantwortlichen davon aus, dass für beide Gemeinden dann nur noch 1,5 Stellen zur Verfügung stehen werden. „Bis dahin muss unsere Kooperation noch weiter gestärkt sein“, betont Lenth.

Alle Beteligten sind jedoch zuversichtlich, dass das gelingen wird. Das haben die vergangenen fünf Jahre bereits bewiesen. So zeigt sich Anke Mühling „sehr zufrieden“ über die Art und Weise der Kooperation. Und die Pfarrerin ist sich sicher: „Die Gemeindeglieder in Bergisch Born sind glücklich, dass sie ihre Eigenständigkeit behalten konnten.“

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