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Etaples: Prinzessin Anne besucht Soldatenfriedhof

Hückeswagens Partnerstadt Etaples im Mai : Prinzessin Anne besucht Militärfriedhof

Der größte britische Militärfriedhof auf dem europäischen Kontinent liegt bei Etaples. Am Wochenende erhielt er Besuch aus dem Königshaus.

Die Verwaltung von Hückeswagens Partnerstadt Etapls-sur-Mer hatte sich schon mehrfach im Buckingham-Palast darum bemüht, jetzt hatte sie Glück: Am Wochenende reiste Prinzessin Anne an, um dem größten britischen Militärfriedhof auf dem Kontinent einen Besuch abzustatten. Der Anlass war denkwürdig: Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren hatte ihr Urgroßvater, König George V., die Stätte besucht und sie zum Besuch für die trauernden Hinterbliebenen freigegeben.

Nun kam Prinzessin Anne, hörte sich die Ansprachen der Offiziellen an und vernahm, wie SchülerInnen der Etapler Schulen aus Dokumenten vorlasen. Dann ging sie mit Angehörigen durch die Gräberreihen und hielt dort im Gedenken inne. Es war nicht nur eine schnelle Stippvisite, über zwei Stunden verharrte sie auf dem Gräberfeld.

 King George V. eröffnet den riesigen Friedhof am 13. Mai 1922.
King George V. eröffnet den riesigen Friedhof am 13. Mai 1922. Foto: Sammlung Achille Caron, Ville d’Etaples

Dieser Friedhof ist wie kein anderer in Frankreich. Unter den knapp 3000 Gräberfeldern des britischen Commonwealth, die es in Frankreich gibt, nimmt die Nekropole an der Departementalstraße Nr. 940, die nördlich von Etaples nach Boulogne führt, eine Sonderstellung ein. Hier liegen nicht nur Militärangehörige bestattet, sondern auch Zivilisten oder deutsche Soldaten, die als Kriegsgefangene in den Lazaretten ihren Verwundungen und Krankheiten erlagen, insgesamt 11.500. Im unteren Teil der weitläufigen Anlage gibt es einen Abschnitt mit den Gräbern von 658 deutschen Soldaten. Darunter befindet sich, wie ein am Eingang ausliegendes Auskunftsbuch vermerkt, das Grab des in Hannover geborenen Arbeiterdichters Gerrit Engelke.

 Prinzessin Anne
Prinzessin Anne Foto: dpa/Ben Birchall
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Mit den britischen Soldatengräbern hat es eine besondere Bewandtnis: Anders als bei deutschen oder französischen Kriegsgräberstätten, wo die Gefallenen in zentralen Friedhöfen zur letzten Ruhe gebettet sind, begraben die Engländer ihre Toten an der Stelle, wo sie starben. Man empfand das als angebracht gegenüber all jenen Kameraden, die nach den Kämpfen als vermisst galten. Nach dem Ersten Weltkrieg befinden sich daher heute auf den Schlachtfeldern in Nordfrankreich oder an der Somme zumeist kleine und kleinste Friedhöfe.

Alle sind mit einer Mauer aus hellem Sandstein umfriedet, in der Mitte erhebt sich ein Cross of Sacrifice, an ein in die Erde gestecktes Schwert erinnernd. Darum herum gruppieren sich auf gepflegtem Rasengrün die Reihen der Steine. Es sind bisweilen nur bis zu ein, zwei Dutzend. Jeder Gefallene ist mit Namen, Dienstgrad und Truppenteil verzeichnet, ergänzt von Geburts- und Todesdaten. Einige Blumen davor bilden einfachen Schmuck. Manche Steine tragen die Inschrift „Their Name liveth for Evermore“ (Ihr Name lebt für immer) – eine Zeile, die der Dichter Rudyard Kipling, der auch einen Sohn im Krieg verloren hatte, im Alten Testament fand.

Eine Zentrale der Commonwealth War Graves Commission in Arras sorgt dafür, dass französische Vertragsgärtner diese Gräberfelder jahrein, jahraus pflegen. Die anfallenden Restaurier- und Gartenarbeiten werden penibel ausgeführt, und dies seit 1917, als Fabian Ware, ein Angestellter des Roten Kreuzes in London, sich dafür engagierte, dass jedem britischen Soldaten ein Grabstein gesetzt werde müsse.

Ware, schnell erfolgreich mit seiner Initiative, tat sich mit der Gartengestalterin Gertrude Jekyll und dem Architekten Edwin Lutyens zusammen, der für alle Friedhöfe und Denkmale einen einheitlichen, neoklassizistischen Baustil entwarf. Der französische Staat hat den einst verbündeten Briten für alle Zeiten den Boden für die Anlagen überlassen. Und so entstand auch oberhalb der Dünen an der Canche, die unweit von Etaples in den Ärmelkanal mündet, eine riesige Nekropole. Aufgrund ihrer besonderen Geschichte wurde sie inzwischen in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.