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Erntedankfest Önkfeld: „Es machen alle mit, egal, wie alt sie sind“

Interview : „Es machen alle mit — egal, wie alt sie sind“

Jürgen Fischer ist Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Önkfeld, die seit 65 Jahren das traditionelle Erntedankfest in Rade ausrichtet.

Herr Fischer, wann haben Sie zum ersten Mal das Erntedankfest in Önkfeld gefeiert?

Fischer Das Erntedankfest hat in Önkfeld ja schon eine sehr lange Tradition. Es wurde erstmals im Jahr 1953, also in diesem Jahr vor 65 Jahren, gefeiert. Ich persönlich bin im Jahr 1970 zum ersten Mal auf der Bühne gestanden. Damals war ich gerade mal sechs Jahre alt.

Gibt es besondere Planungen zum 65. Erntedankfest in diesem Jahr?

Fischer Nein, dazu haben wir nichts Spezielles geplant – auch wenn das Alter ja früher mal das Jahr gewesen ist, in dem man in Rente gegangen ist... Wir haben allerdings das 60. Erntedankfest vor fünf Jahren schon auf besondere Weise gefeiert. Möglicherweise wird es zum 70. oder 75. Fest in fünf oder zehn Jahren wieder etwas Besonderes geben. Dazu haben wir uns allerdings jetzt noch überhaupt keine Gedanken gemacht.

Wie lange im Vorfeld müssen Sie das dreitägige Fest planen?

Jürgen Fischer freut sich auf das nächste Erntedankfest am kommenden Wochenende. f Foto: Schütz, Michael (msch)

Fischer Die Planungen für das nächste Fest beginnen schon kurz nach dem Erntedankfest. So gesehen gilt hier also: Nach dem Fest ist vor dem Fest. Vor allem die Verträge mit dem Zeltwirt und mit den jeweiligen Musikgruppen müssen frühzeitig abgeschlossen werden, damit hier keine Engpässe entstehen. Wenn es allerdings um die konkreten Vorbereitungen für das jeweilige Festprogramm geht, dann beginnen wird damit immer so im März.

Welche Bedeutung hat das Erntedankfest für Önkfeld?

Fischer Ich glaube, dass das Erntedankfest in erster Linie sehr gut den Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaft Önkfeld demonstriert. Es machen alle mit, egal, wie alt sie sind. Die jüngsten Aktiven stehen schon im jungen Alter von knapp drei Jahren auf der Bühne, während die ältesten Teilnehmer schon weit über 80 Jahre alt sind. Das macht das Önkfelder Erntedankfest nicht nur zu einer Veranstaltung quer durch alle Dorfbereiche, sondern auch zu einer tatsächlich generationenübergreifenden Sache.

Wer ist denn alles daran beteiligt?

Fischer Neben den Trägervereinen der Dorfgemeinschaft Önkfeld, der Kulturgemeinde Önkfeld und dem Gesangsverein Serenita sind gerade beim Erntedankfestzug viele Vereine, Menschen aus den Nachbarschaften und auch Teilnehmer aus umliegenden Städten mit dabei. Das Programm wird immer auch von den verschiedenen Gruppen der Dorfgemeinschaft mitgestaltet.

Es ist ja eines der größten Erntedankfeste im Bergischen – wie ist es das eigentlich geworden?

Fischer Zum einen gibt es uns schon seit vielen Jahrzehnten. In dieser Zeit sind wir gewachsen und haben uns etabliert. Aber unseren guten Ruf haben wir auch durch die zahlreichen Besucher bekommen, die unsere Arbeit honorieren. Wesentlich dürfte auch die Tatsache sein, dass wir unsere Programmgestaltung praktisch ausschließlich mit eigenen Kräften stemmen. Das wird von unseren Gästen immer wieder sehr gelobt und wohlwollend erwähnt.

Haben Sie nur Önkfelder unter den Besuchern oder woher kommen sie sonst noch?

Fischer Nein, wie schon gesagt, ziehen wir auch viele Besucher aus dem restlichen Radevormwald, aber auch aus den umliegenden Nachbarstädten kommen zahlreiche Besucher zu uns nach Önkfeld.

Neben Bühnenprogramm, Verlosung und Livemusik – wie wichtig ist die Ernte dabei noch?

Fischer Sehr wichtig, denn sie ist ja der Grund für das eigentliche Fest. Gerade bei der Eröffnung des Erntedankfestes am Samstagabend wird sehr ausgiebig auf das vergangene Erntejahr zurückgeblickt. Und auch im Gottesdienst am Sonntagmorgen danken wir für die Ernte. Aber natürlich lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten auch einen Wandel durchlaufen hat. Von den vielen kleinen Höfen, die es früher – nicht nur hier, sondern in der ganzen Region – gegeben hat, sind heute nur noch einige Großbetriebe übriggeblieben.

Würden Sie das Erntedankfest als noch zeitgemäß bezeichnen?

Fischer Sicherlich, denn es ist doch so, wie es mit praktisch allen von alters her überlieferten Feiertagen ist – es wird immer jemanden geben, der die Flamme solcher Traditionen hochhält. Ich glaube insgesamt nicht, dass diese Feste aussterben und verschwinden werden. Insofern ist das Erntedankfest auch heute noch zeitgemäß, ja.

Was genau ist der Hintergrund des Fests?

Fischer Nun, im Herbst wurde und wird ja die meiste Ernte eingebracht. Und wenn das passiert ist, dann hat man nach der vielen Arbeit Grund genug, Danke zu sagen. So ist ja auch seinerzeit aus der Kooperation aus den Vereinen und den Landwirten in Önkfeld unser Erntedankfest entstanden.

Greift die Dankbarkeit eigentlich auch dann, wenn die Ernte so schlecht wie in diesem Jahr ist?

Fischer Uns hier im Bergischen Land hat es ja zum Glück nicht so schlimm getroffen wie anderswo, etwa in Gegenden in Ost- oder Norddeutschland. Dort sind teilweise sehr schlimme Ernteausfälle zu verzeichnen gewesen. Natürlich haben auch wir hier in unserer Region Einbußen gehabt, viele der Landwirte sind etwa froh, wenn sie jetzt noch einen dritten Grünschnitt machen können – wenn sonst vier bis fünf normal sind. Aber trotz allem haben wir auch in diesem Jahr eine Ernte, weshalb wir auch dankbar sein können und sollten.

Wie wird die Erntekönigin gewählt?

Fischer Die Bewerberinnen stellen sich in einem Wettbewerb Aufgaben und sammeln Punkte. Zum Abschluss wird die Bewerberin mit den meisten Punkten neue Erntekönigin.

Was sind ihre Aufgaben während ihrer Regentschaft?

Fischer Die Erntekönigin hat keine konkreten Aufgaben. Allerdings wird sie ab und zu von anderen Vereinen eingeladen. Jede Erntekönigin kann aber ihre Regentschaft individuell gestalten.