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Serie: Erster Weltkrieg In Etaples (3): Engländer kommen in friedlicher Absicht

Serie: Erster Weltkrieg In Etaples (3) : Engländer kommen in friedlicher Absicht

Etaples und die Engländer - das war bis zum Kriegsausbruch im August 1914 eine eher unheilvolle Geschichte. Denn die Briten hatten die Stadt in den Jahrhunderten zuvor mehrfach geplündert. Doch im Ersten Weltkrieg war Etaples für sie unverzichtbar.

Etaples "Dein Land braucht dich!" Dieser Slogan hat Lord Kitchener, Englands Kriegsminister im August 1914, berühmt gemacht. Mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Betrachter weisend, ließ er Freiwillige anwerben. England brauchte sie in der Tat, denn das stehende Heer des Landes war, verglichen mit den anderen kriegführenden Mächten, klein und wenig beeindruckend. Diese Regular Army stellte nicht mehr als eine Gendarmerietruppe dar, die in den Kolonien für die Aufrechterhaltung britischer Macht zu sorgen hatte und aus Freiwilligen bestand.

Verstärkt wurde die Army von einer Territorialmiliz. Kitcheners Kampagne hatte ungeheuren Erfolg: Statt der benötigten 200 000 meldeten sich in den ersten Augustwochen 300 000 Männer als Freiwillige. Es waren ganze Nachbarschaften, die in Englands Industrievororten und Dörfern so genannte Kumpelbataillone bildeten, etwa die "Liverpool Pals" oder die "Grimsby Chums". Man hatte ihnen versprochen, sie geschlossen als Einheit kämpfen zu lassen.

Manche Städte und Gemeinden wetteiferten darin, ihre jungen Männer für den Kriegsdienst auszustatten. Ganze Sportvereine eilten zu den Fahnen: Es bildete sich ein Fußballerbataillon, es gab eine Boxerkompanie. Der Einfall der Deutschen in Belgien und Frankreich erschien den jungen Leuten wie ein Angriff auf das heimatliche Dorf oder auf ihren Betrieb. Bankangestellte und Geschäftsleute der Londoner City erhofften sich vom Kriegsdienst eine spätere Offizierskarriere.

Und sie suchten das Abenteuer - "ein Picknick zu Pferde, bei perfektem Wetter," schwärmte ein Freiwilliger. Ebenso dachten auch Freiwillige aus Übersee, Australien, Neuseeland, Kanada oder Südafrika. Die Tausende von britischen Soldaten, die nun aus allen Teilen des weltweiten Kolonialreichs in Etaples zusammengezogen wurden, kamen das erste Mal in friedlicher Absicht. Denn in ihrer Geschichte hatten sich Franzosen und Engländer eher als Feinde gegenübergestanden.

Bereits 1346 war Etaples von den Engländern niedergebrannt worden, in den späteren Jahren des 14. Jahrhunderts hatten sie mehrfach die Stadt ausgeplündert. Und es waren englische Truppen, die gemeinsam mit ihren Alliierten 1814 Napoleon bei Waterloo schlugen. Das Schicksal von Etaples im Ersten Weltkrieg ist auch ein Stück englischer Geschichte. Denn die Hilfe der Engländer im Kampf gegen die deutschen Truppen endete in einer gewaltigen Tragödie.

Für die Tommies begann die Katastrophe an einem sonnigen Augusttag 1914. Gerade einmal zwei Tage nach der englischen Kriegserklärung wurde ein 80 000 Mann starkes Expeditionskorps nach Rouen, Le Havre und Boulogne verschifft. Die englischen Expeditionstruppen konzentrierten sich von Amiens aus auf eine Marschrichtung Nordosten. Dort wollten sie an der Maas und der Marne gemeinsam mit den Franzosen die deutschen Armeen bei ihrem Vormarsch nach Süden aufhalten.

Allerorten, auch in Etaples, empfingen jubelnde Franzosen die englischen Soldaten. Alle Soldaten einte eine Hoffnung: In Paris, London und Berlin glaubten die Menschen fest daran, dass dieser Krieg nur ein kurzer Prozess werden würde. Spätestens an Weihnachten wollten Väter, Brüder und Söhne wieder zu Hause sein. Es sollte anders kommen.

(RP)