Hückeswagen: Eltern setzen sich über Empfehlungen der Schulleiter hinweg

Hückeswagen : Eltern setzen sich über Empfehlungen der Schulleiter hinweg

Die Montanusschule stellt seit drei Jahren ab der siebten Klasse auf einen zweizügigen Jahrgang um, weil sie Schüler anderer Schulen bekommt.

Acht Schüler sind zum gerade gestarteten siebten Schuljahr von den Realschulen in Hückeswagen und Radevormwald auf die Montanusschule gewechselt. Im vergangenen Jahr waren es sogar 16 Schüler aus den umliegenden Städten, die von der Real- auf die Hauptschule wechseln mussten. "Seit drei Jahren müssen wir wegen der Schüler, die zu uns kommen, den siebten Jahrgang auf Zweizügigkeit umstellen", sagt Gerd Püschel, der Schulleiter der Montanusschule. Dabei muss er jedes Jahr darum bangen, mindestens 18 Kinder zusammenzukriegen, damit eine fünfte Klasse zustande kommt. Sollte das einmal nicht klappen, würde das das Ende der Montanusschule bedeuten, würde sie dann doch auslaufen.

Foto: Dörner Hans

Schon in der sechsten Klasse wechseln einige Schüler von der Realschule und dem Gymnasium auf die Hauptschule. Aus dem zu Beginn der fünften Klasse einzügigen Jahrgang wird dann spätestens im siebten Schuljahr ein zweizügiger. Püschel weiß natürlich schon vorher, dass es so kommen wird. "Leider gibt es aber keine Sondergenehmigung. In der fünften Klasse müssen mindestens 18 Schüler sein", sagt er. "Objektiv betrachtet ist das ein Argument, dass noch Schüler später dazukommen. Aber leider zieht das nicht bei der Bezirksregierung."

Sechs Schüler sind in diesem Jahr von der sechsten Klasse der Hückeswagener Realschule in die siebte Klasse der Hauptschule gewechselt. "Dieses Mal sind's nicht so viele, der Jahrgang ist aber auch kleiner. So gesehen sind es immer noch viele", erklärt Realschulleiterin Christiane Klur und stellt fest: "Früher waren es generell weniger." Den Grund dafür, dass so viele Kinder nach der sechsten Klasse, der Erprobungsstufe, auf die Hauptschule wechseln, kennt Klur auch: "Das ist häufig in der freien Schulwahl der Eltern begründet", sagt die Schulleiterin.

Denn immer wieder wollen Eltern ihre Kinder trotz Hauptschulempfehlung auf die Realschule schicken. Beim Beratungsgespräch mit den Eltern schauen Klur und Püschel zusammen, welche Schulform für das Kind sinnvoll ist und geben dann eine Empfehlung ab. Die Entscheidung liegt letztlich aber bei den Eltern. "Manche Eltern sind einfach beratungsresistent", macht Klur deutlich. "Wenn ich ihnen sage, dass ihr Kind weinen wird, wenn die ersten Fünfen kommen, dann sagen sie, dass sie es trotzdem auf die Realschule schicken wollen."

Nach ihrer Aussage schafft rund die Hälfte der Realschüler, die nach der vierten Klasse nur eine Hauptschulempfehlung vorweisen konnte, nicht den Sprung von der sechsten in die siebte Klasse und landet dann doch auf der Hauptschule.

Klur zählt drei Gründe auf, warum Eltern ihre Kinder trotz Empfehlung für die Hauptschule auf die Realschule schicken. "Die Hauptschule hat keine gute Reputation, auch die in Hückeswagen nicht", bedauert sie. "Ein weiterer Grund kann sein, dass das Kind unbedingt auf die Realschule will. Oder die Eltern wollen ihrem Kind nichts verbauen." Dabei sei das Schulsystem durchlässig und erlaube Aufstiege.

Das weiß auch Püschel. "Egal, wo ein Kind zur Schule geht - die Chancen sind die gleichen", sagt der Hauptschulleiter. Einige Kinder benötigten nur mehr Zeit oder speziellen Förderbedarf, den die Montanusschule biete. "Allgemein ist das Bild der Hauptschulen in der Öffentlichkeit nicht so gut. Die Montanusschule hat aber einen guten Ruf", versichert er. "Viele Betriebe entscheiden sich ganz bewusst bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen für Schüler unserer Schule."

Püschel rät davon ab, Kinder auf die Realschule zu schicken, wenn sie für diese nicht geeignet sind. "Wenn die Kinder dann auf die Hauptschule wechseln, haben sie schon einiges hinter sich", unterstreicht er. "Sie haben einen Abstieg erlebt." Sein Rat: "Einfacher wäre es, später mit guten Noten auf die Realschule zu wechseln."

(eler)
Mehr von RP ONLINE