Hückeswagen: Einfühlsame Reise ins Land der Trauer

Hückeswagen: Einfühlsame Reise ins Land der Trauer

Die Hospizgruppe kümmert sich ehrenamtlich um Sterbende und Trauernde. Mit einer clownesken Aufführung vor großem Publikum im Kultur-Haus Zach machte die Ortsgruppe jetzt erneut auf sich und ihre Arbeit aufmerksam.

Die Clownfrau Sophia Altklug gehört nicht zu den lauten Spaßmachern, die mit platten Witzen für Lacher sorgen und tollpatschig über die Bühne stolpern. Stattdessen behandelt sie mit leiser Melancholie und einfühlsamer Spielfreude ein Thema, mit dem nahezu jeder schon einmal direkt oder indirekt konfrontiert worden ist: Die Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen oder der angemessene Umgang mit trauernden Angehörigen.

In dem Theaterstück "Die Spieldose — wenn die Clownin Trauer trägt", zu dem die Hospizgruppe Hückeswagen für Donnerstagabend ins Kultur-Haus Zach eingeladen hatte, ging es um eben diese Trauerbewältigung. Der Blick wurde gerichtet auf die unterschiedlichen Phasen, die jeder Mensch dabei durchlaufen muss und auf den Trauerprozess, der niemals ganz endet.

Die Hückeswagener Hospizgruppe möchte mit öffentlichen Veranstaltungen dieser Art auf ihre Arbeit aufmerksam machen — und sie stieß damit am Donnerstag auf sehr positive Resonanz. Die hundert eng gestellten Sitzplätze vor der Bühne waren allesamt besetzt. Der Arzt Werner Fabig, Vorsitzender der örtlichen Hospizgruppe, hatte nach eigener Aussage mit solch einem großen Zuspruch nicht gerechnet und freute sich über das Interesse. "Das Thema Tod und Trauer muss enttabusiert werden. Viele Leute kennen uns und unsere Arbeit noch gar nicht", sagte Fabig.

Clownin Sophia Altklug — dahinter steht die Zahnärztin Dr. Kristin Kunze — stellte die "Reise ins Trauerland" in allen Facetten dar. Anhand von bekannten Märchenfiguren verdeutlichte sie die Charakteristika der verschiedenen Trauertypen. Da ist zum Beispiel das Dornröschen, das zurückgezogen hinter einer dichten Dornenhecke lebt und niemanden an sich heranlassen möchte. Oder Schneewittchen, das eiskalt erscheint, weil es vor Trauer wie erstarrt ist. Das Aschenputtel wiederum stürzt sich bis zum Umfallen in die Arbeit. Rumpelstilzchen, das Gerechtigkeit und Vergeltung für den Tod der geliebten Mutter fordert, klagt gar das Personal im Altenheim mit dem Satz an: "Ich will sie so zurück, wie ich sie abgeliefert habe: lebendig!"

Tief beeindruckt von dem Rollenspiel und den dahinter stehenden Aussagen zeigten sich die Zuschauer. Sie spendeten langanhaltenden Applaus am Ende der Darbietung.

Zuschauerin Ruthild Günther, die selbst in der Familie zwei Schicksalsschläge verarbeiten musste, erkannte die Facetten der selbst durchlebten Trauer in dem Stück wieder. "Die Trauerphasen hören nie auf und holen einen auch nach 20 Jahren noch ein", sagte die Hückeswagenerin. Und: "Ich denke, die Hospizgruppe in Hückeswagen macht gute Arbeit. Ich persönlich kann aus der Erfahrung Kraft schöpfen und sie auch an andere Menschen weitergeben."

Der Eintritt zu der Kulturveranstaltung war kostenfrei. Am Ausgang wurden aber Spenden gesammelt für die ehrenamtliche Arbeit der Hospizgruppe, die darauf finanziell angewiesen ist.

Die Darstellerin des nachdenklich stimmenden Abends, Dr. Kristin Kunze, hat ihren Zahnarztkittel auch als Clownin nicht ganz an den Nagel gehängt. In zwei Wochen wird sie mit einer mobilen zahnärztlichen Station in Sansibar, an der Küste Tansanias, unterwegs sein, um dort ärmeren, Schmerz geplagten Menschen medizinisch zu helfen.

(RP/ac)
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