Hückeswagen Ein Wohnzimmer fürs Wartehäuschen

Hückeswagen · Das Buswartehäuschen an der Bahnhofstraße bekommt einen neuen Anstrich - allerdings nicht in Pink. Die Wohnzim-mer-Kulisse von Designerin Marianne Reuter erhielt den Zuschlag. Sprayerin Marlen Nitzsche wird die Idee umsetzen.

Das Warten auf den Bus wird in Zukunft zwar nicht verkürzt, dafür aber farbenfroher: Die Haltestelle an der Bahnhofstraße aus grauem Waschbeton bekommt einen neuen Anstrich. "Was eine Nacht- und Nebelaktion so alles auslösen kann", sagte Bürgermeister Dietmar Persian am Dienstagabend bei der Sichtung der Vorschläge im Jugendzentrum. Er bezog sich damit auf die Aktion eines Unbekannten, der in der Nacht zum 25. April die Wände der Haltestelle pink eingefärbt hatten (die BM berichtete). "Das geht natürlich nicht, aber man kann über alles reden", fügte Persian hinzu.

Das geschah am Dienstag. Stefanie Heymann vom städtischen Bauamt stellte fünf Ideen vor, die nach einem Aufruf der Stadt eingegangen waren. Darunter war ein bildlicher Stadtplan mit QR-Codes einiger Gebäude (Schloss, Bürgerbad, Jugendzentrum, Realschule), den sich der Hückeswagener Jung-Designer Björn Steinmetzler ausgedacht hatte. Und Michael Witkowski reichte ein Landschaftsbild mit Blick von Herweg Richtung Radevormwald ein. Weitere Vorschläge waren das Schloss mit dem Maskottchen "Hücki" als Ritter und dem Schriftzug "Unsere Stadt" sowie ein historisches Motiv wie beispielsweise das ehemalige Schlosshotel, die spätere Diskothek "Holzwurm".

Das Siegerbild kam letztendlich von Marianne Reuter. Die Straßweger Designerin lieferte einen ausgearbeiteten Entwurf, der die Wartebucht aus grauem Beton optisch in ein gemütliches, älteres Wohnzimmer verwandelt: Die Bank ist ein Sofa, der Stromkasten wird zur Kommode und der Abfalleimer zum Radio, ein Hirschgeweih als Wandbehang komplettiert das "Wohnzimmer". "Ein Geweih an der Wand ist total ,in' im Moment", versicherte die Designerin.

17 Interessierte waren dem Aufruf zur Abstimmung gefolgt und durften jeweils drei Stimmen vergeben. 39 von 51 möglichen Stimmen und damit 76 Prozent erhielt das Wohnzimmer-Bild. "So ein Wahlergebnis wünscht sich jeder Bürgermeister", bemerkte eine Teilnehmerin angesichts das eindeutigen Ergebnisses.

"Living room" nennt Marianne Reuter ihr Motiv. Das könne jeder interpretieren, wie er möchte - sei es als "Wohnzimmer der Stadt" oder "Raum zum Leben". Umgesetzt werden soll die Idee von Graffiti-Sprayerin Marlen Nitzsche eventuell schon im Juli. "Als Erstes werde ich mit der Farbpalette das Rathaus ansteuern", verriet die Hückeswagener Künstlerin, die sich auch um die Beschaffung der benötigten Farben kümmern wird.

In der Diskussion nach der Abstimmung sahen die Anwesenden vor ihrem geistigen Auge schon die Touristen aus aller Herren Länder, die vor dem außergewöhnlichen Wartehäuschen stehen und Fotos machen. "Wenn man sich auf die Bank stellt, hat man sogar ein Geweih auf dem Kopf", regte Marianne Reuter lächelnd an. Dietmar Persian befürchtete schon einen neuen Unfallschwerpunkt auf der Bahnhofstraße "aufgrund der vielen Hobby-Fotografen". Touristikbeauftragte Heike Rösner beruhigte ihn jedoch schnell: "Die Straße ist doch verkehrsberuhigt", sagte sie lachend.

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort