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Ein umfangreiches Bildarchiv über Hückeswagen

Kulturstätten : Ein umfangreiches Bildarchiv über Hückeswagen

Hückeswagen hat zwar innerhalb der Stadtgrenzen kein Stadtarchiv mehr, dafür aber gleich zwei Archive der beiden Geschichtsvereine. Am oberen Island befindet sich seit 2006 das Archiv des Vereins Bergische Zeitgeschichte.

Die Schloss-Stadt hat nicht nur einen Geschichtsverein, sondern derer gleich zwei. Zum einen ist da die Ortsabteilung des Bergischen Geschichtsverein, zum anderen der Verein Bergische Zeitgeschichte. Zur Gründung ist es Ende des Jahres 2002 gekommen, weil die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus im Bergischen Land einigen lokalen Historikern nicht schnell genug ging.

„Wolfgang Vökel hat den Verein für die drei bergischen Städte Wermelskirchen, Radevormwald und Hückeswagen gegründet. Es gibt auch nur den einen Verein für alle drei Städte, also keine Ortsabteilungen, wie das beim Bergischen Geschichtsverein etwa üblich ist“, sagt Iris Kausemann. Die Archivleiterin des Radevormwalder Stadtarchivs kümmert sich seit 2014 in beiden Vereinen als Vorsitzende um die Vereinsbelange. Der ursprüngliche Vereinszweck fand dann schon 2004 seine Erfüllung. „Damals gab es im Wülfing-Museum in Radevormwald eine große Ausstellung zur NS-Zeit. Die war mit mehreren tausend Besuchern ein respektabler Erfolg“, sagt Kausemann. Zehn Jahre später habe man hingegen kurz vor der Auflösung gestanden, da eben jener Vereinszweck in diesem Maße nicht mehr gegeben gewesen sei. „Wir haben uns dann aber doch entschlossen, weiter zu machen, solange wir als Vorstand geschäftsfähig sind“, sagt Kausemann. Sie selbst stelle jedoch durchaus die Frage nach dem Sinn zweier Geschichtsvereine. „Das ist aber letztlich eine Frage, die jetzt nicht von heute auf morgen entschieden und beantwortet werden muss.“

Nun ist es eben so, dass die Schloss-Stadt mit zwei Geschichtsvereinen recht gut aufgestellt ist. Vor allem auch, weil jeder der beiden Vereine über ein eigenes Archiv verfügt. Jenes der Bergischen Zeitgeschichte befindet sich gleich zu Beginn der Islandstraße, an der Ecke zur Marktstraße, und ist vor allem wegen seines umfangreichen Fotoarchivs interessant. „Wir haben weit mehr als 7000 Bilder aus der Zeitgeschichte, darunter etwa den äußerst umfangreichen, vielfältigen und besonderen Nachlass des Hückeswagener ‚Stadtfotografen‘ Theo Dörpinghaus“, sagt Kausemann. Eine weitere Besonderheit sei in diesem Zusammenhang, dass dieses umfangreiche Bildarchiv den Mitgliedern der Bergischen Zeitgeschichte via des Internetdienstes Flickr zur Recherche zur Verfügung gestellt werden könne.

In das Archiv an der Islandstraße, in dem auch die Geschäftsstelle des Vereins ihren Sitz hat, können an der Hückeswagener Stadtgeschichte Interessierte jeden ersten Samstag im Monat zur Recherche kommen. „Dann ist auch immer jemand aus dem Verein da, weil wir ja immer etwas vorzubereiten oder zu besprechen haben“, sagt Kausenmann. Seit 2006 ist der Verein dort untergebracht, die Stadt habe den Raum zur Verfügung gestellt. „Wir haben seitdem auch immer wieder darin investiert, etwa in eine neue Heizung“, sagt Kausemann. Pünktlich zum Altstadtfest werde das Archiv immer besonders schön hergerichtet, sagt die Vereinsvorsitzende. „Dann gibt es auch immer eine kleine Ausstellung für die Besucher zu sehen.“

Aber auch ansonsten sei man im Stadtgeschehen aktiv dabei. „Wir haben zum Beispiel die ersten drei Stolpersteine nach Hückeswagen gebracht. Die Steine des Bildhauers Gunter Demnig erinnern im Bürgersteig an der Peterstraße an die drei dort von den Nazis erschossenen Kommunisten.“ Dabei handelt es sich um Bruno Blumberg, Friedrich Wilhelm Mondré und Johann Fries, die von der SA am 13. März 1932 erschossen worden waren. In diesem Jahr wird auf Initiative der Bergischen Zeitgeschichte ein weiterer der gold glänzenden und knapp zehn mal zehn Zentimeter großen gegossenen Betonsteine nach Hückeswagen kommen. „Er wird an den im KZ umgekommenen Kommunisten Otto Fröhlich erinnern und an der Weststraße am letzten bekannten Wohnort Fröhlichs eingebaut“, sagt Kausemann.

Ansonsten sei es nicht immer ganz einfach, den Geschichtsverein mit Leben zu erfüllen. „Das ist aber jetzt kein spezifisches Problem des Vereins Bergische Zeitgeschichte, sondern betrifft Geschichtsvereine allgemein“, sagt Kausemann. Man versuche aber durchaus, ein wenig up to date zu sein, wie die Vereinsvorsitzende schmunzelnd sagt. „Wir werden demnächst etwa eine neue Website präsentieren, weil die alte einfach nicht mehr zeitgemäß ist.“