Hückeswagen: Ein Umbruch ist das noch nicht

Hückeswagen : Ein Umbruch ist das noch nicht

Geredet worden ist in den zurückliegenden Jahren viel über die lokale und regionale Energiewende. Aber konkret getan hat sich bislang vergleichsweise wenig in Stadt und Landkreis. Immerhin: Die Vorreiter sitzen in Hückeswagen, der heimische Energieversorger BEW ist mit im Boot.

Hückeswagen/Oberberg Gut 1890 Megawattstunden Strom verbrauchen die Oberberger im Jahr. Gerade einmal 72 davon werden aus erneuerbarer Energie gewonnen. Das sind nicht einmal vier Prozent — ein dürftiger Wert. Landesweit werden knapp sechs Prozent des Stroms regenerativ erzeugt, bundesweit sind es fast 17 Prozent. 35 Prozent peilt die Bundesregierung mittel- und langfristig an. Für diese Zielmarke müsste regional noch sehr viel geschehen. Das hatten Mitarbeiter des Aachener Energieberatungsbüros Adapton im Februar im Kreisentwicklungsausschuss deutlich gemacht. Die Zahlen aus der vom Kreis in Auftrag gegebenen Studie zum Ist-Zustand ernüchterten.

Windkraft und Photovoltaik

Zur Sprache kamen auch interessante Details. Beispiel: 19 Windkraft-Anlagen gibt es nach Daten aus dem Jahr 2010 im Oberbergischen, die meisten davon in Radevormwald, zwei in Hückeswagen (Röttgen und Vormwald). Die 19 Windräder produzieren zusammen doppelt so viel Strom wie die rund 1800 Photovoltaik-Anlagen, die auf Gebäude-Dächern im Kreis installiert wurden, so auch auf das Dach der Hückeswagener Realschule.

Aufbauend auf den nun bald zwei Jahre alten Daten will das Aachener Büro für den Kreis Möglichkeiten und Empfehlungen für den Ausbau regenerativer Energie-Gewinnung entwickeln. Für die Kreistagsmehrheit von CDU und FDP steht vorerst fest: Es werde zumindest in den nächsten 50 Jahren nicht gelingen, Oberberg energieautark zu machen, also zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie aus der Region zu versorgen.

Ambitionierter zeigte sich bereits im Herbst 2010 — vor der Reaktor-Katastrophe in Japan und vor Beginn der Diskussion um die Energiewende im Kreis — Hückeswagens Bürgermeister Uwe Ufer. Er sagte damals: "Ich glaube fest, dass es erreichbar ist, die in unserer Stadt benötigte Energie vor Ort selbst zu erzeugen — Schritt für Schritt." Die Ressourcen wie Wasserkraft, Wind, Sonne und Biomasse seien vorhanden — "wir haben die natürlichen Rohstoffe und müssen sie nur nutzen", betonte Ufer im Herbst 2010 in einem Gespräch mit der BM.

Er überzeugte auch seine Amtskollegen in Wipperfürth und Wermelskirchen, also im Geschäftsgebiet des heimischen Energieversorgers BEW. Die BEW-Geschäftsführung und die drei Bürgermeister riefen Anfang 2011 gemeinsam die regionale Energiewende aus. Ein erstes Experten-Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Dessen Kernaussage: Fürs Bergische Land liegt die Zukunft in der Windkraft. Für dieses Jahr ist ein zweites Gutachten angekündigt mit konkreten Aussagen, wo in Hückeswagen und in den Nachbarstädten der Neubau von Windkraft-Anlagen machbar und sinnvoll ist.

Ambitioniert: der Wupperverband

Auf seinen "ureigenen" Rohstoff setzt derweil der Wupperverband: Der Betreiber der Talsperren in der Region hat angekündigt, bis 2020 die Energie für seine Anlagen komplett selbst produzieren zu wollen. Vorrangig setzt der Verband dabei auf die Wasserkraft. Aber er nutzt auch Faulgas, Dampfkraft und Photovoltaik. Denn es geht um enorme Energiemengen: 2009 benötigte der Verband 41 Millionen Kilowattstunden Strom. Die größten Stromfresser: Abwasser-Reinigung und Schlamm-Verbrennung.

(RP/rl)