Serie Menschen vom Markt: Ein Obsthändler mit Rennfahrerlizenz

Serie Menschen vom Markt : Ein Obsthändler mit Rennfahrerlizenz

Eigentlich sah David Niepenberg seine Zukunft auf der Rennstrecke. Dann fragte ihn Vater Rudi, ob er seinen Betrieb übernehmen wolle. Jetzt steht der 33-Jährige jeden Donnerstag mit seinem Obst- und Gemüsestand auf dem Wochenmarkt.

David Niepenberg hat etwas übrig für laute Töne. Das merkt jeder, der sich donnerstags in die Nähe seines Obst- und Gemüsestands auf der Bahnhofstraße begibt. Mit seiner prägnanten Stimme bringt der 33-Jährige Woche für Woche Äpfel, Erdbeeren, Spargel und alles, was sonst noch als gesund bezeichnet werden kann, an die Hückeswagener. Aber auch seine Freizeit wurde bislang von lauten Tönen geprägt.

Dann, wenn er in seinen PS-starken Wagen stieg, den Motor aufheulen ließ und über die Rennstrecken raste. Niepenberg besitzt neben der Fähigkeit, Obst und Gemüse Gewinn bringend zu verkaufen, auch das Geschick, Rennwagen möglichst schnell um die Kurven zu lenken. Der 33-Jährige hat eine Rennfahrerlizenz.

Seit Februar kann er seinem Faible für schnelle Schlitten aber nicht mehr nachgehen, weil er das Familienunternehmen von seinem Vater übernommen hat. Seit 1953 verkauft die Familie Niepenberg Obst, Gemüse und Südfrüchte. Jetzt wird David Niepenberg voll in das Geschäft mit eingespannt. "Es war immer mein Traum, das Geschäft von meinem Vater zu erben", sagt der 33-Jährige, der zuvor einen eigenen Erdbeerbetrieb besaß. Das Leben als Markthändler ist für ihn deshalb nichts Neues — in Chef-Funktion aber schon. "Gerade in der Haupt-Saison ist es sehr stressig, weil ich sieben Tage die Woche auf Märkten unterwegs bin", berichtet Niepenberg. 75 Stunden pro Woche kämen da schon mal zusammen. Deshalb habe er in seinem Lkw auch eine Schlafkabine. Bis Mitte Juli würde das Marktgeschäft noch ähnlich stressig bleiben, dann sei die Haupt-Saison vorbei.

Statt mit seinem R36-Kombi mit mehr als 200 PS, tuckert er nun mit einem 7,5-Tonner über die Dörfer zu den Märkten. 800 Kilometer spule er da pro Woche ab, sagt er. Eines seiner wichtigsten Standbeine ist der Erdbeerverkauf: "Wir haben sehr viele Erdbeeren, die direkt vom Erzeuger kommen." Bis zu 2500 Schalen pro Woche würden über die Ladentheke wandern, berichtet der Solinger. Auch das Meiste an Gemüse und Obst komme aus der Region.

In die Schloss-Stadt kommt Niepenberg gerne. "Hier läuft es gut", versichert er. Vor allem Gemüse und Erdbeeren seien begehrt. "Ich glaube, die Hückeswagener kochen gerne. Da sieht man schon einen Unterschied zu anderen Märkten." Natürlich könnten die Hückeswagener auch Obst und Gemüse bestellen, sollte mal etwas nicht vorrätig sein.

Rudi Niepenberg ist zufrieden mit seinem Nachfolger. "Der macht das gut", sagt der Ex-Chef, der seinem Sohn weiterhin hinter der Theke helfen wird. Beim lautstarken Anpreisen der Ware braucht David Niepenberg jedenfalls keine Hilfe mehr vom Vater.

(RP)
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