Ansichtssache: Ein bisschen mehr Akzeptanz und Toleranz täte so manchem gut

Ansichtssache : Ein bisschen mehr Akzeptanz und Toleranz täte so manchem gut

Dass jemand einen "Stolperstein" beschmiert, ist empörend. Denn so wird das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus beschädigt.

In Deutschland - aber auch in anderen europäischen Staaten - ist seit geraumer Zeit eine Entwicklung zu beobachten, die im schlimmsten Fall fatal enden könnten: zunehmender Hass auf Fremde, Antisemitismus und die Abschottung vor Menschen, die nicht aus "meinem Land" stammen. In Hückeswagen war's bislang vergleichsweise ruhig, doch das Beschmieren eines "Stolpersteins" im Gehweg der Peterstraße zeigt, dass auch in der Schloss-Stadt rechtes Gedankengut an die Öffentlichkeit drängt.

Nun mag man argumentieren, es sei ja nur ein bisschen Farbe gewesen. Stimmt, es war nur "ein bisschen Farbe". Die Aktion, die das Gedenken an einen von Nazi-Schergen im März 1932 ermordeten Kommunisten beschmutzt, sollte jedoch alle aufrechten Demokraten in der Stadt aufrütteln. Zeigt sie doch, dass im eigentlich beschaulichen Hückeswagen Menschen leben, die nichts aus der Geschichte gelernt haben und denen das Verunglimpfen wichtiger ist als das Aufeinanderzugehen.

Zwei Dinge sollte uns allen klar sein: Wir sind nur zufällig Deutsche, weil wir hier geboren und aufgewachsen sind. Wir hätten auch in Turkmenistan oder Burkina Faso zur Welt kommen können. Und: Im Grunde genommen sind wir alle Fremde. Sind doch unsere Vorfahren irgendwann einmal im Zuge der Völkerwanderung aus dem Süden, Osten, Norden oder Westen eingewandert. Unsere ursprünglichen Wurzeln liegen somit nicht unbedingt in dem Flecken, der heute Deutschland genannt wird. Ein bisschen mehr Akzeptanz und Toleranz täte so manchem gut, der meint, über Fremde herziehen oder Gedenksteine an die Opfer einer unheilvollen Zeit in Deutschland beschmieren zu müssen.

Schnell ist anders: Das wird einmal mehr beim Breitband-Ausbau deutlich. Zwar scheinen die dicht besiedelten Gebiete in Hückeswagen - Innenstadt und Wiehagen - nach einigen Problemen mittlerweile über das schnelle Internet zu verfügen, das die Telekom vor, während und kurz nach dem Ausbau zum Jahreswechsel 2016/17 versprochen hatte. Aber die Anwohner der Außenortschaften müssen weiter auf Datenübertragungen von 50 Mbit/s und mehr verzichten. Dabei hatte die alte Bundesregierung einen solch schönen Plan: Bis Ende 2018 sollte Highspeed-Internet in annähernd 100 Prozent von Deutschland verfügbar sein. Doch das wird so schnell nicht kommen. Schon der Bürgermeister hatte im vorigen Jahr angedeutet, dass die "weißen Flecken" in der Stadt wohl nicht vor Ende 2019 angeschlossen sein werden. Nach dem Gespräch mit dem Bauamtsleiter sieht es so aus, dass die ersten Arbeiten frühestens erst nächstes Jahr aufgenommen werden können. Und da es viele Kilometer Glasfaser zu verlegen gibt und auch andere Kommunen das Gleiche vorhaben, dürfte es für das dann zum Zuge gekommene Telekommunikationsunternehmen schwierig sein, eine Baufirma zu finden. Vor 2020 wird's also wohl nichts mit dem kompletten Breitband-Ausbau in Hückeswagen. Vielleicht wird's sogar noch später. . .

Dabei ist das ein hausgemachtes Problem des Bundes. Der hätte die Ausschreibung des Breitband-Ausbaus für die "weißen Flecken" in Deutschland direkt selber mit einem Telekommunikationsunternehmen vereinbaren müssen. Dass jetzt jede Kommune und im günstigsten Fall Kreise selber verhandelt, hat das Projekt um Monate, wenn nicht sogar um Jahre zurückgeworfen.

(büba)
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