Egbert Sabelek hört als Fraktionschef auf 25 Jahre das „Gesicht“ der Hückeswagener Grünen

Hückeswagen · Seine Karriere in der Hückeswagener Politik begann kurios, seitdem steht Egbert Sabelek schon ein Vierteljahrhundert „an vorderster Front“. Nun hört er als Fraktionschef auf. Der 64-Jährige erzählt, wie alles begann und was er demnächst vorhat.

 Egbert Sabelek bleibt auch ohne Fraktionsvorsitz weiterhin in der (Hückeswagener) Politik, verschiebt den Fokus aber künftig mehr in Richtung Reisen.

Egbert Sabelek bleibt auch ohne Fraktionsvorsitz weiterhin in der (Hückeswagener) Politik, verschiebt den Fokus aber künftig mehr in Richtung Reisen.

Foto: Grüne

So hatte er sich das eigentlich nicht vorgestellt. Als Egbert Sabelek vom Grünen-Ortsverband Hückeswagen für die Kommunalwahl 1999 aufgestellt wurde, „wollte ich an fünfter oder sechster Stelle kandidieren“, erinnert er sich. Wenn die Partei genügend Stimmen bekommen hätten, wäre er in das Gremium vielleicht hineingerutscht, ansonsten halt nicht. Doch vor der Wahl zog sich die „alte Riege“ der Hückeswagener zurück, die die Partei in der Schloss-Stadt aufgebaut und zehn Jahre zuvor Kostenpflichtiger Inhalt Manfred Vesper gegen den Willen des damaligen CDU-Landesvorsitzenden Norbert Blüm zum (ehrenamtlichen) Bürgermeister gewählt hatte: Anne Hohmeister, Wolfgang Heer, Alfons Herweg und Kerstin Paulussen standen nicht mehr zur Verfügung – und Egbert Sabelek mit Dirk Niehaus ganz oben auf der Liste. Das Duo bildete dann auch die Grünen-Fraktion im Rat.

Und nicht nur das: Sabelek, der erst drei Jahre zuvor in die Schloss-Stadt gezogen war, wurde gleich noch Fraktionschef. „Dirk Niehaus hatte mir gesagt, dass er das Amt auf keinen Fall übernehmen werde“, sagt Sabelek. „Schon hatte ich’s.“ Das ist nun 25 Jahre her, und die von ihm geprägte Ära der Hückeswagener Grünen endet am Montag, 17. Juni. Dann wird der 64-Jährige sein Amt auf der offenen Fraktionssitzung (s. Infokasten) niederlegen und voraussichtlich an Christian Werth weiterreichen.

Sabelek wurde im Februar 1960 im einstigen ostpreußischen und heutigen polnischen Allenstein (Olsztyn) geboren. Elf Jahre später reisten seine Eltern mit ihm als Spätaussiedler nach Deutschland, wo die Familie zunächst in Mettmann und später in Lippetal im Kreis Soest lebte. Als 20-Jähriger reiste er zunächst durch Deutschland, ehe er sein Studium von Erdkunde und katholischer Religion auf Lehramt in Münster begann. Sein Referendariat machte er in Dortmund, seine erste Lehrerstelle hatte Sabelek in Dasing bei Augsburg.

Egbert Sabelek vor der Kommunalwahl 1999, bei der er erstmals in den Stadtrat gewählt und dann gleich zum Fraktionschef ernannt wurde.

Egbert Sabelek vor der Kommunalwahl 1999, bei der er erstmals in den Stadtrat gewählt und dann gleich zum Fraktionschef ernannt wurde.

Foto: BM-Archiv

Schließlich fand er für drei Jahre eine Stelle als Religionslehrer in Berlin, ehe ihn 1996 der Anruf des Oberbergischen Kreises ereilte, der ihm eine Stelle an der Hückeswagener Montanusschule anbot. Dort blieb er zwar nur für ein Jahr, ehe er seine restliche Lehrerlaufbahn an der Hauptschule Lindlar absolvierte. Der Schloss-Stadt blieb er allerdings treu. „Mir hat’s hier gefallen und es gefällt mir noch“, versichert er. Vor allem, dass hier so vieles fußläufig erreichbar sei, zudem liegen ihm die Natur, die Architektur und die Innenstadt am Herzen. Aber auch die Menschen. Deren Herzlichkeit mag er, „auch wenn andere sagen, das sei nicht so“. Aber Sabelek findet die Hückeswagener nett und offen.

Die Zeit in Berlin hat auch ihn geprägt. Denn in der Bundeshauptstadt schloss er sich den Grünen an, die sich dort – wie in anderen Landesverbänden – als Alternative Liste bezeichnen. „Ich hatte mich schon immer für die Grünen interessiert, und dann habe ich den Schritt gewagt und bin eingetreten.“ 1992 war das.

Er gehörte dem Ortsverband Schöneberg an, der bei der Bundestagswahl zusammen mit Kreuzberg einen Wahlkreis bildete und in dem Christian Ströbele († August 2022) kandidiert hatte: Er sollte vier Jahre später der erste Grünen-Politiker sein, der einen Wahlkreis direkt gewinnen würde. Daran erinnert sich Sabelek noch gerne zurück.

Mit seinem Umzug in die Schloss-Stadt schloss er sich gleich dem hiesigen Ortsverband an. Der lag in den 2000er Jahren ziemlich darnieder: Die „alte Garde“ hatte sich zurückgezogen, Mitglieder waren weggezogen oder ausgetreten, und die Grünen mussten hier viele Jahre hauptsächlich von Sabelek allein über Wasser gehalten werden. Der damalige (parteilose) Bürgermeister Norbert Jörgens hatte ihm Anfang der 2000er den Rat gegeben, „den Verein zuzumachen und zur SPD zu wechseln“, wie Sabelek erzählt. „Das war für mich aber nie eine Alternative.“

Im Vorfeld der Kommunalwahl 2014 aber änderte sich das Gesicht der Grünen, als unter anderem die jetzige Ortssprecherin Shirley Finster zur Partei hinzustieß, und mit ihr weitere. Mittlerweile hat der Ortsverband bei der Mitgliederzahl stark zugelegt. Und auch der bislang größte Erfolg bei einer Kommunalwahl fällt noch in die Ära Sabeleks: 2020 holte die Partei in Hückeswagen fast 20 Prozent, überflügelte die SPD und ist seither mit zehn Mitgliedern die zweitstärkste Fraktion im Rat.

Jetzt will der Hauptschullehrer es ruhiger angehen lassen. Das liegt auch daran, dass er in gut drei Wochen mit Beginn der Sommerferien in den Ruhestand gehen wird. „Wir sind gut aufgestellt, die 25 ist eine schöne Zahl, und es wird Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen“, erläutert er seine Entscheidung. „Ich bleibe aber in der Politik“, versichert Sabelek, der auch nächstes Jahr bei der Kommunalwahl wieder für die Grünen kandidieren will.

Doch seinen Fokus wird er demnächst mehr auf seine Reiseleidenschaft richten: Für den Herbst will Sabelek Äthiopien erkunden, und fürs Frühjahr hat er sich das nördliche Südamerika auserkoren: Dann steht eine Rundreise durch Guyana, Surinam und Französisch-Guyana an.