Hückeswagener DLRG Flut-Einsatz mit Boot und Drohne

Hückeswagen · Am Einsatz gegen das Hochwasser in Süddeutschland waren auch sechs DLRG-Mitglieder aus Hückeswagen beteiligt. Sie trugen nicht nur Sandsäcke, sondern halfen dank Drohne bei der Lagesondierung.

Hückeswagen: DLRG-Helfer im Hochwassereinsatz​
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DLRG aus Hückeswagen im Hochwassereinsatz

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Foto: DLRG-NR/Kahl

Die Nächte waren kurz, sehr kurz. Und dazu in einer großen Turnhalle mit 300 Leuten auch nicht besonders heimelig. Aber zum Ausruhen waren die sechs Hückeswagener auch nicht nach Süddeutschland gereist: Die DLRG-Mitglieder halfen in der vergangenen Woche mit weiteren Kräften aus NRW bei den Überschwemmungen in Bayern. Der Hückeswagener Ausbildungsleiter Jonas Pickhardt hatte am Mittwoch Zeit, mit unserer Redaktion über den Katastrophenfall-Einsatz zu sprechen.

Mit seinen Booten auf Anhängern war der Wasserrettungszug 6 (WRZ) des Landesverbands Nordrhein um 0.30 Uhr in der Nacht auf Montag, 3. Juni, losgefahren. Nach der Ankunft in Süddeutschland, südlich von Ingolstadt, ging es für die Hückeswagener zunächst in den sogenannten Bereitstellungsraum. „Wir haben die Helfer vor Ort entlastet, die teilweise schon drei Tage durchgearbeitet hatten und am Ende der Kräfte waren“, erklärt Pickhardt den wichtigsten Grund für die Anforderung.

Und weil zusätzlich zum Hochwasser für die kommenden Tage auch noch Regen und Gewitter angekündigt waren. Damit erhöhte sich die Gefahr von Deichbrüchen. „Die Bereitstellungsräume befinden sich möglichst zentral, nah am möglichen Einsatzgebiet“, erläutert der 31-Jährige, für den es der erste Katastrophen-Einsatz war. Deswegen wurden die sechs Helfer aus der Schloss-Stadt in ihrem dreitägigen Einsatz auch mehrfach verlegt – je nachdem, wo entsprechend mehr Einsatzkräfte benötigt wurden. So auch mitten in der Nacht auf Dienstag, als sie plötzlich umziehen mussten.

Ein wichtiger Auftrag für den WRZ war, lebensnotwendige Medikamente aus einem überfluteten Haus zu holen. Auf dem Weg zur Einsatzstelle sprangen die Helfer noch einer jungen Familie bei. „Die parkte gerade und hatte den Kofferraum voller Sandsäcke, wir haben dann schnell eine Kette gebildet und mit ausgeladen“, beschreibt Pickhardt, der als Verkehrsplaner bei der Stadt Remscheid arbeitet, die spontane Hilfeleistung.

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So hoch steht das Wasser in der Altstadt von Passau

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Foto: AFP/MICHAELA STACHE

Beim eigentlichen Ziel angekommen, zeigte sich, dass „das Wasser im Erdgeschoss noch hüfthoch stand“, beschreibt er die Lage in dem Dorf südlich von Ingolstadt. „Um das Haus gab es eine gewisse Strömung, so dass wir mit dem Boot herangefahren sind und die Strömungsretter dann die Medikamente geholt haben.“ Dabei geholfen hat eine Drohne. „Um die Lage zu sondieren. Das ist noch ziemlich einzigartig im Einsatzgeschehen“, sagt der Hückeswagener. Der Drohnenpilot bleibt dabei am Fahrzeug und ist über Funk mit den Rettern im Boot verbunden. „So kann er uns helfen, den besten Weg zum Haus zu finden. Wenn zum Beispiel Öl ausgetreten oder ein Hindernis unter Wasser ist.“ Kostenpflichtiger Inhalt Die Einsatzdrohen hatte im Vorjahr die Firma Pflitsch vom Mühlenweg an die DLRG und die Freiwillige Feuerwehr gespendet.

Die Lage-Erkundung per Drohne wurde auch an weiteren kritischen Punkten von den Wasserrettungszügen gerne in Anspruch genommen. Mit dem Überblick aus der Luft hätte man sogar eine Person knapp unter der Wasseroberfläche erkennen können – denn das Hightech-Gerät verfügt auch über eine Wärmebildkamera.

Vorige Woche Mittwoch, 5. Juni, fuhren die sechs DLRG-Mitglieder wieder nach Hause – die Lage hatte sich soweit entspannt, dass keine weiteren Kräfte benötigt wurden. „Es gab eine Vorabfrage, und wir hätten auch bis Freitag verlängert. Aber letztlich wurden wir nicht mehr angefordert“, sagt Pickhardt. Die Einsatzkräfte werden für ihren Dienst von den Arbeitgebern freigestellt.

Seit Beginn der Hochwasser-Katastrophe waren laut bayerischem Innenministerium rund 84.000 Helfer in Bayern im Einsatz. Etwa 7000 Evakuierungen seien wegen der Überflutungen nötig gewesen. Nun nähert sich nach mehr als eineinhalb Wochen die Hochwasserlage dem Ende. Mit dem schwäbischen Landkreis Donau-Ries hob am Mittwoch, 12. Juni, auch die letzte bayerische Kommune den Katastrophenfall auf. In vielen von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten liefen nach wie vor Aufräumarbeiten, Keller wurden ausgepumpt und Schäden geprüft.

Die Zahl der Todesopfer lag am Mittwoch weiter bei sechs, ein 22 Jahre alter Feuerwehrmann galt nach wie vor als vermisst.

((mit dpa))