DLRG Hückeswagen investiert in neues Gebäude und Boot

Lebensretter : DLRG investiert in neues Gebäude und Boot

In den kommenden Monaten hat die DLRG-Ortsgruppe große Investitionen zu stemmen. Die Kosten für das neue Rettengsboot zahlt sie aus eigenen Rücklagen, für den Neubau der Material- und Fahrzeughalle hofft sie auf Spenden- und Fördermittel.

Vor 106 Jahren wurde die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gegründet. Es sollte bis 1951 dauern, ehe es auch in Hückeswagener eine Ortsgruppe gab, die seitdem die Wachdienste an der Bever-Talsperre übernimmt. Teile der Wache stammen noch aus den Anfangsjahren, dazu könnte auch der benachbarte hölzerne Schuppen an der Liegewiese gehören. Als Wachstation 2000 einen gemauerten Anbau erhielt, musste der dafür weichen und dient seither als Materiallager. Allerdings ist er eher ein Anachronismus als ein modernes, zweckmäßiges Gebäude für die Bedürfnisse der Hückeswagener Lebensretter.

Der Vorstand um den Vorsitzenden Adrian Borner hat daher nun weitreichende Ideen: In den kommenden Monaten soll ein Betrag in sechsstelliger Höhe ausgegeben werden, um ein neues Rettungsboot anzuschaffen und an der Stelle des Holzschuppen eine moderne Material- und Fahrzeughalle zu errichten. „Wir haben einen Investitionsstau, den wir jetzt beheben müssen und wollen“, stellt Borner im Gespräch mit unserer Redaktion klar. Auch wenn das mit einem hohen Aufwand verbunden sei.

Dabei hat die DLRG bereits im vorigen Jahr mit dem Geldausgeben begonnen, als das neue Fahrzeug angeschafft wurde – ein Mercedes Vito hatte den 24 Jahre alten VW T4, der einige Jahre zuvor gebraucht gekauft worden war, abgelöst. Nun stellt sich aktuell die Frage, was mit dem acht Jahre alten Rettungsboot passiert. Der Vorstand ist zu dem Entschluss gekommen, das Sportboot zu verkaufen. „Zum einen bekommen wir jetzt noch einen guten Preis dafür und haben auch schon einen Käufer“, berichtet Borner. Zum anderen seien die bevorstehenden möglichen Reparaturkosten hoch. So ist nach knapp 800 Betriebsstunden die Kupplung nicht mehr die beste. Zum anderen könnten bald auch die Auspuffkrümmer ausgetauscht werden müssen. „Der Restwert des Bootes sinkt rapide“, betont der Vorsitzende. Würde die DLRG das Boot erst in drei oder vier Jahren veräußern, würde sie maximal ein Viertel des jetzigen Werts bekommen.

Dass das Boot nach nur acht Jahren schon am Ende seiner Betriebszeit als Einsatzfahrzeug angekommen ist, hat seinen Grund. „Wir nutzen das Boot häufiger und anders als ein Sportbootfahrer“, erläutert Enno Bohmfalk, der stellvertretende Vorsitzende. Der wäre in dieser Zeit auf vielleicht 250 Betriebsstunden gekommen und könne sein Boot langsam warmlaufen lassen. Die DLRG muss bei einem Notfall aber mit einem Kaltstart zum Einsatz. Gedanken hat sich der Vorstand auch über ein Aluminiumboot gemacht, „das für unsere Zwecke eigentlich besser geeignet ist“, sagt Borner. Aber das wäre deutlich teurer, und der Preis würde sich auch nicht über die geringeren Inspektions- und Reparaturkosten amortisieren. Daher wird wieder in den USA ein Sportboot bestellt.

Die alte Gerätehütte stammt noch aus den Anfängen der 1951 in Hückeswagen gegründeten DLRG und soll nun durch ein modernes Gebäude ersetzt werden. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Boot und Einsatzfahrzeug sind derzeit noch in unterschiedlichen Garagen untergestellt, was im Einsatzfall wichtige Zeit kostet. Auch deshalb will die DLRG-Ortsgruppe nun in eine neue Halle investieren. Carina Teckentrup, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, ist Technische Zeichnerin und hat als solche bereits einen ersten Entwurf erstellt. Das neue Gebäude soll so konzipiert sein, dass der Mercedes Vito darin geparkt werden kann mit dem Trailer und dem Boot dahinter. So kann das komplette Gespann im Notfall umgehend aus der Halle zum Einsatz gefahren werden. Zudem soll in der künftigen Halle das Material, das die DLRG benötigt, untergebracht werden. So könnte dort auch der Tauchkompressor installiert werden, an dem sämtliche in der Bever-Talsperre genutzten Tauchflaschen befüllt werden. Und auch eine kleine Werkstatt ist eingeplant.

Während für die Neuanschaffung des Rettungsboots die Rücklagen genutzt werden sollen, will sich die Ortsgruppe für den Neubau wieder an Sponsoren wenden. Auch soll versucht werden, Finanzmittel aus Fördertöpfen zu erhalten. Stadtverwaltung und Politik jedenfalls stehen der DLRG zur Seite und machten den Weg frei für die dringend notwendige Änderung des Bebauungsplans an der „Zornigen Ameise“. Nun ist der Vorstand auf der Suche nach einem Architekten, „denn den brauchen wir schon alleine für eine erste Kostenschätzung des neuen Gebäudes“, betont Borner. Ziel ist es, dass der Neubau 2020 steht.

Das viele Geld, dass die DLRG demnächst in die Hand nehmen will, ist auch noch aus einem anderen Grund eine Investition in die Zukunft: „Wir wollen die Leute wieder motivieren, zum Wachdienst zu kommen“, erläutert Borner. Denn viele kämen eben nicht mehr an die Bever, weil immer wieder irgendwelche Reparaturen, Instandhaltungen oder Festvorbereitungen anstehen würden. „Die Demotivation ist spürbar“, klagt er. Doch wenn erst einmal der Neubau genutzt werden kann, könnten sich die Lebensretter wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren: den Wachdienst an der Bever-Talsperre. Dann, so sind sich Borner, Bohmfalk und Teckentrup einig, schlössen sich auch wieder mehr Jugendliche der DLRG an.

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