Hückeswagen: Die verbindende Kraft der Musik

Hückeswagen: Die verbindende Kraft der Musik

Der neue Integrationskursus "Wir machen Musik" der Musikschule Hückeswagen startete jetzt mit neun Teilnehmern, die viel Spaß am gemeinsamen Musizieren haben. Das nächste Treffen ist bereits am kommenden Donnerstag, 19. April.

Eigentlich hatte es nur ein Vortreffen, ein gegenseitiges Sich-Beschnuppern sein sollen. Aber aus der Montanusschule war laut und deutlich ein von mehreren Teilnehmern geschlagener Trommelrhythmus zu hören. Mal lag er ein wenig neben der Spur, dann fand er sich wieder. Der Integrationskursus "Wir machen Musik", ein durch Fördermittel des Landes NRW möglich gewordenes Angebot der Musikschule, war erfolgreich gestartet.

Neun Teilnehmer, Geflüchtete wie Einheimische, waren zur Hauptschule an der Weststraße gekommen. Über die Resonanz freute sich auch Kursusleiterin Stefanie Hölzle, Musikschullehrerin in Hückeswagen und Radevormwald sowie Leiterin des in der Schloss-Stadt beliebten Klezmer-Ensembles. "Die Gruppengröße ist prima. Wenn die Teilnehmer jetzt alle wiederkommen oder vielleicht noch andere Teilnehmer mitbringen, dann können wir schon was auf die Beine stellen", sagte sie. Der Kursus ist für alle Hückeswagener offen und zudem kostenfrei.

Los ging's mit einer allgemeinen Aufwärmrunde an den Bongos und Trommeln. "Ich hatte mir überlegt, mit einer rhythmischen Improvisation zu starten - das klappt oft gut als Eisbrecher", sagte Hölzle im Vorfeld. Eine Idee, die ganz offensichtlich gut funktionierte. Die Teilnehmer, unter denen auch Kinder und Jugendliche waren, legten sich an den Rhythmusinstrumenten so sehr ins Zeug, dass eine mehrminütige Improvisation entstand. Dabei wurde klar, dass das Musizieren gemeinsam am besten funktionierte. Und so sahen sich die Musikanten immer wieder an und kommunizierten über die Instrumente genauso wie über den einfachen Blickkontakt. Auch die zwölfjährige Atena, ursprünglich aus Afghanistan stammend, hatte sich eine Trommel geschnappt. Das Mädchen war aber auch jenseits des Trommelrhythmus' sehr musikbegeistert: "Ich habe durch meine Schwester, die an der Montanusschule ist, von dem Kursus erfahren. Und weil ich selbst Querflöte spiele, habe ich sofort beschlossen, mitzumachen", sagte die Zwölfjährige und lachte. Ihre Querflöte habe sie natürlich auch mitgebracht. Sie wolle sie im Verlauf der Proben auf jeden Fall spielen, sagte sie. Ihre Schwester und Mutter seien ebenfalls mit dabei: "Und beim nächsten Mal will ich auch meinen Vater mitbringen, der kann auch ein Instrument spielen", sagte Atena.

  • Hückeswagen : Musik-Kursus soll Menschen verbinden

Weiter ging es dann mit vorgestimmten Instrumenten: "Wir haben hier Gitarren, Xylofone, und auch die Trommeln können weiter benutzt werden", sagte Hölzle. Jeder konnte sich das Instrument nehmen, nach dem ihm der Sinn stand. Die Gitarren habe sie zuvor so gestimmt, dass beim Anschlagen direkt ein Akkord erklinge, sagte Hölzle. Das würde das spontane Zusammenspiel erleichtern.

Und tatsächlich - wie aus dem Nichts ergab sich direkt eine improvisierte Klanglandschaft, die von den erneut wuchtigen Trommelrhythmen genauso lebte wie von den melodischen Klängen, die Hölzle ihrer Geige entlockte oder eine andere Teilnehmerin ihrer Altblockflöte.

Ebenfalls mit Feuereifer dabei war Elisabeth Mundhenk: "Ich bin ja auch in der Flüchtlingsarbeit aktiv, und außerdem mache ich gerne Musik", sagte sie. Daher sei es ganz selbstverständlich gewesen, den Kursus zu besuchen, von dem sie aus der Zeitung erfahren hatte. "Ich bin gespannt, wie es weiter geht, und werde auf jeden Fall wieder kommen." Sie sei zwar in einem VHS-Kursus, der sich zeitlich mit dem Musik-Kursus ein wenig überschneide. "Aber der Integrationskursus läuft ja noch bis Ende des Jahres, dann ist der VHS-Kursus längst vorbei", sagte Mundhenk, ehe sie sich kurz an der Gitarre versuchte, dann aber doch wieder an die Trommeln wechselte.

(wow)
Mehr von RP ONLINE