Hückeswagen: Die Uhus sind zurück

Hückeswagen : Die Uhus sind zurück

Der Falkner Detlef Gassmann pflegt derzeit einen Uhu gesund, der verletzt aufgefunden worden war. Der Vogel ist der Beweis, dass sich die seltene Vogelart wieder rund um Hückeswagen angesiedelt hat.

Die Uhus sind zurück in Hückeswagen. Allerdings ist der Beweis dafür ein etwas lädiertes Exemplar. Am Rücken fehlen ihm Federn, sein rechtes Augenlid zuckt nervös über das verletzte Auge, und Kopfweh hat es wohl auch noch. Vor fünf Tagen war der 2,3 Kilo schwere Vogel von einem Bauernhof in Bockhacken gefunden worden. "Er war gegen den Stall geflogen und auf den Misthaufen gefallen", erklärt Detlef Gassmann, der den Uhu in Pflege genommen hat. "Er hat ganz schön gestunken und war in einem jämmerlichen Zustand, in der freien Natur wäre er mit solchen Verletzungen verendet."

Auf dem Wege der Besserung

Allerdings ist der Patient auf dem Wege der Besserung. Falkner Gassmann päppelt den Uhu mit kleinen Tagesküken auf, die er auch an seine eigenen Vögel verfüttert. Dabei faucht das mächtige Tier, wenn sich Gassmann mit den Küken nähert. Vorsichtig füttert er den Vogel. In der Regel kommt Gassmann dem Uhu nur mit einem dicken Lederhandschuh nahe, denn der Vogel mit seine 1,50 Meter Spannweite kann mit seinem messerscharfen Schnabel fest zubeißen.

Die Freude über den seltenen Vogel sieht man Gassmann an. Der Angst um die Gesundheit des seltenen Tieres ist gewichen, der passionierte Falkner ist begeistert, dass sich Uhus wieder in Hückeswagen angesiedelt haben. "Hier wurden mehr als 30 Jahre keine Uhus mehr gesichtet. Dass sie wieder zurück sind, ist ein tolle Sache", sagt er.

Bis jetzt habe er nur von älteren Menschen gehört, dass es bis in die 60er Jahre Uhus rund um Hückeswagen gegeben habe. Vor allem durch Pestizide seien die nachtaktiven Jäger allerdings in den 70er Jahren vollständig verdrängt worden. Durch Auswilderungen und einen besseren Schutz der Brutplätze hat sich die Eulenart wieder in einst verlassenen Revieren angesiedelt.

Gassmann selbst besitzt einen abgerichteten Uhu namens "Moritz", mit dem er auf die Jagd nach Hasen, Kaninchen oder Raben geht. "Uhus sind wegen ihres Gewichts schwerfällige Flieger, dafür können sie aber Hasen, Kaninchen und sogar junge Frischlinge oder schwache Rehkitze schlagen." Stolz erzählt er, dass "Moritz" schon mehr als 150 Raben geschlagen hat. Zur Freude von Bauern und Jägern.

Uhu-Dame wartet auf ihren Mann

Da das aufgefundene Tier weder einen GPS-Chip trägt, noch einen Metallring um die Füße hat, geht Gassmann davon aus, dass der Vogel ein Wildtier ist. "Er muss wohl schon einige Jahre in der Gegend leben, denn er ist vier oder fünf Jahre alt", sagt der erfahrene Falkner. Am Wochenende will Gassmann das Tier wieder freilassen, denn es ist gerade Brutzeit. "Wahrscheinlich sitzt da draußen eine Uhu-Dame, die ihren Mann vermisst," erklärt der Vogelpfleger.

(RP/ila)
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