Hückeswagen Die Tugenden der Brennnessel

Hückeswagen · Was brennt ums ganze Haus, und das Haus verbrennt doch nicht? In vielen alten Texten, Bildern, ja ganzen Büchern wird die Große Brennnessel, Urtica dioica, hoch gelobt als wertvolle Heilpflanze. Warum legt Albrecht Dürer auf einem Bild die Nessel in die zarten Hände eines Engels, damit er sie zum Thron des Herrn bringe? Ausgerechnet diese beißende, stechende, meist zu Heerscharen raubeiniger Brennnesselkrieger das Haus umstellende Pflanze? Im Brauchtum, im Gartenbau, in Kosmetikherstellung, Tierheilkunde und Medizin, als Gespinstpflanze zur Herstellung von Seilen und Stoffen, begleitet diese Pflanze den Menschen seit Jahrtausenden. Vom Kräuterpfarrer Künzle ist der Satz überliefert: "Hätte die Brennessel keine Stacheln, wäre sie schon längst ausgerottet worden, so vielseitig sind ihre Tugenden." In der modernen Heilpflanzenkunde findet sie Verwendung bei rheumatischen Beschwerden und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Aber warum warten bis man krank wird? Die Brennnessel bietet sich mit ihrem hohen Gehalt an Vitamin A und C, Eisen und Chlorophyll geradezu als Wildgemüse an: Für einen Brennnessel-Brotaufstrich nimmt man 100 g Butter und rührt sie mit etwas Olivenöl, Salz, 1 zerdrückten Knoblauchzehe und dem Saft ½ Zitrone schaumig. Anschließend werden 150 g gesäuberte und sehr fein gehackte Triebspitzen der Brennnessel untergemengt. Mit Brennnesselbutter bestrichene Brotscheiben werden in Häppchen geschnitten und mit Blüten von Borretsch, Gänseblümchen, Taubnessel oder Veilchen verziert. sobo

Sonja Borner ist Heilpraktikerin und betreibt die "Hückeswagener Schule für Heilpflanzenkunde".

(RP)
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