Hückeswagen: Die Pauluskirche ist schon 225

Hückeswagen : Die Pauluskirche ist schon 225

Vor wenigen Tage jährte sich die Einweihung der Pauluskirche zum 225. Mal. Gefeiert wurde das Jubiläum von der Kirchengemeinde nicht. Aber ein Rückblick auf die "Geburtswehen" des Gotteshauses lohnt sich.

Der 2. Mai 1787 war der Tag, auf den viele Gläubige der Reformierten in Hückeswagen sehnsüchtig gewartet hatten. Ihre neue Kirche wurde eingeweiht: die Pauluskirche.

Die eigentliche Geburtsstunde des Gotteshauses neben dem Schloss war jedoch eine Katastrophe, und das im wahren Sinne des Wortes. Der Stadtbrand vom 7. September 1753 und ein weiteres Feuer im Jahr 1760 hatten an der Nikolauskirche, dem Vorgängerbau der Pauluskirche, große Schäden angerichtet. Ein Gottesdienst, so schreibt der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins, Dr. Jürgen Simon, in einem Artikel über die Reformierte Gemeinde in Hückeswagen, konnte nur unter großen Gefahren abgehalten werden.

Enorme Kosten, reichlich Mühe

Statt der aufwändigen Reparatur entschloss sich die Gemeinde schließlich zum Neubau. Doch die Kosten und Mühen, die er verursachen sollte, waren enorm. Werner Hoffmann, ehemaliger Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde, hat sich in seinem Aufsatz "Der Bau der Pauluskirche", erschienen im Jubiläumsbuch "200 Jahre Pauluskirche [...] Hückeswagen", damit beschäftigt und in alten Archiv-Akten gegraben.

Für heutige Gottesdienst-Besucher unvorstellbar war die Tatsache, dass ein Platz in der Kirche bares Geld kostete. Und lange nicht alle wollten den zu entrichtenden Obolus in der geforderten Höhe zahlen. Letztlich sprach ein Vertreter der kurfürstlichen Regierung in Düsseldorf ein Machtwort. Er ordnete am 18. Juli 1781 an, dass "vor allem die Widersprechenden auf alle mögliche Weise willig" zu machen seien. Gemeindemitglieder, die schon in der alten Kirche einen Sitz inne hatten, mussten nun zudem ein "Verbesserungsgeld" zahlen. Bis zu drei Reichstaler waren fällig.

Ärger mit den Katholiken

Und auch die Katholiken machten Ärger. Als man 1782 mit dem Abriss der Nikolauskirche begann, protestierten sie gegen die Vergrößerung und die Lageänderung. Ein weiterer Abriss wurde untersagt, das Projekt verzögerte sich erneut.

Es sollte bis zum 26. Mai 1783 dauern, bis endlich der Grundstein gelegt wurde. Was die reformierten Gottesdienstbesucher zur Einweihung am 2. Mai 1787 noch nicht ahnten: Knapp 30 Jahre später würden die Preußen als neue Machthaber im dann ehemaligen Herzogtum eine Kirchenunion fordern. Immerhin noch bis zum Jahr 1900 blieben sie und ihre Pauluskirche eigenständig, dann kam es zur Union, und die Evangelische Kirchengemeinde war entstanden.

(nob)
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