Die nächtliche Seelentrösterin

Bereitschaftsdienst: Die nächtliche Seelentrösterin

Petra Mattausch arbeitet seit drei Jahren als Dauernachtwache im Haus Drei Birken – eine Aufgabe, die sie gerne macht.

Draußen ist es dunkel, sehr dunkel sogar. Denn am Hambüchener Weg, an dem sich das Haus Drei Birken der Lebenshilfe befindet, sind kaum Straßenlaternen, und auch Autos fahren nur selten vorbei. Ein hell erleuchtetes Quadrat ist das Bürofenster, hinter dem Petra Mattausch sitzt und Tabletten stellt. Die 57-jährige Hückeswagenerin ist seit fast 40 Jahren ausgebildete Krankenschwester und arbeitet seit November 2015 im Haus Drei Birken als Dauernachtwache. Zuvor hat sie in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet, ihre Ausbildung hat sie von 1978 bis 1981 im Krankenhaus Wermelskirchen gemacht. „Danach war ich im Fünf-Jahres-Rhythmus in verschiedenen Krankenhäusern und verschiedenen Fachabteilungen – immer um mich weiterzubilden“, sagt Mattausch.

Weiterbildung gehört zu ihrem Leben dazu. So hat sie gerade erst noch die Basisqualifikation zur Heilerziehungspflegerin gemacht. „Im April dieses Jahres bin ich damit fertig geworden“, sagt die 57-Jährige. Zwischen ihren Anstellungen hat sie immer auch als Privatpflegerin bei Senioren zu Hause gearbeitet. „Ich wollte mich dann noch einmal beruflich verändern, da habe ich die Stellenanzeige vom Haus Drei Birken gesehen – und mich direkt beworben“, sagt Mattausch. Zunächst im Tagdienst, aber bald sei die Stelle als Dauernachtwache vakant geworden. Seit drei Jahren arbeitet sie nun sieben Nächte, dann hat sie sieben Tage frei. In der Nachtarbeit habe sie ihre Erfüllung gefunden, sagt Mattausch. „Am Tag wäre mir viel zu viel Trubel, die Arbeit im Nachtdienst liegt mir wesentlich mehr.“

In ihrer Dienstwoche arbeitet Mattausch von 20\.45 bis 6\.30 Uhr. Die knapp zehn Stunden Nachtschicht würden dabei wie im Flug vergehen, sagt sie, denn sie sei schließlich alleine für die derzeit 31 Bewohner zuständig. „Los geht es mit einem Kontrollgang durch alle 28 Zimmer. Ich begrüße die Bewohner immer erst einmal, bei manchen muss ich Blutzucker oder Blutdruck messen, anderen helfe ich auf die Toilette, pflegebedürftige Bewohner mache ich frisch. Außerdem verteile ich die Nachtmedikation“, erzählt sie. Danach müsse sie organisatorische Dinge erledigen, etwa die Dokumentation des Tagdienstes lesen. In der Nacht gebe es dann zwei Lagerungs- und Pflegerunden, die jeweils etwa zwei Stunden dauern würden. Zudem müsse sie hauswirtschaftliche Dinge erledigen und die Medikamente für die nächste Woche in Dosetten herrichten. „Es ist viel zu tun, auch wenn alles ruhig verläuft“, sagt Mattausch.

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Einen toten Punkt, wie ihn viele Menschen kennen, die nachts arbeiten müssen, habe sie nicht. „Ich bin ziemlich kaputt, wenn ich morgens nach Hause komme. Aber es kommt nur ganz selten vor, dass ich gegen vier Uhr morgens plötzlich sehr müde bin“, sagt die 57-Jährige. Dann lächelt sie: „Doch, ich bin in der Nacht schon sehr gut aufgehoben.“ Das liege auch mit daran, dass viele Bewohner vom Trubel des Tages erst in der ruhigen Nacht Abstand finden können. Und dann oft das Bedürfnis verspüren, in Ruhe ein Gespräch zu führen. Auch das gehöre zu ihren Aufgaben, bestätigt Mattausch. „Man ist im Nachtdienst schon auch ein bisschen Seelentröster. Aber ich genieße das, weil ich die Zeit und Geduld aufbringen kann.“

Das liefe neben dem restlichen Betrieb, für ein paar Worte sei immer Zeit. Wenn nichts dazwischenkomme. „Interessanterweise ist es gerade bei Vollmond unruhiger als sonst. Die Bewohner schlafen schlechter, man ist in der Pflege mehr gefordert“, sagt Mattausch. Ebenfalls mehr zu tun habe sie, wenn ein Bewohner einen Krampfanfall habe, ins Krankenhaus müsse oder aus dem Bett falle. Dann gerate der geregelte Ablauf schnell aus den Fugen, und alleine könne es schwierig werden. Für alle Fälle gebe es eine Rufbereitschaft. „Ich habe sie bislang nur zweimal in Anspruch nehmen müssen – aber es ist gut, zu wissen, dass man im schlimmsten Fall nicht alleine ist“, sagt die 57-Jährige.

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