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Hückeswagen: Die Männer geben den Ton an

Hückeswagen : Die Männer geben den Ton an

Die etwa 75 Besucher im Kolpinghaus erlebten mit Peter Biesenbach (CDU) und Thorsten Konzelmann (SPD) zwei rhetorisch starke Männer, die den Kandidatinnen von FDP und Grünen kaum eine Chance ließen.

Unterschiedlicher hätten die Temperamente bei der Podiumsdiskussion zur Landtagswahl am Dienstagabend kaum sein können: Auf der einen Seite die rhetorisch brillanten und mitunter zu großer Lautstärke neigenden Politiker Peter Biesenbach (CDU) und Thorsten Konzelmann (SPD), auf der anderen Seite die ein wenig eingeschüchtert wirkenden Kandidateninnen Elisabeth Pech-Büttner (Grüne) und Annette Pizzato (FDP).

"Eine lebhafte Runde"

"Es war eine lebhafte Runde", lautete nach zwei Stunden das Fazit des Kolping-Vorsitzenden Marc von der Neyen. Ob die Podiumsdiskussion allerdings zum Erkenntnisgewinn für die Besucher beitrug, blieb unklar. Zumindest konnten die Zuhörer ihren Favoriten besser kennen lernen. Alle Parteien hatten dabei ihre Parteifreunde mit in den Saal gebracht, die je nach Stellungnahme kräftig applaudierten oder ein "hört, hört" in die Runde riefen.

Das Thema des Abends wurde durch den Moderator und Wirtschaftsredakteur der Rheinischen Post/Bergischen Morgenpost Thorsten Breitkopf vorgegeben. "Der Wahlkampf dreht sich hauptsächlich um die Finanz- und Haushaltspolitik", läutete der Hückeswagener die erste Fragerunde ein. Sofort ging Biesenbach in die Offensive. Mit teilweise scharfer Rhetorik und äußerst angriffslustig geißelte der Hückeswagener die hohe Neuverschuldung der rot-grünen Minderheitsregierung in NRW und warf seinem Gummersbacher Kontrahenten Konzelmann vor: "Sie haben regelmäßig verfassungswidrige Haushalte vorgelegt und mit bilanziellen Tricks gearbeitet."

Die Retourkutsche des SPD-Kandidaten folgte prompt. "Sie haben ein Wahrnehmungsproblem", sagte er in Richtung Biesenbach. "Wir haben in zwei Jahren mehr erreicht als Sie in fünf Jahren Rüttgers. NRW ist auf gutem Kurs." In diesem Stil behakten sich die Kandidaten von CDU und SPD fast zwei Stunden lang, nur hin und wieder unterbrochen von zaghaften Einwürfen der beiden Politikerinnen aus Radevormwald.

Thema Nummer eins aus Sicht der grünen Kandidatin war der Verkauf des Staatswalds im Wiebachtal, den sie der schwarz-gelben Vorgängerregierung anlastete. Pech-Büttner verteidigte zudem die Einführung der Vermögenssteuer, die ihre Partei ins Wahlprogramm geschrieben hatte und warf Biesenbach vor, er würde in seinen Stellungnahmen zur Steuerpolitik zur Steuerflucht aufrufen.

Etwas unklar blieben die Positionen der FDP, was aber eher an der rhetorisch schwach agierenden Kandidatin Annette Pizzato lag. Deutlich wurde jedenfalls, dass sie sich für einen Stellenabbau in den Verwaltungen einsetzen will, der nach ihrer Meinung gleichzeitig auch Bürokratieabbau bedeute.

Kein Sieger, zwei Verliererinnen

Lebhaft wurde es nochmal in der Fragerunde aus dem Publikum, als die Themen "Betreuungsgeld" und "gesellschaftliche Werte" angesprochen wurde. Einen Gewinner gab es am Ende nicht, mit Pizzatto und Pech-Büttner jedoch zwei Verliererinnen. Zu schwach waren deren Fähigkeiten, sich in einer derartigen Diskussion durchzusetzen.

(nob)