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Die letzte Hausbandweberin in Hückeswagen

Hückeswagen im Jahr 1989 : Die letzte Hausbandweberin der Stadt

Kurz nach dem Fall der Mauer besuchte unsere Redaktion Ende 1989 die letzte Hausbandwirkerei Hückeswagens in Röttgen. Noch vier weitere Jahre sollte sie produzieren, dann war mit dem alten Handwerk endgültig Schluss in der Schloss-Stadt.

Es war eine Reportage der besonderen Art, die am 23. Dezember 1989, also vor mehr als 30 Jahren, in der Bergischen Morgenpost erschien. Damals lebte Marga Buscher aus Röttgen in einer Epochenwende – und das gleich im doppelten Sinn. Knapp einen Monat zuvor war die Berliner Mauer gefallen, ganz Deutschland war im Umbruch. In einem eben solchen befand sich auch die Firma Buscher, über die die BM damals berichtete. Sie betrieb in der Schloss-Stadt die letzte Hausbandweberei. Marga und Günter Buscher fertigten in Heimarbeit unter anderem hübsche Zierbänder. Denn „Schleifen machen die Geschenke wertvoller“, lautete die Schlagezeile – ziemlich passend einen Tag vor Heiligabend.

„Rhythmisch-metallisch hämmert es in den Ohren. Flick, flack, flick, flack. Die 40 Schiffchen auf der Maschine kommen nicht aus dem Schuss“, heißt es in dem Bericht. Das Ergebnis dieses Produktionsprozesses konnte sich sehen lassen, denn heraus kam ein „kleines Kunstwerk aus tiefem Rot mit goldenen Metallfäden“. Aber, und auch das gehört zur Historie, die Schiffchen kamen im übertragenen Sinne doch noch aus dem Schuss. Denn 1993, also vier Jahre nach der Reportage, war Schluss mit der Produktion. Marga und Günter Buscher gingen in den Ruhestand, zumindest was die Hausbandweberei betraf.

 Ein Geschenkband als Ergebnis der maschinellen Arbeit.
Ein Geschenkband als Ergebnis der maschinellen Arbeit. Foto: Archiv

Nach 30 Jahren besuchte unsere Zeitung noch einmal die alte Wirkungsstätte in Röttgen. Dort stand Günter Buscher parat, der nun – gleichsam stellvertretend für seine im November 2018 verstorbene Ehefrau – die Erinnerung an eine in der Form untergegangene Branche wiederaufleben ließ. „Die Bandwebstühle sind alle entsorgt, keiner wollte sie mehr haben“, bedauerte Buscher, der noch immer interessiert ist an den neuesten technischen Innovationen. „Natürlich habe ich nach der Anschaffung der gebrauchten Maschinen aus Ronsdorf viel Arbeit reingesteckt. Ich habe sie komplett zerlegt und saubergemacht“, schildert er die damaligen Mühen. Doch letztendlich waren es Maschinen, mit denen Geld verdient wurde.

Die Keimzelle der Hausbandweberei in Röttgen befand sich übrigens in Wermelskirchen-Dhünn, wo 1865 der erste Bandstuhl aufgestellt worden war. Bis 1897, als sich im Ort ein Bandwirkereiverein gegründet hatte, wuchs die Anzahl der Stühle auf 150, im Jahr 1914 waren es bereits 225. Automatisierung und Kostendruck ließen die Anzahl der Betriebe jedoch ab Mitte des 20. Jahrhunderts immer weiter sinken, produziert wurde nun vornehmlich in Osteuropa und Fernost.

Im Alter von 14 Jahren ging Marga Buscher 1951 vom Hückeswagener Bockhacken aus bei ihrem Großonkel im nahe gelegenen Dhünn-Halzenberg in die Lehre. Weitere 15 Jahre später erfolgte der Umzug nach Hückeswagen-Röttgen, wo dann mit eigenen Stühlen produziert wurde.

Heute ist in der idyllischen Außenortschaft kein „flick, flack, flick, flack“ mehr zu hören, aber der Ehemann der letzten Bandwirkerin trägt das rhythmisch-metallische Hämmern noch in seiner Erinnerung und kann eindrucksvoll darüber berichten, wie es gewesen ist.