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Hückeswagen: „Die Jugend ist besser als ihr Ruf“

Hückeswagen : „Die Jugend ist besser als ihr Ruf“

In der Ratssitzung am Freitag (17 Uhr im Schloss) ist das geplante Alkoholverbot ein wichtiges Thema.

Darüber sprach die Bergische Morgenpost am Donnerstag mit Ute Beuermann, der Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer der städtischen Jugendpflege.

Sie haben nach Ihrer Wahl zur Vorsitzenden im März betont, dass der Verein noch mehr darauf eingehen müsse, was Jugendliche interessiere. Was interessiert die Jugend in Hückeswagen?

Beuermann Vor allem ein Platz, wo sie sich treffen kann. Das Problem mit dem Alkohol ist meines Erachtens zu hoch gezogen, denn es ist ein europaweites Problem. Es sind nämlich nicht nur Jugendliche in Hückeswagen, die zu viel Alkohol trinken.

Reicht der Jugendtreff als Treffpunkt nicht aus?

Beuermann Dort darf nicht geraucht und kein Alkohol getrunken werden. Die Jugendlichen gehen dann auf den Parkplatz, rauchen dort und trinken zwei, drei Bier und kommen zurück. Das kann aber natürlich nicht der Sinn der Sache sein.

Viele Jugendliche bemängeln, in Hückeswagen gebe es keine Angebote für sie. Sehen Sie das auch so?

Beuermann Ja.

Aber es gibt doch neben dem Jugendtreff Angebote von Vereinen und Kirchen. Warum nehmen die Jugendliche diese nicht an?

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Beuermann Das wird von ihnen nicht als zeitgemäß angesehen. Ich halte viel davon, aber für die Jugendlichen sind solche Angebote eben häufig uncool.

Was halten Sie von dem Vorschlag des Bürgermeisters, für die Innenstadt ein Alkoholverbot auszusprechen?

Beuermann Absolut gar nichts!

Warum?

Beuermann Ein Verbot führt nur zu einer Verlagerung. Sollte es kommen, muss gewährleistet sein, dass es auch kontrolliert wird. Sinnvoll wäre dann ein Streetworker, der den Jugendlichen die Alkohol-Problematik auseinandersetzt.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen sich nach Aussagen einiger Hückeswagener auf dem Etapler Platz betrinken und dann die Passanten anpöbeln. Haben Sie eine solche Situation schon einmal erlebt?

Beuermann Noch nie. Ich glaube, das ist vielmehr das Ergebnis der momentanen Hysterie. Die Jugendlichen sind nicht so schlecht wie ihr Ruf; solche Generationenprobleme hat's schon immer gegeben.

Aber manche Hückeswagener fühlen sich provoziert, sind ängstlich.

Beuermann Auch die Jugendlichen fühlen sich provoziert. Nämlich dadurch, dass gerade Ältere sie böse ansehen oder auch entsprechende Bemerkungen machen. Wir Erwachsenen sollten vielmehr eine Vorbildfunktion einnehmen und das freundliche Gespräch auf Augenhöhe suchen.

Haben Sie in Ihrer Funktion als Vorsitzende des Fördervereins der städtischen Jugendpflege schon einmal Kontakt mit den jungen Leuten vom Etapler Platz aufgenommen?

Beuermann Ganz oft.

Und was haben diese Gespräche ergeben?

Beuermann Ich habe noch keine negativen Erfahrungen mit ihnen gemacht. Es gibt natürlich einige, die eine dicke Lippe riskieren. Aber wann man höflich darauf eingeht, verstehen das die Jugendlichen. Mit Brüllen oder bösen Worten kommt man nicht weiter. Das erfahren Jugendliche eventuell schon zu Hause.

Wäre es denkbar, dass der Förderverein eine Art Vermittlerrolle zwischen den Jugendlichen und der Stadt einnimmt?

Beuermann Optimal wäre ein Streetworker. Der beste Streetworker, den wir zurzeit haben, ist der Bezirksbeamte Otto Jäger. Er hat eine sehr nette Art, mit den Jugendlichen umzugehen. Aber auch seine Autorität wird von ihnen akzeptiert.

Was meinen Sie: Ist Hückeswagen eine jugendfeindliche Stadt?

Beuermann Nicht mehr und nicht weniger als andere Städte. Man muss ja nur nach Wipperfürth gucken. An Karneval ist das dortige Krankenhaus schon vor Mittag voll mit sturzbetrunkenen Jugendlichen. Ich glaube, dass viele Jugendliche auf dem Etapler Platz nur deshalb mit einer Flasche Bier in der Hand stehen, um dazu zu gehören. Eigentlich würden sie lieber Cola oder Eistee trinken.

Stephan Büllesbach führte das Gespräch.

(RP)