Die heiße Phase der Wagenbauer

Jeckes Doppeljubiläum der Kolpingsfamilie Hückeswagen : Heiße Phase der Wagenbauer beginnt

Einen großen Aufwand betreiben die Gruppen des Rä-Te-Ma-Teng mit Wagen – wie die Nachbarschaft Stahlschmidtsbrücke.

In der Werkstatt von Karsten Jerlitschka riecht es nach Farbe. Das ist nichts Ungewöhnliches, immerhin werden hier täglich Autos lackiert. An den Wochenenden gibt es dafür jedoch einen anderen Grund: Die Nachbarschaftsgemeinschaft Stahlschmidtsbrücke bemalt ihren Karnevalswagen mit neuen Motiven. „Wir sind etwa 35 Leute aus drei Generationen und nehmen in der aktuellen Konstellation zum zweiten Mal am Rosenmontagszug teil“, erzählt Karsten Jerlitschka. Der etwa acht Meter lange und 3,50 Meter hohe Anhänger hat jedoch schon weitaus mehr Einsätze im Hückeswagener Rosenmontagszug Rä-Te-Ma-Teng hinter sich. Er wurde in früheren Jahren erst vom Quartett-Verein „Rheingold“ und dann von den örtlichen Handwerkern als Umzugswagen genutzt.

Im vorigen Jahr war das Motto der Stahlschmidtsbrückener „Wilde Tiere“, in der aktuellen Karnevalssession dreht sich alles um die wilden Zeiten des „Rock’n’Roll“. Das alte Motiv zu übermalen ist für die Gruppe immer ein wenig schmerzlich – immerhin wurde viel Arbeit in den künstlerischen Anstrich gesteckt. Doch mittels Beamer werden die ausgewählten Motive auf die inzwischen weiß getünchten Planken projiziert und dann mit einem Bleistift vorgezeichnet. Die Frauen zeichnen danach die Konturen mit dünnen Pinseln nach, die Männer beteiligen sich auch am Ausmalen der Flächen. So wie Nils Schreiner und Gerd Heckers. „Die haben wir gut angelernt“, witzelt Maike Leonhard mit Blick auf das konzentriert arbeitende Duo.

Die Diskussion zur Motto-Findung dauert meistens nicht lange. „Wir sind uns da schnell einig, nur mein Wunsch nach einem brasilianischen Samba-Karren habe ich in 15 Jahren noch nicht durchbekommen“, erzählt Jerlitschka und lacht. Er war in den vorherigen Jahren auch mit der Handwerkergemeinschaft im Karneval aktiv. „Da hat jeder 200 Euro dazugegeben“, erinnert sich der Autolackierer. „Heute gibt jeder, was er kann.“

Ohne Geld klappt es nicht, denn es müssen nicht nur Arbeitsuntensilien wie Farben und Wurfmaterial besorgt, sondern auch eventuelle Reparaturen am Wagen vorgenommen werden. In diesem Jahr hat der TÜV, der alle Karnevalswagen vor dem Einsatz begutachtet und abnimmt, die Bremsen beanstandet. Mittlerweile ist der Wagen wieder bestens in Schuss. Mit einer wetterfesten Plane überdacht, gibt es viel Platz zum Stehen, einen festen Tisch mit Aussparrungen für Gläser sowie schmale Kästen an den Außenseiten, die mit Kamelle befüllt werden. „Mit dem Wagen könnte man auch im Kölner Rosenmontagszug mitfahren“, ist sich Jerlitschka sicher.

Einige der schönsten Umzugswagen in der 55-jährigen Geschichte des Rä-Te-Ma-Teng verdankt Hückeswagen dem hiesigen Künstler Peter Goldstraß, der seinen ersten Motto-Wagen 1978 baute. Darauf thronte der damals neu gewählte Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Klaus Albus, als Pappmaché-Figur mit einer Aktivkapselspritze unter dem Arm. „Er sollte neuen Schwung in den Verein bringen“, sagte Goldstraß in einem früheren Interview mit unserer Redaktion. Ein Jahr später folgte das „Brunnenmodell Island“ mit einem riesigen Wikinger- und Drachenkopf mit rot leuchtenden Augen und Rauchbomben im Schlund. Weiter gab es eine Sphinx zur Zeit der Ölknappheit (1980), das Schloss mit Schelmenturm (1981) sowie das Schlosshotel, das 1982 zur Disco umgebaut wurde. Die „kleinen Extras“ waren Sägemehl speiende Drachen oder eine Konfetti spritzende Aktivkapsel. In einem Jahr kamen Styroporkügelchen als Kanonenmaterial zum Einsatz. „Die Autos kamen danach nicht mehr den Schmittweg hoch“, erinnert sich Peter Goldstraß. Mit Schneeschiebern musste die Straße geräumt werden. Die Stadt sei aber immer entgegenkommend gewesen, es habe nie Theater gegeben, wie der Hückeswagener betonte.

Der Aufwand für die Wagengruppen ist enorm – einige Wochenenden und viele Stunden Freizeit gehen dafür drauf. Die letzten Wochen vor Rosenmontag zählen zur „heiße Phase“. „In der Gemeinschaft können wir das aber stemmen, zumal alle ein bisschen handwerklich begabt sind“, sagt Maike Leonhard voller Vorfreude auf diesen Tag.

2012 waren die Handwerker mit dem Umzugswagen unterwegs und begeisterten mit einem überdimensionalen Schlumpfkopf. Foto: Kolpingsfamilie Hückeswagen

Am 24. Februar werden drei bemannte Wagen beim Rä-Te-Ma-Teng mitfahren – die Nachbarschaft Stahlschmidtsbrücke, Kolpings „Junge Familien“ und der Prinzenwagen. Dazu kommen der Bagagewagen mit einer großen Musikanlage, ein Begleitwagen des Freundeskreises Frohnhausen sowie der Vorführwagen, der den Zug anführt.