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Die Gefährdetenhilfe in Scheideweg hat eine neue Führung.

Gefährdetenhilfe : Neues Führungsteam in Scheideweg

Seit Juli zeichnet Frank Hildebrandt zusammen mit Karlheinz Best für die Geschicke der Gefährdetenhilfe verantwortlich.

Durch die Schließung der Pflanzensparte im Pflanzenpark der Gefährdetenhilfe Scheideweg vor zwei Jahren hatte es zuletzt zumindest in der Öffentlichkeit ein wenig den Anschein gehabt, als würde sich der Verein mehr und mehr zurückziehen. Schließlich war den meisten Hückeswagenern vor allem das Angebot an Stauden, Blumen und anderen Gewächsen ein Begriff, wenn sie an den Pflanzenpark dachten. Das sei indes ganz und gar nicht der Fall, wie Frank Hildebrandt, eine Hälfte des neuen Leitungsteams. sagt. Seit Juli zeichnet Hildebrandt zusammen mit Karlheinz Best für die Geschicke der Gefährdetenhilfe verantwortlich. Und betont: „Unser Kerngeschäft ist sicherlich nie der Verkauf von Blumen gewesen, sondern die soziale Begleitung in den Kontaktgruppen in den Gefängnissen und das betreute Wohnen hier in den Wohngruppen in Scheideweg.“

Und so seien es gar nicht einmal in erster Linie wirtschaftliche Gründe gewesen, die die Leitung des gemeinnützigen Vereins dazu bewogen hatten, die grüne Sparte zu schließen. „Das hat wegen der Konkurrenz durch große Garten-Center und Baumärkte in der Umgebung natürlich schon auch eine Rolle gespielt“, sagt Hildebrandt. Dazu sei aber gekommen, dass der eigentliche Zweck des Betriebs zuletzt nicht mehr gegeben gewesen sei. „Wie alle unsere Betriebe, hatte auch die Pflanzensparte den vordergründigen Zweck, Menschen in schwierigen Situationen die Möglichkeit zu bieten, eine Ausbildung zu machen und begleitet wieder Struktur in ihr Leben zu bringen“, sagt Best. Da aber kaum noch Auszubildende zu finden waren, sei eine Schließung nur folgerichtig gewesen.

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Die Hauptaufgabe des Vereins sei eine arbeitstherapeutische. „Die jungen Männer, die bei uns wohnen, hätten auf dem ersten Arbeitsmarkt meist keine Chance. Sie kommen ja mit einer Vergangenheit zu uns – Drogen, Kriminalität, Sucht“, sagt Best. In der Wohngruppe und der dazugehörigen Ausbildung sei ein geschützter Rahmen gegeben. „Auf einer Baustelle draußen steht beispielsweise oft eine Kiste Bier herum – für einen Menschen mit Suchtvergangenheit mitunter sehr gefährlich“, betont auch Hildebrandt. Insgesamt fünf Ausbildungsplätze gebe es im Rahmen des Pflanzenparks, davon seien derzeit vier besetzt. Im Café würden dagegen eher beschäftigungstherapeutische Maßnahmen laufen. „Dort können Menschen arbeiten, die nicht so belastbar sind, dass sie etwa sechs Stunden am Stück arbeiten könnten. Sie wohnen auch nicht hier“, sagt Hildebrandt.

Von den zwölf Plätzen in den Wohngruppen sind derzeit nicht alle besetzt. Die Kontaktaufnahme funktioniert sowohl durch Verwandte, Sozialarbeiter, Eigeninitiative – und durch die Kontaktgruppen in den Gefängnissen. „Wir sind mit rund 240 Ehrenamtlichen in 19 Kontaktgruppen in 14 Gefängnissen in NRW der größte Verein mit diesem Angebot. Oft kommt dann im Gespräch die Frage auf, wie es nach der Haft weitergehen kann“, sagt Hildebrandt. Um in einer Wohngruppe unterzukommen, müsse man sich bewerben. „Man lernt sich kennen, führt Gespräche, der Bewerber ist für zwei Wochen probeweise in einer Gruppe – und dann wird eine Entscheidung gefällt“, sagt Best. Fällt diese positive aus, kann der Bewerber einziehen. Und bekommt alle erdenklichen Hilfeleistungen, um sein Leben wieder in die Selbstständigkeit führen zu können. „Denn das ist letztlich unser Ziel“, betont Hildebrandt.