1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Die Ernte in Hückeswagen „war nicht ganz optimal“

Landwirtschaft in Hückeswagen : Die Ernte „war nicht ganz optimal“

Ein durchschnittlich gutes Jahr liegt hinter der bergischen Landwirtschaft. Zwar wäre etwas weniger Regen gut gewesen, aber sowohl Grünschnitt als auch Maisernte waren zufriedenstellend, sagt Ortslandwirt Dietmar Strack.

Das Wetter – es kann der beste Freund des Landwirts sein oder ihm einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Je komplexer die Witterung aufgrund des sich wandelnden Klimas wird, je unberechenbarer wegen der Klimaextreme, desto schwieriger wird es für die Landwirte auch im Bergischen, sich darauf einzustellen. Nach drei überaus trockenen und heißen Sommern, in denen kaum genug Gras als Futter für die Milchkühe gewachsen und so mancher Grünschnitt mangels Wachstums ausgefallen war, hatten zahlreiche Milchbauern ihre Tierbestände reduziert. In diesem Sommer konnten sie sich dagegen keineswegs über zu wenig Regen beschweren.

Das Wetter im Sommer habe für „spitzenmäßigen Graswuchs“ gesorgt, sagt Ortslandwirt Dietmar Strack. Als Ergebnis davon habe man definitiv ausreichend Grasschnitt als Winterfutter anlegen können. Davon zeugen auch die großen Lager der Grasballen, die allerorten an den Rändern der Felder und Wiesen angelegt sind. „Allerdings ist die Qualität des Grases nicht ganz optimal, etwa was den Nährstoffgehalt angeht. Auch die Ernte war schwieriger als sonst“, schränkt Strack ein.

  • Ortslandwirt Torsten Mühlinghaus ist mit der
    Ernte im Bergischen Land : Gute Ernte dank des bergischen Wetters
  • In der neuen Broschüre werden regionale
    Neue Broschüre : Übersicht über regionale Landwirtschaft
  • Dank der Spende des Ein-Euro-Vereins wurde
    Ein-Euro-Verein bleibt aktiv : Projekte machen Hückeswagen attraktiver

Das habe ebenfalls am Regen gelegen – abgesehen davon müsse das Gras trocken sein, wenn man es schneide. Sonst werde es bei der Lagerung in den mit Folie umzogenen Ballen schlecht. „Wenn man einen geeigneten Termin verpasst hat, könnte es sein, dass man wieder länger warten musste, bis es getrocknet war“, sagt Strack. „Es hat ja alle zwei bis drei Tage wieder geregnet.“ Was wiederum die Maisernte angehe – das Kolbengemüse ist im Bergischen eine der am weitesten verbreiteten Gemüsesorten –, laute das Fazit des Ortslandwirts ebenfalls: nicht ganz optimal. „Es war eine durchschnittlich gute Ernte. Damit sie richtig gut gewesen wäre, wären noch etliche mehr Sonnenstunden nötig gewesen“, betont Strack. Insgesamt zeigt er sich aber zufrieden.

Die Landwirtschaft bereitet sich nun auf den Winter vor. „Bis Ende Oktober stehen noch die Güllefahrten an, denn danach ist aufgrund der Sperrfristregelung vom 1. November bis 31. Januar auf Grünland keine Gülleausbringung erlaubt“, sagt der Ortslandwirt. Danach gehe es an die Winterfütterung der Kühe. Ob sich die Landwirte, die ihren Bestand in den vorigen Jahren reduziert haben, wieder neue Tiere anschaffen werden, bezweifelt der Ortslandwirt. „Ich kann mir vorstellen, dass einige es bald drangeben werden. Es ist insgesamt kein einfacher Beruf mehr. Aber das liegt nicht nur an den klimatischen Veränderungen“, stellt Strack klar.

Ein wesentlicher Punkt betreffe die ständig wachsende Bürokratie, die auch vor der Landwirtschaft nicht Halt mache. Als Beispiel nennt Strack die Gülleverordnung. Diese werde nicht nur viele potenzielle, neue Landwirte abschrecken, sondern auch jene zum Aufhören bewegen, die sich ohnehin schon mit dem Gedanken beschäftigten. „2025 tritt eine Änderung in Kraft, die die bisherige Breitenverteilung der Gülle zugunsten der bodennahen Ausbringung verbietet“, berichtet der Landwirt. „Das ist mit hohen Kosten für die Neuanschaffung entsprechender Landmaschinen verbunden – die gerade kleinere Höfe gar nicht stemmen können dürften.“ Ohnehin würde durch die Verordnung vieles komplizierter gemacht.

Für ihn sei der Beruf des Landwirts indes nach wie vor derjenige, der ihm Spaß und Freude bereite. „Man erlebt jeden Tag etwas Neues, im Guten wie im Schlechten, man muss flexibel sein, und das finde ich nach wie vor sehr schön“, sagt Strack. „Ich bin jetzt 58 Jahre, ein paar Jahre muss ich also noch. Aber das ist auch völlig in Ordnung so.“ Um den Fortbestand seines Hofs braucht er sich keine Gedanken zu machen. Seine Kinder, Tobias Strack und Anna Ebbinghaus, haben beide den Beruf des Agrarbetriebswirts erlernt. Seit einigen Jahren arbeiten somit zwei Generationen auf dem Hof der Familie Strack.