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Die Ära der Gaststätte „Alt Hückeswagen“ ist zu Ende

Kultkneipe : Die Ära von „Alt Hückeswagen“ ist zu Ende

Nach mehr als 170 Jahren wurde die kleine Eckkneipe an der Islandstraße zum 1. Januar geschlossen.

Die Schloss-Stadt ist seit Neujahr um eine Traditionskneipe ärmer: Am 31. Dezember hatte die Gaststätte „Alt Hückeswagen“ zum letzten Mal für seine Gäste geöffnet. Im Juni 2017 hatte Pächterin Brigitta Blei, die die Kneipe 1987 übernommen hatte, noch das 30-jähriges Bestehen gefeiert. „Das ist eine traurige Angelegenheit“, sagt Thorsten Pütz, der viele Jahre das Orthopädie-Geschäft in der anderen Haushälfte an der oberen Islandstraße schräg gegenüber des Kultur-Hauses Zach betrieben hat. „Jetzt gibt es eine Stelle weniger in der Stadt, wo sich viele Menschen getroffen haben“, fügt der Hückeswagener hinzu.

Tatsächlich zählte die kleine Eckkneipe im Haus Islandstraße 8 zu den ältesten in der Schloss-Stadt und kann auf eine mehr als 170-jährige Tradition zurückblicken. Bereits im Jahr 1847 versorgte Johann Samuel Schuberts Sohn Wilhelm die durstigen Hückeswagener mit Getränken. Bis 1890 hatte die Gaststätte zunächst keinen besonderen Namen, sondern war unter „Wirtschaft Wilhelm Schubert“ bekannt, später als „Wirtschaft Wilhelm Vorländer“. Am 7. Juli 1911 wurde unter der Auflage der Einrichtung zeitgemäßer Toilettenanlagen die unbeschränkte Schankerlaubnis erteilt. 1939 wurde die Wirtschaft an Ernst Höller verpachtet. Sie hatte immer noch keinen besonderen Namen, aber Eingeweihte sprachen von der „Nahkampfdiele“. Bis 1954 stand Ernst Höller hinter dem Tresen, dann hieß das Lokal bis 1963 „Gaststätte Willi Breidenbach“. Die „Gaststätte Werner Ommer“ schloss sich bis 1975 an, es folgte die „Gaststätte Max Annacker“ bis 1977, der neue Pächter firmierte unter der Bezeichnung „Gaststätte Paul Weber“. Erst 1987 erhielt sie unter Pächterin Brigitta Blei den Namen „Alt Hückeswagen“.

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Die Stammgäste hatten nach der öffentlichen Ankündigung des Wirts auf der Internetplattform Facebook die Chance genutzt, noch einmal ihr Lieblingslokal zu besuchen und mit Freunden gemeinsam anzustoßen. Immer einladend waren die hell erleuchteten Fenster mit den grünen Schlagladen an dunklen Abenden. In den Sommermonaten saßen die Gäste gerne vor der Gaststube unter einem großen Sonnenschirm. Es wurde Doppelkopf und Skat gespielt, Stammtische haben sich getroffen. Als „unser zweites Wohnzimmer“, betitelt ein Gast die Gaststätte im Internet.

Das Schieferhaus an der Islandstraße gehört der Erbengemeinschaft Margret Schubert und Karl-Heinz Sessinghaus. „Es ist mein Elternhaus“, sagt Magret Schubert, die noch heute in den oberen Etagen wohnt. Gekündigt hatte sie der Wirtin nicht, die das „Alt Hückeswagen“ in den vergangenen Jahren mit ihrem Lebensgefährten betrieben hate. „Frau Blei wollte aufhören und hat den Zeitpunkt selbst bestimmt“, betont die Vermieterin.

Fest steht für die Hauseigentümerin aber auch, dass die Räume nicht wieder als Kneipe betrieben werden. „Ich möchte die letzten paar Jahre in Ruhe verbringen und genießen dürfen und mich nicht noch einmal an einen neuen Wirt gewöhnen müssen“, sagt die 84-Jährige. „Es ist ein Stück Hückeswagen, das verloren geht. Aber ich hoffe, man versteht mich“, fügt Margret Schubert hinzu.