Hückeswagen: Dichterwettstreit von ernst bis abgedreht

Hückeswagen: Dichterwettstreit von ernst bis abgedreht

Poetry-Slammer nehmen bei ihren literarischen Vorträgen kein Blatt vor den Mund. Wenn doch, dann nur, um ihre Texte abzulesen. Die verwendete Sprache bei diesem literarischen Wettstreit ist meist schnell und intensiv, die Wortwahl mitunter derb und zweideutig. Denn Text und sprachlicher Ausdruck sind die beiden einzigen erlaubten Hilfsmittel auf der Bühne. Wie unterschiedlich die Vorträge sein können, bewiesen am Samstag sieben junge Talente beim ersten Poetry Slam im Kultur-Haus Zach.

Knapp 40 Zuschauer verfolgten die Darbietungen der selbst geschriebenen Texte und Gedichte. Per Applaus und Punktetafeln stimmten sie über den Sieger ab. Dieser moderne Dichterwettstreit, der besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beliebt ist, lockte von dieser Zielgruppe jedoch nur wenige ins Kultur-Haus. Jan Möbus, Sieger des Abends, kommentierte den hohen Altersdurchschnitt der Zuschauer mit Humor: "Normalerweise sind solche Abende für gelangweilte Studenten. Heute sehe ich hier nur nicht gelangweilte Ex-Studenten."

Poetry-Autorin Pamela Granderath aus Düsseldorf führte das Publikum im Kultur-Haus Zach in die Regeln und Abstimmungsmethoden ein (siehe Infokasten). Für den Sieger gab es am Samstag keinen Preis. "Dennoch sind die Teilnehmer immer bemüht, mit neuen Texten weder die Kollegen noch die Moderatoren zu langweilen", kommentierte Granderath das Engagement der Slammer.

Die Texte, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, reichten von unterhaltsam-witzig bis zu nachdenklich-ernst. Britta Gontrum (20) und Till Sperling (20) gefiel diese Mischung. "Es gab tiefgründige und total abgedrehte Texte", sagte Till Sperling begeistert. Zu den abgedrehten Texten zählte der Vortrag von Jan Coehen über das Bekämpfen einer Grippe nach der Robert-Steiner-Methode mit Ertanzen der Heilung und einem Mistelaufguss.

Die erste Geschichte des 22-jährigen Neno Rieger bestand fast ausschließlich aus Namen alkoholischer Getränke. Die Publikumsjury honorierte diese Idee mit der höchsten Punktzahl der Vorrunde. Viele Lacher entlockte er dem Publikum in der nächsten Runde mit einem imaginären Konkurrenzkampf zwischen einem Tamagotchi und dem iPhone von Apple mit dem zweideutigen Wortspiel: "Tamago heißt ,Ei' — wir haben uns also von klein auf ,veräppeln' lassen."

Lisa Schøyen hingegen setzte auf sozialkritische Inhalte. "Es gibt nur zwei Dinge, die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit", sagte sie zum Ende ihres Final-Vortrags. Für Dr. Elias Moussa war die zweitplatzierte Lisa Siegerin des Abends. "Sie hat die Texte besser, deutlich und sehr aktiv vorgetragen", sagte der 70-jährige Zuschauer-Juror. Der große Applaus am Ende der Veranstaltung bestätigte dann einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.

(heka)