Hückeswagen: Der Tote im Paradies

Hückeswagen : Der Tote im Paradies

Spannung pur versprechen die drei Krimis, die bei der 5. "Hückeswagener Krimi-Nacht" am kommenden Freitag in der Stadtbibliothek zur Mörder-Jagd animieren sollen. Geschrieben haben sie Bürgermeister Uwe Ufer und Mitarbeiter der beiden örtlichen Zeitungen. Als Letzte stellte gestern Regina Hildebrandt von der BM ihren Krimi "Der Tote im Paradies" in der Stadtbibliothek vor:

Gestern hatten sie noch zusammen gesessen und das Projekt für das kommende Jahr besprochen. Die "Garten-Paradiese” waren in diesem Jahr ein so großer Erfolg gewesen, dass eine Wiederholung unvermeidlich schien. Es sollte jedoch einige Neuerungen geben, hatten die vier Frauen beschlossen. Darüber, wie diese aussehen sollten, hatten sie sich zerstritten. Sie waren also nicht im Guten auseinander gegangen. Und jetzt hatte Marianne in ihrem Garten den toten Mann gefunden.

Es war am Morgen. Sie wollte Brombeeren pflücken. Die Ernte war in diesem Jahr gut ausgefallen. Die trockene, sonnige Witterung der letzten Tage hatte die Beeren ausreifen lassen. Genau richtig für den Gelee, den die Kinder so gerne essen würden. Daran hatte sie gedacht, als sie sich auf den Weg in ihren schönen Garten machte. Kühl war es noch. Hier unten an der Wupper war es morgens eigentlich immer kühl, so dass sie eine dicke Jacke übergezogen hatte. Doch auch die half nicht gegen das Frösteln, das sie abrupt befallen hatte, als sie den Toten hinter der Hecke sah.

Sie erkannte ihn sofort. Mit seinem unvermeidlichen grünen Parka und den robusten Arbeitsschuhen war er ja noch gestern durch ihren Garten gestiefelt. Klaus hatte die Hecke geschnitten und das Sommerblumen-Beet umgegraben. Anschließend hatte er die Gründüngung ausgebracht. Er war immer noch bei der Gartenarbeit gewesen, als Lydia, Heike und Corinna, wie verabredet, vorbei kamen. "Für meinen Garten hat er überhaupt keine Zeit mehr”, war die erste leicht spitze Bemerkung von Heike. Und Lydia setzte noch einen drauf: "Wenn man genug Geld hat, braucht man sich wohl nicht mehr selbst die Finger schmutzig zu machen...”

Entspannung bei Käse und Kirschwein

Der Abend hatte also in gespannter Stimmung begonnen. Während des kleinen Imbisses — frischer Käse vom Wochenmarkt im Island, dazu Holzofenbrot und ein selbst gemachter Kirschwein — beruhigten sich die Gemüter wieder ein wenig. Grund für die entspannte Lage war sicher auch die Anwesenheit von Klaus, der sich zu der Damenrunde in der Pergola gesellt hatte. Er war sehr aufmerksam und schenkte immer wieder nach. Doch sobald es um die Planung der offenen Gärten fürs kommende Jahr ging, flogen wieder die Fetzen. Klaus nahm eine neue Weinflasche — er trank gerne ein paar Gläschen — murmelte, er habe im Schuppen noch was zu erledigen und war erst einmal verschwunden.

So machte er es eigentlich immer, wenn irgendwelche Probleme auftraten. Klaus war erst vor ein paar Jahren nach Hückeswagen gezogen. Keiner wusste so recht, wo er herkam und was ihn hierhin verschlagen hatte. Er war stets freundlich, aber unverbindlich. Wurden die Fragen an ihn zu persönlich, wich er aus und gab sich an die Arbeit. Nur, dass er ein Gärtnermeister sei, hatte er den Frauen einmal erzählt. Mit seiner verschlossenen Art passte er jedenfalls gut ins Bergische, und sein grüner Daumen wurde hier sehr geschätzt.

Am Abend hatten die Frauen noch viel diskutiert. Es ging darum, ob es eine Erweiterung der "Garten-Paradiese" geben solle und ob die Besichtigung der privaten Gärten weiterhin kostenlos bleiben könne. Marianne hatte nichts dagegen. Heike war strikt gegen weitere Teilnehmer. Außerdem wollte sie, dass die Gärten nur noch nach Anmeldung und gegen eine Gebühr geöffnet werden sollten. "Dann könnte ich mir die Hilfe von Klaus auch öfter mal leisten”, argumentierte sie.

Lydia erwiderte nur: "Glaubst du, dass Klaus hier für Geld arbeitet?” Sie war schon etwas angetrunken. "Wie meinst du das?”, fragte Marianne erbost. Doch Lydia lächelte nur süffisant. Corinna sagte, ihr sei es schlecht und sie wolle jetzt nach Hause. Heike hatte auch genug — alle drei zogen von dannen. Sie hatten es nicht allzu weit, das war der Vorteil der Kleinstadt — alles war nicht allzu weit. Marianne wollte sich noch von Klaus verabschieden, im Schuppen war er aber nicht mehr. Also ging sie ins Haus, sie hatte leichte Bauchschmerzen.

Die Presse hatte schon Wind von der Sache bekommen

Nachdem sie den ersten Schreck am nächsten Morgen überwunden hatte, war Marianne ins Haus gelaufen und hatte die Polizei alarmiert. Zuerst kam der Rettungswagen mit Notarzt, dann die Polizei, und auch die Presse hatte schon Wind von der Sache bekommen. Brigitte Neuschäfer von der Bergischen Morgenpost erhielt erste Informationen vom Polizei-Pressesprecher. Aber viel mehr, als dass es dem Anschein nach zu einem "Tötungsdelikt" (ein gruseliges Wortungeheuer) gekommen war, konnte der noch nicht berichten. Die Mordkommission aus Köln war angefordert worden.

In den folgenden Tagen brodelte die Gerüchte-Küche. Die Frauen waren zur Vernehmung nach Köln gebracht worden. Aber darüber, was dabei heraus gekommen war, erfuhr man nichts. In der Zeitung stand, dass Klaus an einer Überdosis Atropin gestorben sei. Es wurde auch bekannt, dass er drei Mal verheiratet gewesen war und dass er schon als Kind eine Zeit lang in Hückeswagen gelebt hatte. Vielleicht war er deswegen wieder hier gestrandet. Denn er war viel herum gekommen. In den Botanischen Gärten von Hamburg, München und Köln hatte er gearbeitet. Und in jeder dieser Städte hatte er geheiratet — und sich scheiden lassen. In seinem verkürzten Leben war er gut angekommen bei den Frauen — war das der Grund für seinen plötzlichen Tod?

Der gesamte Kurz-Krimi wird am 26. Oktober noch einmal vorgelesen — dann auch mit der Auflösung. Wer will, kann ihn zuvor schon in der Stadtbibliothek nachlesen. Das gilt ebenso für die Krimis von Rainer Timm und Bürgermeister Uwe Ufer, die ihre Kurzgeschichten an den vorigen Montagen vorgestellt hatten. Lösungen können bis zur "Krimi-Nacht" (Beginn: 20 Uhr) in der Bücherei abgegeben werden. Wer bei der Mörder-Jagd richtig liegt, hat die Chance auf einen Preis. Am 26. Oktober werden die Mörder dann auch öffentlich "überführt".

(RP)
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