1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Der „Södertälje Kammarkör“ begeisterte das Publikum im Kultur-Haus Zach.

Kultur-Haus Zach : Stimmgewaltiges Gastspiel aus Schweden

Der „Södertälje Kammarkör“ begeisterte sein Publikum beim Auftritt im Kultur-Haus Zach. Mit dabei war ein ehemaliger Hückeswagener: Klaus Lipfert hatte den Chor in seine alte Heimatstadt gebracht.

Zwischenzeitlich hätte man den Eindruck gewinnen können, sich in einer Kirche zu befinden. Dann etwa, als der schwedische Chor „Södertälje Kammarkör“ Johann Sebastian Bachs „Komm, süßer Tod“ anstimmte. Besonders faszinierend dabei war das Arrangement von Gunnar Eriksson, das durch eine Art verschleppte Dissonanzen den Eindruck erweckte, dass man sich in einer hallenden Kathedrale befand.

Am Freitagabend war der 19-köpfige Chor unter der Leitung von Jacob Molgaard Laustsen, bei dem auch ein ehemaliger Hückeswagener mitsingt, im Kultur-Haus Zach zu Gast, rund 40 Zuhörer wollten sich diesen exquisiten Hörgenuss nicht entgehen lassen. Durch Klaus Lipfert, der seit vielen Jahren in Schweden lebt, war der Kontakt entstanden. Was für ein Glück, denn was der „Södertälje Kammarkör“ in rund zwei Stunden präsentierte, bekam man in dieser Qualität in Hückeswagen nur selten geboten.

Das Programm war keineswegs in alter Musik verhaftet. Zwar gab es mit Anton Bruckners „Ave Maria“ oder drei Volksliedern von Felix Mendelssohn-Bartholdy auch das eine oder andere konventionellere Stück zu hören. Aber das Gros der knapp 30 Lieder bestand aus zumindest hierzulande eher selten gehörtem Material. Etwa aus schwedischen Liedern. Dabei stach besonders die mittlere der „Tre Miniatyrer“ von Gabriella Gullin heraus, da dort auf ganz perfekt synchronisierte Weise ein Wechselspiel aus Gesang und dramaturgisch geschickt gesetzten Pausen präsentiert wurde. Aber auch das von der samischen Kultur inspirierte und auf Lautmalerei basierende Stück „Pseudo-Yoik“ von Jaako Mäntyjärvi machte die große Klasse des schwedischen Chors deutlich.

Die modernen Stücke lebten aber bisweilen auch von einer leicht jazzigen Note, etwa im programmatisch betitelten „Come In And Stay A While“ von Rhonda Polay oder „Sing Me To Heaven“ von David E. Gawthrop. Bei beiden Liedern machten leichte Disharmonien den Unterschied, was beim Publikum aber sehr gut ankam. Genau wie beim ausschließlich von den Männern gesungenen „Rövarsängen“ von Björn Isfält oder dem Ausflug in die Welt von Astrid Lindgren im „Pippi-Potpurriet“ von Georg Riedel und Jan Johansson. Gerade bei letzterem zeigte sich einmal mehr die große stimmliche Strahlkraft dieses Chors. Die Männer- und Frauenstimmen harmonierten perfekt und zeigten, dass sie auch über comichafte Gesangsfähigkeiten verfügten, als sie etwa wie Kätzchen schnurrten, oder wie alte Mütterchen krächzten, ehe sie in eine quasi Rock-Version der bekannten Melodie „Hey Pippi Langstrumpf“ mit Stimm-Perkussion und Lautmalerei einstiegen. Da war natürlich von der sakralen Atmosphäre der ersten Hälfte nicht mehr viel übrig. Aber es zeugte nicht zuletzt von der großen Vielseitigkeit des Chors. Während nun die zweite Hälfte weitgehend aus schwedischen Liedern bestand, gab es zum Abschluss dieses hervorragenden Abends noch zwei Abstecher ins Vereingte Königreich. Mit den Beatles-Klassikern „Here Comes The Sun“ und „Yellow Submarine“ hielt noch ein wenig Pop-Musik Einzug ins Repertoire, ehe schließlich das „Abendlied“ von Josef Rheinberger und die „Irischen Segenswünsche“ nach knapp zwei Stunden dann doch ein wenig zu früh das Ende markierten.