Hückeswagen: Der Schutzmann sagt "Adieu"

Hückeswagen : Der Schutzmann sagt "Adieu"

Noch maximal dreieinhalb Wochen wird Otto Jäger in Hückeswagen Streife laufen. Dann verabschiedet sich der Bezirksbeamte, der in der Stadt viele Freunde gefunden hat, in den Urlaub und im Januar in den Ruhestand.

Freundlichkeit, Offenheit und auf Menschen zugehen — das hatte sich Otto Jäger vorgenommen, als er am 1. April 2003 seinen Dienst als Bezirksbeamter in Hückeswagen antrat. In den achteinhalb Jahren in dieser Funktion hat der Polizeihauptkommissar klar gemacht, dass es ihm ernst damit war.

Viele Hückeswagener haben ihm attestiert, "dass man sieht, dass Ihnen die Arbeit Spaß macht". Doch der beliebte Schutzmann wird nur noch bis maximal 15. November seinen Dienst in der Schloss-Stadt versehen. Dann heißt es für den Reichshofer, Abschied zu nehmen.

Im Januar wird Jäger 62, dann ist die vom Gesetzgeber vorgesehene Altersgrenze erreicht. Zwar freut er sich darauf, mit seiner Frau und seinem Kater viel spazieren gehen sowie sich intensiver um sein 2500 Quadratmeter großes Grundstück kümmern zu können. Doch er muss auch viele Freunde in Hückeswagen zurücklassen. Diese sozialen Kontakte werde er vermissen, sagt er im BM-Gespräch.

Bei seiner Vorstellung 2003 hatte Jäger gesagt: "Als Schutzmann muss man für jeden greifbar sein." Daran hat er sich gehalten. Wer immer den kontaktfreudigen und gesprächsbereiten Polizisten ansprach, bekam ein freundliches Wort. Das war und ist dem 61-Jährigen wichtig: "Es bringt nichts, von oben herab mit den Leuten zu kommunizieren. Man muss sich schon auf einer Gesprächsebene bewegen", stellt Jäger klar.

Diese Methode kam an — auch bei vielen Jugendlichen. So gab es bei seinem Amtsantritt noch große Probleme mit der "bunten Szene" am Wilhelmplatz. Doch statt mit Repressalien zu drohen, suchten Jäger und sein damaliger Kollege Fritz Opfer das Gespräch mit den Jugendlichen. "Noch heute werde ich von ihnen gegrüßt, wenn sie mich sehen", sagt der Polizeihauptkommissar. Jäger nimmt das als Auszeichnung für seine Arbeit.

Der Schutzmann probierte es immer auf die freundliche Art, und hatte damit in der Regel Erfolg. Auch bei Nachbarschaftsstreitigkeiten. "Wir haben uns an einen Tisch gesetzt. Jetzt grüßen sie sich wenigstens wieder", erzählt Jäger.

Bitter sei es für ihn jedoch, wenn seine Worte nicht auf fruchtbaren Boden fielen. So sprach er jüngst einen Autofahrer auf dem Etapler Platz an, dass er die Scheiben ringsum vom Kondenswasser befreie. Der sagte das zu — und als er wenig später an der Ampel mit seinem Auto vor dem des Polizisten stand, waren die Scheiben nicht frei.

Der Nachfolger für den Schutzmann und zukünftige Partner von Polizeioberkommissar Andreas Roth ist noch nicht ausgeguckt. "Hückeswagen bekommt auf jeden Fall wieder einen zweiten Bezirksbeamten", versichert Polizei-Sprecher Jürgen Dzuballe. Noch sei der Posten aber nicht ausgeschrieben.

Eines verspricht Otto Jäger für die Zeit nach dem Streifendienst: "Ich werde mich hin und wieder in der Stadt blicken lassen." Denn für eine Tasse Kaffee hat er für "seine" Hückeswagener immer Zeit.

(RP)
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