Hückeswagen: Der Schienen-Knacker

Hückeswagen: Der Schienen-Knacker

Die Bahngeschichte in Hückeswagen ist endgültig zu Ende. Denn die Firma Meißner Gleisrückbau demontiert derzeit die Schienen der ehemaligen Bahntrasse. Darauf soll bis Herbst dann der Radweg entstehen.

Timo Meißner kommt aus Baden-Württemberg. Und die Schwaben können bekanntlich alles außer Hochdeutsch. So ist das Unternehmen auch in der Lage, in Windeseile alte Bahnschienen aufzunehmen, wie es im Fachjargon heißt. Selbst auf Schwäbisch ist das gut zu verstehen. Auf diese Dienstleistung hat sich die Firma Meißner Gleisrückbau aus Hohebach spezialisiert. "Wir haben auf der Strecke zwei Bagger und einen Lkw im Einsatz. Insgesamt mussten wir 1000 Kilometer Gleis aufnehmen, der größte Teil ist geschafft", berichtet der Juniorchef mit Blick auf die Arbeiten, die vor einigen Wochen im benachbarten Wipperfürth begannen.

Zwei Wochen, so schätzt Meißner, hat er noch im Bergischen zu tun. Am Wipperfürther Bahnhof sind noch einige Restarbeiten zu erledigen, und in Hückeswagen müssen noch die Gleise bis zur Eisenbahnbrücke Schwarzer Weg heraus geholt werden. "Ein Mitarbeiter baut gerade das Nebengleis der Firma Klingelnberg ab", ergänzt der schwäbische Unternehmer. Bis zum Werkstor werden sich die Experten vorarbeiten, dann ist auch diese Aufgabe erledigt.

Gestern waren Meißner und sein Team am Etapler Platz beschäftigt. Der "Schienen-Knacker", eine automatisch arbeitende Maschine zum Trennen der Gleise, kam allerdings nicht zum Einsatz. Der Grund: Die Schienen liegen ebenerdig im Schotter, so dass sie zuerst mit dem Bagger heraus gehoben und anschließend manuell auseinander geschweißt werden müssen. "Ich schneide sie dann auf eine Containerlänge von 6,50 Meter", berichtet Daniel Schnorr. Er ist einer von drei Mitarbeitern, die auf dem Streckenabschnitt zwischen Wipperfürth und Hückeswagen im Einsatz sind. Aktiv sind auch verschiedene Speditionen, die das Material zu den Entsorgern bringen. Die ältesten Schienen stammen im Übrigen noch aus dem Jahr 1926 und sind von der Firma Krupp.

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Wenn alles optimal läuft, baut das Unternehmen bis zu 600 Meter am Tag ab. "Der Rekord liegt bei einem Kilometer", betont Timo Meissner mit ein wenig Stolz in der Stimme. Allerdings werden nicht alle Gleise abgebaut. In Kleineichen bleiben sie auf einem zirka 100 Meter langen Stück liegen; sie werden als besondere Erinnerung in den Radweg eingebaut. Auch der Bahnsteig soll dort erhalten bleiben.

Begleitet werden die Abrissarbeiten von einigen Bahn-Enthusiasten. "Es gibt da einen Mathematikstudenten, der ist zwei bis drei Stunden am Tag bei uns und schreibt alles auf", hat Meissner beobachtet. Immer wieder kämen zudem Rentner und berichteten über ihre Erinnerungen an die Strecke.

Im Herbst sollen die ersten Radfahrer über die Trasse fahren. Die Firma Meissner wird dann schon die nächsten Schienen demontieren – irgendwo in Deutschland.

(RP)