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Der ÖPNV in Hückeswagen muss neu gedacht werden

Busfahren in Hückeswagen : Der ÖPNV muss neu gedacht werden

Die Hückeswagenerin Christine Frantzen regte im Haupt- und Finanzausschuss für den Nordkreis eine Optimierung der Busverbindungen an. Der Ausschuss leitet ihre Ideen jetzt an den Oberbergischen Kreis weiter.

Wenn es um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geht, ist das gerade in ländlichen Regionen kein einfaches Thema. Zu weite Distanzen, zu geringe Einwohnerzahlen – eine Taktung des ÖPNV wie in Großstädten üblich, alle fünf bis zehn Minuten eine Bahn oder ein Bus, sind utopisch. Umso mehr gilt das für den Norden des Oberbergischen Kreises, in dem die größte und wichtigste Busverbindung die Linie 336 ist, die von Gummersbach bis Lennep auf fast 50 Kilometern führt. Verspätungen und ein nicht wirklich leicht nachvollziehbarer Fahrplan gehören dazu – und sorgen bei den Bürgern nicht gerade für Begeisterung, wenn es darum geht, die Verkehrswende auch im privaten Bereich mit dem Umstieg auf den ÖPNV einzuleiten.

Im Haupt- und Finanzausschuss wurde ein Vorschlag zum Umgang mit dieser seit vielen Jahren bekannten Problematik gemacht – von einer Bürgerin. „Das Thema liegt mir sehr am Herzen“, sagte Christine Frantzen aus Hückeswagen. Die Busverbindungen in die und aus der Schloss-Stadt seien so, dass es nur bei zeitlicher Unabhängigkeit sinnvoll möglich sie, in die Nachbarstädte mit dem Bus zu kommen. „Wenn man aber arbeiten muss, regelmäßig von Hückeswagen etwa nach Wermelskirchen muss, dann wird es schwer“, sagte sie. Dabei sei der Umstieg auf den ÖPNV auch in Hückeswagen dringend notwendig.

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Die Hückeswagenerin brachte einige Beispiele, die verdeutlichten, wie kompliziert es tatsächlich ist. „Selbst wenn man es wollte, würde es einem schwerfallen, den Fahrplan der Linie 336 auswendig zu lernen, es ist wirklich ein sehr seltsamer Fahrplan“, sagte Christine Frantzen. Vermutlich sei der Fahrplan, als er angelegt wurde, sinnvoll gewesen – aber das müsse mittlerweile viele Jahre her sein. Auch nach Wermelskirchen, nur zehn Kilometer entfernt, gebe es nur hin und wieder eine direkte Verbindung. „Stündlich kann man nur mit Umsteigen in Bergisch Born nach Wermelskirchen kommen“, sagte die Hückeswagenerin. Nach Radevormwald komme man nur einmal stündlich – ab 7.48 Uhr morgens. Wer früher zur Arbeit müsse, müsse mit dem Auto fahren. Gänzlich unmöglich werde es, wenn man etwa ins 23 Kilometer entfernte Schwelm müsse. „Hier fährt man anderthalb Stunden mit Bus, Bahn und S-Bahn“, sagte sie und stellte ihre Ideen vor. „Ich hätte als Bürgerin gerne einen regelmäßigen Fahrplan. Ich glaube, dass es sinnvoller ist, einen neuen Plan aufzustellen – als im vorhandenen herumzuändern“, sagte Christine Frantzen. Zudem halte sie eine Bürgerbefragung nach dem tatsächlichen Bedarf für sinnvoll – und vielleicht auch den Einsatz eines Mobilitätsforschers. „Ich habe dazu einen Podcast gehört, da war eine solche Expertin im Interview zu hören. Sie macht das vor allem in Großstädten, hat aber auch schon eine kleine Kommune im Süddeutschen beraten. Natürlich muss dann auch die OVAG mit ins Boot geholt werden“, sagte sie.

Bürgermeister Dietmar Persian begrüßte die konstruktiven Ideen. „Für den ÖPNV ist bei uns der Kreis zuständig. Und hier ist man sich der Lage im Nordkreis bewusst. Derzeit läuft die Ausschreibung für einen Planungsauftrag – mit dem Ziel, genau dieser Problematik auf den Grund zu gehen. Die Ausschreibung läuft bis 5. Juli, die Arbeit soll dann im dritten Quartal aufgenommen werden“, sagte Persian. Erste Ergebnisse würden bis Jahresende erwartet werden. „Das geht genau in die Richtung, die Sie angesprochen haben. Allerdings ist im Planungsauftrag wohl keine Bürgerbeteiligung enthalten, aber der Kreis plant ein großes Mobilitätskonzept zu entwickeln, bei dem auch die Meinungen der Bürger enthalten sein sollen“, sagte Persian.

Auch im Ausschuss war die Zustimmung über die Fraktionen hinweg für die Idee Christine Frantzens groß. Heike Mühlinghaus von Bündnis 90/Die Grünen betonte, dass man auch die Gewerbegebiete nicht vergessen solle. Stefan Malwitz von der SPD regte an, auch in Richtung Remscheid zu denken. Pascal Ullrich von der CDU merkte an, dass gut abgewogen werden müsse, was gewollt werde und geleistet werden könne.

Der Bürgermeister stellte anschließend einen Beschluss zur Abstimmung, die Anregung Christine Frantzens „wohlwollend an den Kreis weiterzuleiten“, damit sie so in die Planungen mit aufgenommen werden könne. Dieser Beschluss wurde einstimmig angenommen.