Der erste öffentliche Fernsprecher in Hückeswagen geht in Betrieb

Hückeswagener Geschichte : Erster öffentlicher Fernsprecher

Am 1. Dezember 1949 wurde in der Schloss-Stadt Hückeswagen Technikgeschichte geschrieben: Der erste öffentliche Fernsprecher wurde in Betrieb genommen. Er befand sich vor dem Postamt an der Peterstraße. Der Inbetriebnahme muss ein Geduldspiel vorausgegangen sein.

Für Fans der Krimiserie Derrick aus dem vor-telemobilen Zeitalter sind es legendäre Szenen, für jüngere Betrachter ein unfassbarer Vorgang. Immer wenn der Krimimal-Oberinspektor von unterwegs aus wichtigem Anlass mit dem Präsidium telefonieren wollte, bat er seinen Assistenten Harry, an einer Telefonzelle anzuhalten, worauf einer der beiden ausstieg, um dann den Anruf zu tätigen. Nun spielte die Serie nie in Hückeswagen. Hätte sie aber dort gespielt, wäre möglicherweise der erste öffentliche Fernsprecher zu Ehren gekommen, der am 1. Dezember 1949 vor 70 Jahren in Betrieb genommen wurde. Die städtische Chronik aus der Feder von Lutz Jahr berichtet noch zwei Details: Er befand sich vor dem Postamt an der Peterstraße, und der Inbetriebnahme muss ein Geduldspiel vorausgegangen sein, denn „die Menschen hatten hierauf schon lange gewartet“.

Interessanterweise wird dieser Vorgang in einer Postchronik nicht erwähnt, die ansonsten diesen Zeitraum sehr ausführlich berücksichtigt und aus der Feder eines unbekannten Verfassers 2016 in Leiw Heukeshoven veröffentlicht wurde. Für November 1948 wird berichtet, dass „die Wählvermittlung nun einen „zweiten Ausgang“ erhalten habe, damit man mit dem Fernamt in Wipperfürth verbunden werden könne. Die erste öffentliche Telefonzelle in Deutschland beanspruchen die Berliner für sich. Diese sei angeblich am 12. Januar 1881 in Betrieb genommen worden. Über die Bauzeit und Dauer der Inbetriebnahme schweigen sich die Berliner aus gutem Grund aus. Technische Details lassen sich nicht entnehmen. Es ist aber davon auszugehen, dass der Apparat ein Münzfernsprecher war und die Umhausung eine gelbe Farbe hatte. Bereits in den 1920er und 1930er Jahren hatte sich in Deutschland das Bezahlen mittels Münzen durchgesetzt, und die Post arbeitete mit Normen in Technik und Farbgebung.

Schon vor 2013 wurde die Anzahl der öffentlichen Fernsprecher immer weiter reduziert. In einem BM-Artikel vom 1. August 2013 wird über eine diesbezügliche Anfrage seitens der Telekom an die Stadt Hückeswagen berichtet, welche Zellen überhaupt noch erhalten werden sollen. Die Antwort damals: Johannesstift und Friedhof Am Kamp sollen bleiben, da oftmals ältere Leute kein Mobiltelefon hätten. Das, so bestätigt der Fachbereichsleiter für Ordnung und Bauen Andreas Schröder, sei seines Wissens nach auch noch der aktuelle Stand.

Oberinspektor Derrick wird aber auch in Zukunft nicht mehr an einer der beiden Telefonhäuschen anhalten lassen, denn diese Serie wurde vor mehr als 20 Jahren im Jahr 1998 eingestellt.