Hückeswagen: Der erste Gang zur Wahlurne

Hückeswagen: Der erste Gang zur Wahlurne

An der Realschule Hückeswagen haben die Schüler gestern bei der Juniorwahl ihre Stimme für den Bundestag abgegeben. Das Schulprojekt, das Wahlen simuliert, gibt es schon seit 1999. Die Realschüler nahmen zum ersten Mal teil.

Lehrer Thomas Wientzek ist begeistert. "Realitätsnäher geht es kaum", sagt er und zeigt auf den Kugelschreiber, der in der Wahlkabine der Juniorwahl wie in einer richtigen Wahlkabine an einer Schnur festgemacht ist. Auch die Wahlurne, in die die Schüler gleich ihre Stimmzettel werfen, ist mit einem Siegel verschlossen. Zum ersten Mal nimmt die Realschule an der Juniorwahl teil. Das Schulprojekt simuliert Wahlen und richtet sich hauptsächlich an nicht-gymnasiale Schulformen. Schüler ab der siebten Klasse können daran teilnehmen. An der Realschule konnten gestern alle Neunt- und Zehntklässler sowie die Schüler des Sozialwissenschaftskurses der achten Klasse wählen. Etwa 150 Schüler machten ihre Kreuzchen. "Wir haben uns dafür entschieden, die siebte Klasse nicht mit einzubeziehen, weil den Schülern zu viele Vorkenntnisse fehlen", sagt Wientzek. Der 36-Jährige unterrichtet unter anderem Politik und Sozialwissenschaften und bereitete die Schüler auf die Wahl vor. "In den vergangenen drei Wochen haben wir uns im Unterricht mit dem Wahlsystem beschäftigt, und es gab einen Crashkursus zu den Parteien", erzählt Wientzek. Zusammen mit Schulleiterin Christiane Klur entschied er, an dem Projekt Juniorwahl teilzunehmen. "Es ist schön, zu sehen, dass sich die Schüler mit dem Thema beschäftigen. Normalerweise ist - mit ein paar Ausnahmen - Politik nicht das, wo Schüler affin sind", sagt Klur.

Luisa Vesper aus der 10c sind zwei Themen besonders wichtig: Bildungs- und Flüchtlingspolitik. "Die Menschen fliehen vor Krieg. Sie können ja nichts dafür, dass das in ihren Heimatländern so ist", sagt die 16-Jährige. Bei der Entscheidung, wen sie wählen soll, half ihr unter anderem auch der Wahl-O-Mat im Internet. Luisa wollte aber nicht nur wählen, sie wollte auch den Ablauf einer Wahl ganz genau kennenlernen. Deshalb trug sie sich in die Gruppe der Wahlhelfer ein. Mit sieben anderen Schülern der zehnten Klasse überwacht sie die Wahl und zählt die Stimmzettel aus. "Wenn ich älter bin, möchte ich auch als Wahlhelferin aktiv sein", sagt sie. "Als Kind bin ich immer mit meiner Mutter mit zur Wahl gegangen und fand das schon damals spannend." Auch vor ihrer eigenen Stimmabgabe bei der Juniorwahl habe sie mit ihrer Mutter über die Parteien und deren Programme diskutiert.

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Auch der 16-jährige Bastian Janowitz aus der 10c, der wie Luisa Wahlhelfer ist, hat mit seinen Eltern diskutiert. "Sie wollten mir aber nicht sagen, wen sie wählen", sagt er. Wientzek geht davon aus, dass die Wahlbeteiligung der Eltern durch das Projekt erhöht wird. "Die Schüler werden ihre Eltern sicher motivieren, wenn sie sagen, dass sie selbst gewählt haben", sagt er. Studien zeigen, dass sich die Wahlbeteiligung der Eltern der Schüler, die an der Juniorwahl teilgenommen haben, um vier Prozent, teils sogar um neun Prozent, erhöht. Außerdem sinke der Anteil der Nichtwähler unter den Projektteilnehmern bei der Erstwahl von 22 auf sieben Prozent. Wientzek ist gespannt, wie die Wahl ausfällt. "Wir werden das Ergebnis mit dem der Bundestagswahl vergleichen und über Koalitionen sprechen", sagt er. Das Ergebnis der Juniorwahl steht am Sonntag um 18 Uhr fest und ist zu finden im Internet unter: www.rshw.de

(eler)