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Der Einfluss des Virus auf die Hückeswagener Wirtschaft

Hückeswagener und Corona : Der Einfluss des Virus auf die Wirtschaft

Das Coronavirus verändert auch den Alltag von Unternehmen – wie bei Pflitsch und im Kobeshofener Fleischmarkt.

Beim Kobeshofener Fleischmarkt sorgt die Corona-Krise momentan dafür, dass es „brummt“ – zumindest was den Verkauf im angeschlossenen Laden betrifft. Doch Geschäftsführer Thorsten Quabeck verzeichnet auch Rückschläge: „Die Bereiche Gastro und Großverbraucher sind weggebrochen.“ Damit lasse sich momentan kein Umsatz machen. Das gilt zum Beispiel für Cafés, die der Fleischmarkt beliefert und die nun schließen mussten. „Gott sei dank haben wir aber viele Lebensmittelhändler aus der Region, die wir versorgen können“, sagt Quabeck.

Er betont: „Unsere Leute haben genug Arbeit.“ Allerdings würden einige Mitarbeiter Überstunden abbauen, und die Kollegen der gefährdeten Gruppe mit Vorerkrankungen seien in den Urlaub geschickt worden. Kurzarbeit ist in Kobeshofen momentan kein Thema. Aber der Geschäftsführer hat sein Team bereits darauf vorbereitet – sollte der „Shutdown“ kommen, also das endgültige Herunterfahren aller gesellschaftlichen, täglichen Dinge, müsste dieses Instrument wohl doch noch zum Tragen kommen. „Das ist mit der Belegschaft abgesprochen“, sagt Quabeck. „Ich lasse meine Leute nicht im Ungewissen.“

Im Geschäft wurden auf dem Boden Markierungen aufgeklebt, damit die Kunden den Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten. Foto: Fleischmarkt

Die Stimmung im Unternehmen bezeichnet er als „angespannt“. Aber in erster Linie deshalb, weil viele Beschäftigten Sorgen um ihre Gesundheit oder um ihre Angehörigen hätten. Letztlich seien alle jedoch glücklich, aktuell in der Lebensmittelbranche arbeiten zu können.

Sicherheit und Hygiene werden beim Fleischmarkt, der mit Lebensmitteln arbeitet, ohnehin groß geschrieben. Jetzt, zur Zeit der Corona.Krise, wurden die Maßnahmen deutlich verschärft. So tragen alle Mitarbeiter, auch die Verkäuferinnen hinter den Tresen und die Kassiererinnen, Handschuhe, Mundschutz und Hauben für die Haare. Zudem dürfen nur noch maximal 20 Kunden den Laden betreten – ein Angestellter wacht am Eingang darüber, dass es nicht mehr werden. Zudem wurden im Laden schwarz-gelbe Klebestreifen verlegt, damit die Kunden dort den Sicherheitsabstand von zwei Metern zueinander und zu den Verkäuferinnen halten. Das Gleiche wurde auf dem Parkplatz gemacht, da sich dort Schlangen von wartenden Kunden bilden, die in das Geschäft wollen.

Dass das Traditionsunternehmen Pflitsch, das 2020 auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblickte, Kurzarbeit angemeldet hat, hat nichts mit dem Coronavirus zu tun. Im Gegensatz zu Hückeswagens größtem Arbeitgeber: Bei der Firma Klingelnberg wird wohl ab 1. April dieses Instrument in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eingeführt (die BM berichtete). Bei Pflitsch wird bereits seit Jahresbeginn kurzgearbeitet – zusammen mit dem Kobeshofener Fleischmarkt ist es das zweitgrößte Unternehmen der Stadt. Beide haben um die 270 Mitarbeiter. Bei dem Spezialisten für Kabelführungen und -verschraubungen wird die Vorbeugung vor einer Infektion groß geschrieben. „Wir beobachten die Entwicklung des Coronavirus und vor allem die Auswirkungen“, versichert Roland Lenzing, geschäftsführender Gesellschafter, auf Anfrage unserer Redaktion. Wichtig sei nun, besonnen zu handeln und mögliche Schutzmaßnahmen ernst zu nehmen. Schon mit den ersten Anzeichen der rapiden Verbreitung in Deutschland hatte Pflitsch die internen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter hochgefahren. Den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts werde zur Verringerung der Ausbreitung des Coronavirus Folge geleistet, sagt Lenzing.

Das Unternehmen produziert in Deutschland und hat nach Prüfung der Lieferketten bisher weder Lieferengpässe noch Ausfälle zu befürchten. „Natürlich hat eine solche Pandemie seine ganz eigene Dynamik“, stellt Mathias Stendtke, geschäftsführender Gesellschafter, klar. „Deshalb ist es für uns wichtig, für Notfälle gerüstet zu sein.“ Entscheidend in dieser Zeit sei daher neben dem Gesundheitsschutz der Mitarbeiter auch die Aufrechterhaltung der Geschäftsprozesse sowie die der Kunden und Partner. Noch sieht Pflitsch keine Einschränkungen. Dennoch sei es wichtig, vorausschauend zu planen. Dazu zähle zum Beispiel, die Lagerbestände aufzustocken, die Freigabeprozesse zu digitalisieren sowie die Liquidität sicherzustellen.

Anders verhält es sich mit den vertriebsrelevanten Maßnahmen: Geschäftsreisen aller Art im In- und Ausland sind vorerst abgesagt. Für das Unternehmen bedeutende Termine wurden durch die Veranstalter verschoben und finden in der zweiten Jahreshälfte statt oder wurden abgesagt. Kommunikations- und Vertriebsmaßnahmen verlagern sich derzeit massiv auf Onlinemedien. So werden Meetings etwa mit den weltweiten Vertriebspartnern durchgängig virtuell abgehalten. Wenn persönliche Treffen sich nicht vermeiden lassen, sind höchstens drei Personen zugelassen.

Durch die Schließung der Schulen und Kindergärten will die Geschäftsführung die betroffenen Mitarbeiter unterstützen – das kann das Arbeiten im Homeoffice, Gleitzeit oder Urlaub bedeuten. „Die Verantwortung für das Wohl der Mitarbeiter und Vertriebspartner steht an allererster Stelle, um die Geschäftstätigkeit für unsere Kunden weiter aufrechtzuerhalten“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.