Hückeswagen: Den richtigen Ton treffen

Hückeswagen: Den richtigen Ton treffen

Annette Hundhausen ist freie Trauerrednerin und -begleiterin. Bei ihren Reden geht die 41-Jährige hauptsächlich auf den Menschen ein und muss sich nicht an eine Liturgie halten.

Wenn Menschen ihren verstorbenen Angehörigen nach Annette Hundhausens Rede noch einmal wie lebendig vor sich sehen, hat die Trauerrednerin den richtigen Ton getroffen. Den Arbeiter in seinem Blaumann, den Hundebesitzer mit seinem geliebten Tier: Die selbstständige Trauerrednerin und -begleiterin geht auf den Menschen und sein Leben ein. Seit 2003 ist sie Trauerrednerin, erst in drei Städten, heute in elf.

Ihr Talent für Trauerreden entdeckte Annette Hundhausen 1997. Der Anlass war erschütternd. Der Halbbruder einer Freundin war ermordet worden. Diese Freundin bat Annette Hundhausen, die Trauerrede zu halten. "Ich hatte mich privat mit Spirituellem und Ritualen beschäftigt wie in der ägyptischen Mythologie", erzählt die gelernte Steuerfachgehilfin. Bei dieser ersten Rede merkte sie: "Hier bin ich richtig. Die Rückmeldungen der Leute waren umwerfend."

2002 übernahmen sie und ihr Bruder Thomas das Grabsteingeschäft des Vaters. "Wir hatten uns einen Namen gemacht, uns um die besonders harten Sterbefälle wie Kindstod und Suizide zu kümmern", erinnert sich Annette Hundhausen. Die 41-Jährige schlägt einen persönlichen und weniger geschäftlichen Ton an. Sie hat einen Draht zu den Trauernden und ließ sich zwei Jahre zur Trauerbegleiterin im Institut für Trauerarbeit (ehemals evangelische Akademie Nordelbien) ausbilden. 2003 machte sie sich als Trauerrednerin und -begleiterin in Hückeswagen selbstständig, knüpfte durch einen ehemaligen freien Redner schnell Kontakte zu Bestattern. Die vermitteln Annette Hundhausen in der Regel. Seltener kommen Trauernde direkt auf sie zu.

Bis zu fünf Reden hält sie pro Woche. "Für diese Gegend viel. In Ostdeutschland, wo zu DDR-Zeiten keine Kirche gelebt wurde, haben freie Trauerredner mehr zu tun. Aber auch hier gehen die Leute weg von der Kirche", sagt Hundhausen. Angehörige von Kirchenmitgliedern kommen immer öfter zu ihr.

Vor der Zeremonie führt Annette Hundhausen ein Trauergespräch. In ihrer Rede ist sie nicht wie ein Pfarrer an eine Liturgie gebunden, stattdessen geht sie hauptsächlich auf den Toten ein und beschäftigt sich mit Spirituellem. Der Kontakt zu den Trauernden ist wichtig, aber immer mit einer inneren Distanz. "Wenn ich mitleide, kann ich dem Trauernden nicht helfen, sondern bin selbst hilfebedürftig."

Annette Hundhausen ist außerdem Trauerbegleiterin und hilft Menschen, die die Trauer über längere Zeit so sehr belastet, dass sie ihnen die Kraft für den Alltag nimmt. "Ich begleite die Menschen, so dass sie ihre Kraft selbst wiederfinden." Diese Begleitung nehmen Trauernde noch selten an. "Aber es geht immer mehr dahin. Im Moment bieten Familien viel Halt, aber heutzutage gibt es immer mehr Menschen ohne Familie."

(RP)