Serie Erster Weltkrieg In Hückeswagen - Teil 1: Dem ersten "Hurra" folgen viele Kreuze

Serie Erster Weltkrieg In Hückeswagen - Teil 1 : Dem ersten "Hurra" folgen viele Kreuze

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Ausgetragen zwar vor allem auf den Feldern Belgiens und Frankreichs, forderte er auch in der Heimat seinen Tribut. In einer sechsteiligen Serie blickt die BM auf die Jahre 1914 bis 1918 in Hückeswagen zurück.

hückeswagen Es ist der 1. August 1914. Der Tag der Mobilmachung Deutschlands, als Kaiser Wilhelm II. vom Balkon des Berliner Stadtschlosses ausruft: "Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur noch Deutsche!" In der Bergischen Volkszeitung, einer Vorgängerzeitung der Bergischen Morgenpost, steht: "Drückende Hitze liegt über Hückeswagen. Die Spannung ist unerträglich. In großer Zahl stehen die Einwohner vor unserer Geschäftsstelle und verfolgen die Aushänge und lesen die Extrablätter.

1915: Schüler und Lehrer der Rektoratsschule bei der Feier anlässlich des deutschen Siegs bei Sedan (1870/71) und nach den ersten Siegesmeldungen von der französischen Front am Kriegerdenkmal, Bahnhofstraße. Foto: Archiv Mostert

" Am 1. August, einem Samstag, hatten die Hückeswagener noch voller Spannung darauf gewartet, ob Russland wirklich zu Serbien hält. Um 17.30 Uhr stand es fest. Redakteur Friedrich Welcke trat vor die Tür und verkündete: "Serbien und Russland gegen uns!" Hochrufe auf Kaiser Wilhelm II. ertönten im allgemeinen "Hurra". Fünf Tage später schreibt Welcke: "Hinter der allgemeinen Begeisterung, die unser ganzes Volk in so erhebender Weise erfüllt, konnte und wollte auch Hückeswagen und Neuhückeswagen (zu dieser Zeit bestand die Stadt aus zwei Verwaltungsbezirken; Anm.

d. Red.) nicht zurückstehen. Mögen auch in den letzten Tagen Hunderte von unseren Vätern und Söhnen zu den Waffen geeilt sein und noch manche folgen, wir haben sie freudig und stolz ziehen lassen, daß auch sie die gute und heilige Sache unseres Vaterlandes schirmen (. . .)" Längst verstorbene Zeitzeugen berichteten damals: "Jedesmal, wenn wieder eine Anzahl am Bahnhof abfuhr, dann standen die Hückeswagener dicht gedrängt.

Sie sangen patriotische Lieder, und auch hier verabschiedeten sich die Feldgrauen mit der Zuversicht, schnell wieder zu Hause zu sein." Vorher hatte es mehrfach vor dem Kriegerdenkmal am Fuß des Schlosshagens treudeutsche Abschiedsreden gegeben. Gaswerksdirektor Carl Bremer, Dr. Wilhelm Rees und der evangelische Pastor Friedrich Julius Stiehl fanden ähnliche Worte, wie sie literarisch im Anti-Kriegs-Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque beklemmend überliefert sind.

Nach dem Waffenstillstand von 1918 bekannte Stiehl: "Welchem katastrophalen Irrtum sind wir allesamt aufgesessen?" In Hückeswagen herrschte zu Kriegsanfang eine Art "Spionen-Fieber". Um solche vermuteten "feindlichen Auskundschafter" abzufangen, wurden an der Peterstraße, der Wupperbrücke und der Kolls Ecke Wachen aufgestellt. Dann kamen die Tage, an denen die Kirchenglocken Siege verkündeten. Es dauerte nicht lange, bis die Zeitung von ersten Schwerverwundeten berichtete.

In der Schule Brücke mussten die Kinder dennoch das Gedicht von dem Sechzehnjährigen auswendig lernen, der sich bei der Musterung nach vorn gedrängt hatte: "Der Stabsarzt sagt ihm klipp und klar: ,Die Brust ist viel zu eng!' ,Für eine Kugel breit genug!', sagt keck der junge Schneuz. Und wenn es Gott im Himmel will, auch für ein Eisern Kreuz!" Vier Jahre später stellte man 163 Hückeswagenern ein anderes Kreuz auf. Nach dem Krieg starben in Hückeswagen überdies noch einmal 16 Landser an den Folgen schwerster Verwundungen.

(rt)
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