Hückeswagen: Das Problem mit Statistik und Lüge

Hückeswagen : Das Problem mit Statistik und Lüge

Etwa 90 Interessierte waren am Dienstagabend zum 16. Unternehmerforum ins Forum der Montanusschule gekommen. Sie hatten Gelegenheit zum Netzwerken - und hörten einen unterhaltsamen Vortrag von Prof. Dr. Walter Krämer.

Das Unternehmerforum hat eine lange Tradition. Das betonte Bürgermeister Dietmar Persian zu Beginn der 16. Veranstaltung am Dienstagabend im Forum der Montanusschule. Etwa 90 Interessierte waren gekommen. "Bei unserer Reihe geht es um Information, es gibt immer einen Input durch einen Vortrag", sagte Persian. Aber es gehe auch ums Netzwerken, um das gegenseitige Kennenlernen und den Austausch unter Unternehmern in der Schloss-Stadt.

Mit einem Zitat des 1941 gestorbenen französischen Schriftstellers und Diplomaten Jean Giraudoux führte der Bürgermeister dann zum Thema des Abends: "Man erkennt den Irrtum daran, dass alle Welt ihn teilt." Denn der Titel des Vortrags des Statistikprofessors Dr. Walter Krämer von der TU Dortmund lautete passenderweise: "Wie lügt man mit Statistik?". Ein altbekanntes Thema, aber auch eines, das in Zeiten der zuhauf geteilten "Fake News" von aktueller Bedeutung sei.

Krämer präsentierte sein - zumindest auf den unbedarften, ersten Blick - trockenes Thema ganz im Stil einer Vorlesung, und das mit einigem Humor. Er machte eines direkt klar: "Statistik ist eine Form der Rhetorik und der Analysetechnik." Bei beiden Techniken könnten Fehler entstehen, das sei ganz normal. Er hingegen habe es sich zusammen mit seinen Kollegen, dem Psychologen Gerd Gigerenzer und dem Ökonomen Thomas Bauer, zur Aufgabe gemacht, diesen Fehlern in der "Unstatistik des Monats" auf den Grund zu gehen. "Jeden Monat hinterfragen wird jüngst publizierte Zahlen und deren Interpretationen", sagte Krämer. Die aktuelle Unstatistik befasse sich etwa mit der Gesundheitskompetenz der Deutschen: "Dabei wird der Eindruck erweckt, dass die Mehrheit der Deutschen eben eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz hätte."

Wie Krämer ausführte, sei jedoch kein einziger Proband tatsächlich getestet worden, sondern diese hätten lediglich subjektive Meinungsangaben zu 47 Fragen abgegeben. "Lüge und Statistik - das ist ein weites Feld", sagte Krämer. Oft würden Statistiken bewusst gefälscht - "etwa beim Außenhandelsüberschuss der DDR oder aber bei der Beliebtheitsskala der Autos des ADAC" -, durch Fehler und Ungenauigkeiten bei der statistischen Erhebung könnten jedoch auch unabsichtlich vollkommen falsche und irreführende Statistiken entstehen. Im Folgenden ging der Statistikprofessor auf die typischen Stadien der Erhebung einer Statistik ein - und mit zahlreichen und unterhaltsamen Beispielen auch auf die dort lauernden Fehlerquellen. Bei der Erhebung der Daten etwa: "1990 wurde nach dem riskantesten Beruf in Deutschland gefragt. Heraus kam: Bundesligaspieler", erzählte Krämer ein launiges Beispiel. Hintergrund: die Bundesliga wurde erst 1962 gegründet. Somit waren die Spieler von damals um die 50 Jahre alt. "Es wurde nach Todesfällen in den jeweiligen Berufen gefragt - und wer als Bundesligaspieler bereits gestorben war, war eben noch vergleichsweise jung", sagte Krämer.

Das Publikum hatte für die Beispiele des Statistikers ein offenes Ohr, die dieser immer wieder auch durch eindrucksvolle Folien untermalte. Da sich die Fehlerquellen mannigfaltig zeigten und mit schöner Regelmäßigkeit auch durch die verschiedenen Medien weitergegeben wurden, ging wohl dem einen oder anderen im Publikum ein anderes geflügeltes Wort durch den Sinn: "Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast."

(wow)
Mehr von RP ONLINE