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Das Leben nach der Wiedervereinigung der Familie Belay

Neue Heimat Hückeswagen : Das Leben nach der Wiedervereinigung

Die Familie des 32-jährigen Eritreers Yirga Belay konnte nach vier Jahren Trennung vor einem halben Jahr endlich nachkommen. Doch damit waren die bürokratischen Hürden für die junge Familie längst noch nicht überwunden.

Der Oktober 2019 hielt für Yirga Belay, seine Frau Ziyada und die beiden gemeinsamen Kinder Helen und Lul einen ganz besonderen Moment bereit: Nach vier Jahren der Trennung war die Familie nach einer wahren Odyssee endlich wieder vereint. Seit seiner Flucht 2015 konnten sich die Ehepartner lediglich per Telefon nahe sein. Der junge Lehrer war grundlos aus dem Unterricht heraus verhaftet worden, und aus Furcht vor weiteren Repressalien später geflohen. Seine jüngere Tochter war noch nicht geboren, als sich der heute 32-jährige Eritreer auf den Weg machte. Ziyada Belay war zu dieser Zeit schwanger, das Baby kam im Nachbarland Äthiopien zur Welt. Dorthin war die Ehefrau mit der älteren Tochter Lul geflohen.

In Hückeswagen hatte Yirga Belay zwischenzeitliche eine neue Heimat gefunden. Auch dank der Hilfe von Menschen wie Bernd Oesinghaus, der sich als Pate sehr viel um Organisatorisches kümmerte. Der 32-Jährige hat Arbeit beim Unternehmen Haromac in Winterhagen gefunden, arbeitet dort mittlerweile seit vier Jahren. Ein knappes halbes Jahr ist die Familie nun wieder vereint und hat zwischenzeitlich auch eine neue, größere Wohnung gefunden. „Es war ein turbulentes Jahr“, zieht Yirga Belay ein Fazit. Denn mit der Zusammenführung der Familie war längst noch nicht aller behördlicher Hickhack vorbei.

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Das Problem, das sich plötzlich auftat, hieß: Reisepass. „Wir waren zuerst bei der Ausländerbehörde in Gummersbach. Dort haben wir zunächst das Okay bekommen, dass alles in Ordnung sei“, erzählt der 32-Jährige. Später allerdings hieß es, die Ehefrau brauche einen Reisepass aus ihrer Heimat. „Den bekommt man dort allerdings nur, wenn man offiziell ausreist“, erläutert Oesinghaus. Der einfachste Weg wäre gewesen, sich einen neuen Pass ausstellen zu lassen. „Wir hatten aber Angst, dass der Rest unserer Familie in Eritrea vielleicht Repressalien zu befürchten hätte, wenn wir wieder auf der Bildfläche erscheinen würden“, sagt der junge Mann.

Auch Nachfragen bei Caritas und Rotem Kreuz hätten nur ergeben, dass entweder ein Reisepass vorgelegt oder ein Asylantrag gestellt werden müsste. „Das haben wir dann in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Bochum getan, was aber dauerte“, sagt Oesinghaus. Gerade rund um Weihnachten und den Jahreswechsel habe Ziyada Belay ständig zwischen den Erstaufnahmeeinrichtungen und Hückeswagen hin und her pendeln müssen. „Ohne wirkliches Ergebnis. Das war ganz schön nervenaufreibend“, sagt Yirga Belay. Oesinghaus ergänzt: „Es hätte eben sein können, dass Ziyada dann zwangsweise in irgendeine Gemeinde hätte gehen müssen. Da wäre die Zusammenführung erst einmal wieder vom Tisch gewesen.“

Zum Glück sei dann aber eine engagierte Mitarbeiterin des DRK ins Spiel gekommen. „Sie hat das Ganze in die Hand genommen, und dann ging es auch tatsächlich ganz schnell mit dem Asylantrag“, berichtet der Pate. Auch hier habe sich zudem der Zusammenhalt in der Schloss-Stadt gezeigt. „Yirga hat weiterhin in Vollzeit gearbeitet, während Ziyada zwischen Köln, Bochum, Bonn und Hückeswagen gependelt ist. Die Kinder waren in der Zeit ebenfalls hier in der Stadt“, sagt Oesing­haus. Ein Freund habe dabei geholfen, die Kinder in die Schule zu bringen, wenn Yirga Belay bei der Arbeit war. Und auch bei Haromac habe man sich sehr kulant und hilfsbereit gezeigt. „Wir haben viel Hilfe bekommen. Das war schon sehr wichtig, und dafür bin ich auch sehr dankbar“, betont der 32-Jährige. Er selbst habe im August einen Antrag auf unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland beantragt. Das sei möglich, weil er seit fünf Jahren hier lebe, arbeite und keine Sozialleistungen bekomme.

Und auch wenn die finalen Entscheidungen zu Ziyadas Asylantrag noch ausstünden, überwiege dennoch die grundsätzliche und sehr große Freude bei der kleinen Familie. „Wir hoffen, dass bis Ende April alles erledigt ist“, sagt Oesinghaus. Das Schönste sei aber, dass die Familie vereint sei und sich alle, vor allem auch die beiden Mädchen, in Hückeswagen wohl fühlten. „Sie gehen wirklich sehr gerne zur Schule“, betont Yirga Belay. Und würden auch sehr schnell die neue Sprache lernen.