1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagen: Das Ende eines Trafohäuschens

Hückeswagen : Das Ende eines Trafohäuschens

Sie stand mitten in der Trasse, auf der einmal die Stadtstraße gebaut wird. Daher wurde am Samstag die Transformatorenstation am Schwarzen Weg abgerissen. Ein neuer Stromkasten hat ihre Aufgabe übernommen.

Sie hat unter anderem zwei Währungsreformen, das Wirtschaftswunder, die Wiedervereinigung und acht Bürgermeister "erlebt". Am Samstag wurde mit der 1947 errichtete Transformatorenstation am Schwarzen Weg ein Stück deutscher und Hückeswagener Geschichte dem Erdboden gleich gemacht.

Das etwa zehn Meter lange, 6,5 Meter breite und acht Meter hohe Gebäude musste der Stadtstraße weichen. Die Stromversorgung der umliegenden Häuser ist allerdings gesichert: Die BEW hat bereits vor zwei Monaten, in etwa 15 Metern Entfernung, eine neue Transformatorenstation errichten lassen.

Mit 2,5 mal 1,2 mal 1,3 Metern sind die Ausmaße zwar wesentlich kleiner, der kleine grüne Kasten ist aber genauso funktional wie sein großer Vorgänger.

Elektrisches Licht wird zum Luxus

Die Vorgeschichte des Trafohäuschens reicht bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück. "An der Wupper hatten sich viele kleine Industriebetriebe angesiedelt, die ihr eigenes Wasserkraftwerk errichteten", erzählt Mathias Wiemer, Leiter der Stromversorgung bei der BEW.

  • Der letzte Feierabendmarkt in diesem Jahr
    Feierabendmarkt und Lichterfest in Hückeswagen : Kombination sorgt für Feierstimmung
  • Steffi Hölzle, Daniel Marsch und Eckhard
    Musikschul-Angebot für Ukrainer und Hückeswagener : Mit Liedern Grenzen überwinden und gemeinsam singen
  • BEW-Geschäftsführer Jens Langner und seine Mitarbeiter
    Energiekrise im Bergischen : Gekippte Gasumlage – BEW setzt Beschluss um

Die erzeugten später so viel überschüssigen Strom, dass die Firmenbesitzer ihn an die Anwohner verkauften. "So mancher erkannte den Luxus elektrischen Lichts", sagt Wiemer. Die Folge war, dass Gas und Petroleum nach und nach als vorrangige Erzeuger der Lichtquellen verdrängt wurden. Später wurden größere Wasserkraftwerke gebaut, etwa in Hammerstein, Kräwinklerbrücke oder Kleineichen.

Dann begann die Zeit der großen Ernergieversorger. Für Hückeswagen verpflichtete sich das RWE, jeden Bürger mit Strom zu versorgen. Mit der Konzession auf 50 Jahre erhielt es das Monopol auf die Stromversorgung. "Die Kommunen waren finanziell nicht in der Lage, so etwas zu stemmen", stellt Wiemer klar.

Über die Umspannanlage Lennep erhielt die Schloss-Stadt ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts Strom per 10 000-Volt-Leitung. Dafür wurde 1912 die erste Transformatorenstation am Schwarzen Weg gebaut, "die bei uns immer ,Station Peterstraße' hieß", so Wiemer. Von dort aus wurde der Strom ins Hückeswagener Stadtgebiet und nach Wipperfürth weitergeleitet. "Damals gab es pro Haushalt vielleicht zwei Glühbirnen und später noch ein Radio", blickt der BEW-Fachmann zurück.

1947 wurde die erste Station durch die am Samstag abgerissene ersetzt. Die Funktion als Verteilstation verlor das Häuschen am Schwarzen Weg allerdings sieben Jahre später, als in Kleineichen die Umspannanlage errichtet wurde. Die Trafostation sorgte seitdem nur noch für die Stromversorgung der Gebäude ringsum.

In der vorigen Woche war nun deren Innenleben demontiert worden. Unter anderem wurden Eternitplatten, die wegen möglichen Asbest-Anteils gesondert entsorgt werden mussten, heraus gerissen. Dann rückte der Bagger an.

(RP)