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Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren in Hückeswagen

Kriegsende vor 75 Jahren in Hückeswagen : Um 9 Uhr war der Krieg vorbei

Vor 75 Jahren endete für Hückeswagen der Zweite Weltkrieg – Erinnerungen an den 14. April 1945 und die Zeit danach.

Auch 60 Jahre nach dem Krieg war die Erinnerung an den Einmarsch der Amerikaner bei Hermann Heupel noch wach: „Die Kettenfahrzeuge rasselten die Islandstraße hinauf. Mein Vater und ich standen oben im Erker-Zimmer und wollten fotografieren“, erzählte der Hückeswagener, der vor einigen Jahren gestorben ist, 2005 im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Gardine hatten sie einen Spalt breit aufgezogen, um die Kamera in Position bringen zu können. Plötzlich hielt der Konvoi. „Der Panzer an der Spitze drehte den Turm und hielt auf uns“, sagte Heupel. Sein Vater und er gingen in Deckung. Erst beim ersten Nachkriegsanstrich fand der Anstreicher die Einschüsse im Gebälk und die Geschosse.

Bereits am 1. April war gemeldet worden, dass die deutschen Truppen im Ruhrgebiet eingeschlossen waren. Die Nazi-Propaganda ließ aber verlauten, unter Generalfeldmarschall Model stehe der „Befreiungsschlag“ bevor. In Aufzeichnungen von Zeitzeugen wurden die dramatischen letzten Kriegstage in Hückeswagen deutlich: „Tag und Nacht Bomber- und Jagdbomber-Terror. Zwischen dem 8. und dem 12. April bewegen sich endlose Züge der Wehrmacht ohne festes Ziel hin und her. Teils motorisiert oder bespannt, blockieren sie Peterstraße und Bachstraße.“ Beide waren zeitweise so voll mit Wehrmachtsverbänden, dass es nicht mehr vorwärts ging. Als am 13. April die Meldung kam, dass der Feind bereits in Wipperfürth sei, wurden die Wehrmachtslager in der Pauluskirche, der Schlossturnhalle sowie in Kobeshofen und Hämmern geplündert. Gegen 20.30 Uhr setzte kurzer Artilleriebeschuss ein. Der Leiter der Polizeidienststelle Neßbach, fuhr mit einer weißen Fahne über die Peterstraße Richtung Hämmern, um den Amerikanern die kampflose Übergabe der Stadt zu melden. Zwischen 22 und 2 Uhr zogen schwächere motorisierte Gruppen amerikanischer Soldaten ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bürgermeister Albert Gimbel von der NSDAP seine Dienstgeschäfte längst beendet. Die Leitung der Stadtverwaltung hatten Sparkassendirektor Otto Schmitz und Verwaltungsoberinspektor Karl Eigen übernommen. Am 14. April, gegen 9 Uhr rückte die Hauptmacht der Amerikaner ein. Auf Höhe von Klingelnberg lieferten sich verstreute deutsche Soldaten noch Gefechte mit den Amerikanern, was Tote auf beiden Seiten zur Folge hatte. Doch dann war der Krieg für die Hückeswagener beendet.

 Am Morgen des 14. April 1945 rückt die Hauptmacht der amerikanischen Panzer ein; durchs Island fahren Shermann-Tanks.
Am Morgen des 14. April 1945 rückt die Hauptmacht der amerikanischen Panzer ein; durchs Island fahren Shermann-Tanks. Foto: Chronik der Stadt Hückeswagen 1939-1946, BGV
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Die letzte Ausgabe der Bergischen Tageszeitung, nationalsozialistisch geprägte Nachfolgerin der Hückeswagener Bergischen Volkszeitung, erschien noch am Tag der Einnahme der Schloss-Stadt durch die US-amerikanischen Fronttruppen am 14. April 1945. Noch in diesem Doppelblatt voller Durchhalteparolen und monatelang publizierter Falschmeldungen über vermeintliche Wehrmachtserfolge gab es die Amtliche Bekanntmachung, dass sich die Jungen der Jahrgänge 1934/1935 zur Hitlerjugend im Parteihaus – heute ist dort die Stadtbibliothek – zu melden hätten. Bürgermeister und Parteigrößen hatten sich zu diesem Zeitpunkt jedoch längst davongestohlen. Das Weite gesucht hatten auch die Standgerichtsjuristen, die Tage zuvor noch einen jungen deutschen Soldaten am Schlossberg hinrichten ließen.

Die Amerikaner bezogen im Schlosshotel und in Villen an der Bachstraße Quartier. Deutsche Kriegsgefangene waren aus Stadt und Land zusammengetrieben worden. Viele zuletzt noch Gefallene fanden ihr Grab an Straßenrändern und in Hückeswagens Wäldern. Erst ab dem 19. April durften die Hückeswagener zwischen 7 und 18 Uhr ihre Häuser wieder verlassen.

Die Besatzungsmacht hatte gleich nach dem Einmarsch mit Hausdurchsuchungen begonnen. Immer noch wurde verschanztes deutsches Militär vermutet. Alles, was auch im Entferntesten an die NS-Zeit erinnerte, wurde gleich vor Ort zerstört oder beschlagnahmt.