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Corona-Krise verhagelt Messebauer Ullrich aus Hückeswagen das Geschäft

Hückeswagener Unternehmen in der Corona-Krise Hückeswagen : Messebauer muss sich umorientieren

Praktisch über Nacht stand die Firma von Ingo Ullrich vor dem Nichts – Corona hatte ihr alle Aufträge genommen. Bereits im Februar kamen die ersten Absagen, seither hat sich durch die Pandemie die Lage verschärft.

Es gibt Betriebe, die trotz – oder vielleicht sogar wegen – der Corona-Krise derzeit kaum weniger oder auch wesentlich mehr Arbeit haben als vorher. Mancherorts ergeben sich sogar ganz neue Bereiche – man denke hier etwa nur an die Herstellung von Gesichtsmasken. Und es gibt auf der anderen Seite Betriebe, die mit dem Inkrafttreten der Kontaktsperre Mitte März praktisch vor dem Nichts standen. Oder sogar schon vorher – wie das Unternehmen Authentic Messebau im Gewerbegebiet Winterhagen.

Ingo Ullrich sagt: „Die erste Absage kam Mitte Februar. Dabei handelte es sich um die Eisenwarenmesse in Köln. In der Folge trudelte dann eine Absage nach der anderen herein – dabei waren wir eigentlich bis weit in den Juni hinein ausgebucht!“ Der Grund ist klar: Messen sind theoretische Virenumschlagsplätze – reger Publikumsverkehr aus aller Welt im vier- bis fünfstelligen Bereich dürfte die Eindämmung des Virus nicht unbedingt fördern. Spätestens aber mit dem 10. März, als alle Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern bundesweit gestrichen wurden, war Ullrich klar, dass er zumindest im ersten Halbjahr keine Aufträge mehr bekommen würde. Doch es kam noch schlimmer: „Alle Messen sind jetzt bis 31. August abgesagt – und ich persönlich bezweifle, dass es im zweiten Halbjahr besser werden wird“, sagt der 60-Jährige. Die Lage könne er so simpel wie tragisch auf den Punkt bringen: „Unsere Arbeitszeit ist gleich Null – genau wie unsere Auftragslage.“

Die Füße stillzuhalten ist dennoch nicht die Sache des gelernten Zimmerers, der seit über 30 Jahren im Messebau tätig ist. „Im Moment arbeiten wir intern und betreiben Lagerpflege. Natürlich habe ich direkt Kurzarbeit beantragt – wobei in unserer Branche ohnehin sehr viele Solo-Selbständige arbeiten“, sagt Ullrich. Im Betrieb in Winterhagen, der seit Ende 2013 unter dem Namen Authentic Messebau dort firmiert, gibt es nur zwei festangestellte Mitarbeiter. Auf der Suche nach neuen Aufgaben habe er die Fühler ins Umfeld ausgestreckt, etwa in Richtung Gummersbach oder Remscheid, um Trennwände aufzustellen. „Da kommen ab und zu Anfragen herein, aber natürlich sind das nicht viele“, sagt Ullrich. Wenn der Mitarbeiter auf das zweite Halbjahr blicke, für das es selbstverständlich noch keine verlässlichen Aussagen für Messen gibt, habe er einen Stein im Magen. „Ich habe leider die Befürchtung, dass wir in diesem Jahr gar nichts mehr zu tun bekommen.“ Es seien zwar einige Messen mit Ersatzterminen verlegt worden, das sei jedoch in seinen Augen nichts als Spekulation. „Der Markt ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht und ergreifend nicht zu beurteilen“, sagt Ullrich.

Der gelernte Zimmerer hat sich über die Jahre auch zum Kaufmann und Eventmanager weitergebildet. Aber all diese Bereiche seine derzeit „komplett tot, es ist hier nichts möglich“, wie der 60-Jährige sagt. In den langen Jahren in seinem Metier hätte er sich zwar ein dickes Fell angelegt, aber natürlich müsse er über die Zukunft nachdenken. „Wir versuchen die Situation zusammen mit unserer Hausbank zu überbrücken, aber es geht auch ans Eingemachte“, sagt er. Als Alternative zum Messebau – und den wenigen Trennwand-Aufträgen – hat Ullrich den Bereich der Spuckschutz-Wände aus Acrylglas entdeckt. „Die können wir auch herstellen. Dazu muss man aber als Hersteller auch gefunden werden. Außerdem ist dieses Marktsegment auch schon sehr überlaufen, wir sind ja nicht die einzigen, die das machen“, sagt der 60-Jährige.

Abgesehen davon handele es sich dabei nicht um einen klassischen Gebrauchs- und Verschleißartikel. „Das hält ewig, und irgendwann hat auch jedes Geschäft seinen Spuckschutz“, sagt Ullrich.

Daher habe er sich zusammen mit „seinen Jungs“ – den freischaffenden Messebauern, mit denen er zusammenarbeitet – überlegt, ob nicht die Montage von Fertighäusern ein alternatives Geschäftsfeld sei. „Ich habe Kontakte nach Schweden, bin gelernter Zimmerer – das wäre durchaus möglich“, sagt er. Mit Anfang 60 noch einmal etwas ganz anderes zu beginnen, komme jedenfalls nicht in Frage. „Ich fange nämlich jetzt bestimmt nicht an, Apps zu programmieren“, versichert er lachend.