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Corona-Krise: Hückeswagen präsentiert sich diszipliniert

Kontaktsperre wegen Corona-Krise : Hückeswagen präsentiert sich diszipliniert

Ordnungsstreifen von Verwaltung und Polizei sind seit Montag im gesamten Stadtgebiet unterwegs, um das Einhalten der Kontaktsperre zu überprüfen. Bislang gibt es keinen Grund für Beanstandungen, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Der Verkehr fließt wie üblich durch die Stadt, und trotzdem: Irgendetwas ist anders. Auf dem Etapler Platz etwa sind am Dienstag um 10.30 Uhr außergewöhnlich viele Parkplätze frei. Im beinahe menschenleeren Island sind keine Ständer mit Kleidung oder Blumen vor die Schaufenster gestellt. Das Hörgerätegeschäft Geers darf, wie etwa die beiden Optiker Mücher und Lammert, öffnen. Doch es ist geschlossen, weswegen an der Tür zu lesen ist: „Bitte klopfen.“ Erst dann wird geöffnet. Vor dem gemeinsamen Ladenlokal von Stilmix, Mode Winkler’s und dem Fotostudio ist eine kleine hölzerne Theke mit Klingel aufgebaut – wer was will, muss diese betätigen. Oder anrufen, denn viele Geschäftsleute haben einen Lieferservice eingerichtet. Den braucht Christiane Cannoletta nicht, weil sie Zeitungen verkauft. Ihr Geschäft ist daher geöffnet – aber jetzt in der Corona-Zeit nur noch vormittags von 8.30 bis 13 Uhr.

Seit die Bundesregierung die Kontaktsperre und die Schließung der nicht systemrelevanten Geschäfte beschlossen hat, ist es auch in der Schloss-Stadt ruhig geworden. Sehr ruhig. Selbst in den Wupperauen, in denen sich vor wenigen Tagen noch die Menschen rudelweise tummelten, ist verweist. Bis auf eine Hundehalterin und ihren Vierbeiner. Roland Kissau vom Ordnungsamt sieht das ein wenig mit Verwunderung, auch wenn die Ansage klar ist, dass Menschenansammlungen von mehr als drei nicht mehr geduldet werden, um die Infektionsrate einzudämmen. „Vorige Woche haben meine Kollegen vom Ordnungsdienst dort noch zehn, 15 Jugendliche angesprochen, dass sie sich nicht in der Gruppe aufhalten sollten. Sie waren einsichtig“, erzählt er.

Kaum waren sie weg, sei eine fast 20-köpfige Gruppe von Senioren auf E-Bikes gekommen und hätte an gleicher Stelle Picknickdecken ausgebreitet. Auch die Radler erhielten eine entsprechende Aufforderung, den notwendigen Abstand von mindestens eineinhalb Metern einzuhalten und am besten nicht in der Gruppe zu fahren.

Seit Montagmorgen sind ständig Ordnungsstreifen der Stadt in Hückeswagen und auf Wiehagen, auf den Schulhöfen, Spiel- und Sportplätzen unterwegs, um das Einhalten der Kontaktsperre zu überwachen. Mitunter ist auch einer der Bezirksbeamten der Polizei dabei. „Eine solche gemischte Streife empfinden manche eine Spur respektvoller“, hat Kissau festgestellt. Die Duos überprüfen, ob nicht mehr als zwei Personen unterwegs sind und ob die Geschäfte, die schließen müssen, auch tatsächlich geschlossen sind. Roland Kissau zieht ein erstes positives Fazit: „Die Geschäfte, die zu sein müssen, sind es auch. Und wir haben auch keine größeren Personengruppen mehr angetroffen.“ Es scheine, als würden sich die Menschen jetzt daran halten. „Das sah in der vorigen Woche noch ganz anders aus. . .“ Was vielleicht auch daran liegen mag, dass bei Zuwiderhandlungen eine Geldbuße von mindestens 200 Euro (und bis zu 25.000 Euro) verhangen werden muss.

Heinz Gerd Koch könnte aktuell einer der glücklichen Einzelhändler sein, darf er doch seinen Blumenladen im Island seit Montag wieder öffnen. In der Vorwoche hatte er noch schließen müssen. Er freut sich auch, wieder Kontakt zu den Kunden zu haben und über ihre strahlenden Gesichter, wenn er oder seine Mitarbeiterinnen einen schönen Strauß für sie gebunden haben. „Aber es ist doch ein zwiespältiges Gefühl“, gesteht er. Mit den Gestecken für Hochzeiten, Beerdigungen und Geburtstagen hatte er die Tage der Schließung gut verbringen können. Dem Blumenhändler wäre es jedoch lieber, alles wäre dicht. „Dann wären wir vielleicht in 14 Tagen mit der ganzen Sache durch.“

Auch wenn es ruhig in der Stadt geworden ist und kaum ein Auto über Bahnhof- und Peterstraße fährt, eine Sache ist dann doch gleich geblieben: Die Schaltung der Ampelanlage an der großen Kreuzung im Zentrum für die Fußgänger braucht genauso elend lange, bis sie auf Grün springt, wie in der Vor-Corona-Zeit.