1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Bildung in Hückeswagen: Chinesisch lernen am Berufskolleg

Bildung in Hückeswagen : Chinesisch lernen am Berufskolleg

Ab dem kommenden Schuljahr können interessierte Schüler am Berufskolleg Hückeswagen neben Englisch als zweite Fremdsprache Chinesisch lernen. Es soll in Zukunft auch eine Kooperation mit der Städtischen Realschule geben.

Im Berufskolleg ist man immer schon nahe am Puls der Zeit. Und so mutet es nur auf den ersten Blick ungewöhnlich an, dass ab dem kommenden Schuljahr als zweite Fremdsprache nicht mehr Französisch, sondern Chinesisch gelernt werden kann. „Unsere Intention ist, dass die Schüler einen Grundwortschatz erlernen können, mit dem sie sich im Alltag und im Beruf in China zurechtfinden können. Das bisherige Angebot Französisch wird mit diesem Jahrgang auslaufen“, erklärt Schulleiter Gunnar Mühlenstädt.

In China leben etwa 1,39 Milliarden Menschen. Das kommunistische Land gehört zu den wirtschaftlichen und technologischen Großmächten. Entsprechend umfangreiche Kontakte hätten die Partnerfirmen des Berufskolleg auch ins Reich der Mitte. „Unsere Schüler sollen einen Grundwortschatz erlernen, mit dem sie sich etwa im Rahmen eines Praktikums verständigen könnten“, sagt Mühlenstädt. Für das neue Schulfach gibt es auch bereits eine Lehrerin, die Muttersprachlerin Yanqing Tabacchi, die schon seit 30 Jahren in Düsseldorf lebt und arbeitet. „Ich komme eigentlich aus Peking und bin damals zum Studium nach Wuppertal gekommen, wo ich Allgemeine Sprachwissenschaften und Germanistik sowie Wirtschaftsinformatik im Nebenfach studiert habe“, sagt die 55-Jährige. Dort habe sie nicht nur ihren Mann kennengelernt, sondern direkt nach dem Studium auch eine Stelle im Bereich Unternehmensführung in Düsseldorf gefunden.

Außerdem habe sie auch schon an vielen Schulen Chinesisch unterrichtet, so dass die neue Aufgabe für sie kein wirkliches Neuland sei. Der Kontakt sei über den stellvertretenden Schulleiter Heinz Dörpinghaus zustande gekommen. „Ich kannte Frau Tabacchi von meiner alten Schule, dem Remscheider Röntgen-Gymnasium. Dort hat sie auch unterrichtet“, sagt Dörpinghaus.

Chinesisch zu lernen sei weniger kompliziert, als es den Anschein habe, sagt Yanqing Tabacchi. „Natürlich kommt es aus einer ganz anderen Sprachfamilie als die indogermanischen Sprachen. Die Schüler müssen also die Worte und die Zeichen ganz neu lernen. Zudem ist die richtige Betonung wichtig“, sagt die 55-Jährige. So könnten also die gleichen Wörter in unterschiedlicher Betonung auch eine andere Bedeutung haben. „Allerdings ist das Chinesische eine Kontextsprache, was die Sache erleichtert“, sagt sie. Und auch die Grammatik sei viel einfacher als im Deutschen, da es keine Flexion oder unterschiedliche Zeitformen gebe. „Wenn die Schüler die ersten Zeichen und Worte erst einmal gelernt haben, geht es in der Regel recht einfach weiter“, sagt die 55-Jährige. 320 Stunden, die in den zwei Jahren am Berufskolleg für Chinesisch vorgesehen sind, sollen reichen, um einen Grundwortschatz aufzubauen. „Es gibt einheitliche Sprachprüfungen, nach denen die Sprachkenntnis bemessen werden – ähnlich wie bei Deutsch als Fremdsprache. Nach zwei Jahren haben die Schüler den Standard A2 oder B1“, sagt Yanqing Tabacchi. Mit B1 könne man sich schon sehr gut verständigen, B2 sei etwa Uniniveau. „Für die Schüler besteht zudem die Möglichkeit, sich in Düsseldorf einer HSK-Prüfung zu unterziehen, mit der sie dann den Nachweis der Sprachkenntnis auch schriftlich haben“, sagt sie. Das sei wichtig, wenn die Schüler an eine chinesische Uni gehen wollen.

In Hückeswagen soll es in diesem Zusammenhang auch eine Kooperation mit der Realschule geben. „Wie die konkrete Umsetzung aussehen wird, wissen wir noch nicht, aber ich finde das eine ganz zukunftsweisende Idee“, sagt der kommissarische Realschulleiter Thorsten Schmalt. Schließlich sei China eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt.

Mühlenstädt hat über das Bejing Polytechnikum, einem Bildungsprojekt des Kölner Carl-Duisberg-Centrums bereits erste Kontakte geknüpft, um später einmal eine chinesische Partnerschule zu finden. In einem zweiten Schritt könnten dann auch die Mitarbeiter der Partnerunternehmen des Berufskollegs am Chinesisch-Unterricht teilnehmen. „Aber jetzt fangen wir erst einmal mit unseren Schülern an“, sagt Mühlenstädt.