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Bundestagswahl 2021 Oberberg: Jubelnde SPD, zerknirschte CDU

Bundestagswahl 2021 im Oberbergischen Kreis : Jubelnde SPD – zerknirschte CDU im Kreishaus

Große Gewinnerin des Wahlabends ist die SPD. Der oberbergische CDU-Kandidat Dr. Carsten Brodesser liegt dennoch vorne. Für den Hückeswagener Jörg von Polheim (FDP) und die Kandidatin der Sozialdemokraten, Michaela Engelmeier, hat es nicht nach Berlin gereicht. Dafür darf Sabine Grützmacher von Bündnis 90/Die Grünen die Interessen der oberbergischen Grünen in der Bundeshauptstadt vertreten.

Relativ verhalten ist die Stimmung im Kreishaus in Gummersbach am frühen Sonntagabend. Allgemeines Gemurmel, hier und da stehen Grüppchen zusammen. Alle natürlich mit Maske im Gesicht. Es ist schließlich nach wie vor Corona – Bundestagswahl hin, Bundestagswahl her.

Kurz vor 18 Uhr versammelt man sich dann rund um den Monitor, auf dem die ersten Prognosen verkündet werden. Auch dann kein Aufschrei der Freude – oder des Entsetzens -, auch wenn bei der Prognose für die Linke zumindest eine Besucherin im oberbergischen Kreishaus ein langes Gesicht hinter der Maske macht. Der Grund: Der Einzug in den Bundestag ist zumindest zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht klar.

Überhaupt – es ist klar, das noch gar nichts klar ist. Als die ersten Prognosen verkündet werden, ist die Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Sabine Grützmacher, zumindest dann glücklich, als klar zu sein scheint, dass die AfD in Nordrhein-Westfalen einstellig bleiben würde. „Das ist ein gutes Signal für ein weltoffenes NRW“, sagt sie. Sabine Grützmacher geht von einem langen Abend aus, ehe die definitiven Ergebnisse vorliegen würden. „Bei 16 Prozent für die Grünen in NRW könnte es für das Direktmandat reichen, aber entschieden ist da noch nichts“, sagt sie. Am Ende wird es für sie reichen.

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Ansonsten ist nur wenig Euphorie zu spüren – was auch klar ist, denn für das erklärte Wunschziel der Grünen-Politikerin – Rot-Grün – dürfte es kaum reichen. „Es sieht alles nach einer Ampel-Koalition aus, die natürlich Kompromisse mit sich bringt“, sagt Sabine Grützmacher. Theoretisch sind aber auch noch ganz andere Koalitionen möglich – selbst ohne Grünen-Beteiligung.

Nach und nach trudeln dann nicht nur die Ergebnisse aus den 13 Kommunen im Oberbergischen Kreis ein, sondern auch die Besucher – und die Kandidatinnen und Kandidaten. Gegen 19 Uhr kommen SPD-Kandidatin Michaela Engelmeier und ihre Begleitung. Sie strahlt dabei mit ihrer knallroten Maske um die Wette. „Es ist ein großartiger Tag für die Sozialdemokratie, ich freue mich einfach unfassbar“, sagt Michaela Engelmeier. Der Aufholkampf der SPD sei „unfassbar“, und am meisten freue sie, dass mit Olaf Scholz der SPD-Kandidat auch den neunten Bundeskanzler stellen werde.

Für sie selbst wird es am Ende nicht reichen. Das erfährt sie spät in der Nacht. Ebenfalls zu dieser Zeit kommt Linken-Kandidat Diyar Agu ins Kreishaus, der das schlechte Ergebnis seiner Partei gar nicht weiter in Abrede stellt. „Wir haben sehr deutlich verloren. Die Fehler lagen meiner Meinung nach nicht in den vergangenen Wochen, sondern in den vergangenen Jahren“, sagt er. Der Wahlkampf sei insofern besonders gewesen, weil er sehr auf die Kanzlerkandidaten zugeschnitten gewesen sei, und außerdem inhaltlich sehr zugespitzt.

Jörg von Polheim, Hückeswagener Direktkandidat der FDP kommt nach seinem Besuch in der Glashalle am Bahnhofsplatz der Schloss-Stadt auch nach Gummersbach, gegen 19.30 Uhr trifft er ein. Ihn freue besonders das zweite zweistellige Ergebnis seiner Partei bei der Bundestagswahl in Folge. „Es ist ein starkes liberales Ergebnis auf Bundesebene“, sagt er. Was seine eigenen Chancen für das Direktmandat angehe, war der Hückeswagener Bäckermeister verhalten hoffnungsvoll. Aber am Montagmorgen weiß er, dass es nicht geklappt hat.

Als letzter der oberbergischen Direktkandidaten des Abends, kommt dann CDU-Kandidat Dr. Carsten Brodesser gegen 20 Uhr ins Kreishaus. Zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern wird er vor dem Eingang mit Applaus und Blumenstrauß empfangen. Respektvoll begrüßt er Michaela Engelmeier. Dabei ist die CDU der große, offensichtliche Verlierer dieser Wahl. Was sich nicht auf Kreisebene niederzuschlagen scheint, dennoch wirkt Brodesser eher zerknirscht als euphorisch. „Natürlich haben wir auch hier herbe Stimmenverluste hinnehmen müssen, das ist sehr bedenklich – gerade auch mit Blick auf die Zweitstimmen.“

Dennoch sei er sehr froh und dankbar, auch für die zweite Legislaturperiode das Direktmandat für den Oberbergischen Kreis geholt zu haben. „Ich glaube, dass ich in den vergangenen vier Jahren viel für Oberberg erreicht habe – und es gibt auch weiterhin viel zu tun“, sagt Brodesser. Mit Blick auf die Regierungsbildung zeigt sich der CDU-Kandidat zurückhaltend. „Wer die höchsten Schnittmengen hat, wird die Regierung bilden. Realistisch betrachtet, kann es gut sein, dass ich die zweite Legislaturperiode auch in der Opposition verbringen werde“, sagt Brodesser.