Städtischer Etat: Bürgerbad bleibt wichtig für Hückeswagen

Städtischer Etat: Bürgerbad bleibt wichtig für Hückeswagen

Am 1. Januar jährte es sich zum zehnten Mal, dass der städtische Eigenbetrieb des Hallenbads in eine gemeinnützige GmbH überführt wurde. Finanzielle Verwerfungen bei einem wichtigen Teil der Infrastruktur zwangen damals zum Handeln.

Schon vor 2007 gab es im Finanzhaushalt der Stadt einen Problemfall, doch vor elf Jahren wurde er richtig akut: Das Hallenbad im Brunsbachtal fraß jährlich ein gehöriges Loch in den Etat. Alleine das Wirtschaftsjahr 2007 schloss der Betrieb mit einem Verlust von 834.000 Euro ab. Politik, Verwaltung und Bürgerschaft standen nun vor Frage, wie es weitergehen sollte. Entweder gelang eine dauerhafte Senkung des Defizits, oder aber das Bad würde schließen müssen.

Foto: Stephan Büllesbach

Im Vorfeld war bereits eine interkommunale Lösung mit der Nachbarstadt Wipperfürth gescheitert, ein gemeinsames Bad zu bauen. Ein Gutachter hatte als Standort Kobes-hofen auserkoren, womit die Wipperfürther nicht leben wollten. Letztlich waren sich die Verantwortlichen in Hückeswagen einig, das Bad erhalten zu wollen.

Thomas Nebgen, seit Oktober 2011 einer von vier ehrenamtlichen Geschäftsführern der gGmbH und im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft für Bau- und Siedlungswesen (GBS), formuliert den gemeinsamen Willen im Gespräch mit unserer Redaktion: "Ziel war und ist es, eine solche Infrastruktur zur Verfügung zu stellen." Sie sei im Hinblick auf die Attraktivität einer Stadt wichtig, die Kinder könnten schwimmen lernen, "und letztendlich haben auch wir als GBS im Sinne unserer Mieter ein Interesse daran".

Ein Ausweg bot sich damals den Akteuren in der Überführung des städtischen Eigenbetriebs in eine gGmbH, einer damals relativ neuen, aber einer normalen GmbH ähnelnden Rechtsform. Neben steuerlichen Gesichtspunkten, die aber aufgrund der hohen Verluste im operativen Geschäft keine Rolle spielten, war der Vorteil, dass der Betrieb von Ehrenamtlern geleitet werden konnte.

Am 1. Januar 2008 ging die Einrichtung mit einer neuen Struktur und unter dem Namen Bürgerbad an den Start. Als Partner holte die Stadt die Interessengemeinschaft Frühschwimmer (IGF) sowie den Stadtsportverband (SSV) mit ins Boot und beteiligte sie an der gGmbH.

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Ein wichtiger Aspekt war die Reduzierung der Personalkosten durch das ehrenamtliche Team. "Die Führung des Bads kostet uns bei heute vier ehrenamtlichen Geschäftsführern zirka 1600 Euro im Monat", rechnet Nebgen vor. Dadurch gelang es, alleine diese Kosten um gut 80 Prozent zu reduzieren, zuvor seien zirka 8000 Euro einkalkuliert worden. Hinzu kam, dass nun die Aushilfslöhne frei ausgehandelt werden können.

Was hat die Umwandlung nun konkret gebracht? Stadtkämmerin Isabel Bever zieht eine positive Bilanz: "Die Erwartungen sind bislang eingetroffen, und der Badbetrieb gelingt sehr gut. Die finanziellen Verluste haben sich aus Sicht der Stadt um jährlich zirka 150.000 Euro reduziert", betont Isabel Bever. Hinzu kämen weitere positive steuerliche Effekte, die aber jährlich schwankten.

Auch für die Mitarbeiter änderte sich Anfang 2008 so einiges. Hier bot das neue Konstrukt anfangs ein paar Nachteile, die Nebgen wie folgt beschreibt: "Für die Mitarbeiter war es ein herber Einschnitt. Die ersten Jahre waren ein wenig turbulent, da zwei Welten aufeinandertrafen - die der städtischen Verwaltung und die der Außenstehenden mit teilweise gänzlich anderen Ansichten. Es musste sich zunächst einspielen, aber das ist mittlerweile der Fall. Die Stimmung hat sich deutlich zum Positiven verbessert."

Eigentümer des Gebäudes blieb auch nach dem 1. Januar 2008 die Stadt, die es seitdem an die gGmbH verpachtete. Die Verwaltung hat in den vergangenen Jahren weiterhin ins Bad investiert (s. Info-Kasten). Das ist, da ist sich Nebgen sicher, attraktiver geworden: "Wir haben den Saunabereich renoviert, die Rutschbahntreppe erneuert und ein neues Kinderbecken gebaut, da das alte kleine Becken absolut nicht mehr zeitgemäß war", führt der Geschäftsführer aus. Als vorläufig letzte Veränderung kam 2016 das neue Dampfbad hinzu.

In Anbetracht dieser positiven Entwicklung wünscht sich Thomas Nebgen, dass sich das aktuelle Konstrukt der gemeinnützigen GmbH noch möglichst lange hält, um auch den Mitarbeitern eine sichere Perspektive zu bieten. Zudem trägt er einen weiteren Herzenswunsch in sich: "Es wäre toll, wenn wir in fünf Jahren alle gemeinsam über ein richtiges Außenbecken sprechen könnten, eingebunden in eine Teichlandschaft."

(nob)