Hückeswagen: Brillante Blues-Night vor einer dürftigen Kulisse

Hückeswagen: Brillante Blues-Night vor einer dürftigen Kulisse

Die Blues-Nights gehören bereits seit Jahren zum Programm im Kultur-Haus Zach dazu wie die Folk-Abende und sind eigentlich immer recht gut besuchte Veranstaltungen. Am Freitagabend war nun "Eddi Kold Band" zu Gast - doch die vier Musiker aus Köln wollten lediglich 15 Besucher sehen.

Das war schade aus gleich dreierlei Gründen. Bluesrock sollte man immer sehen, wenn sich einem die Gelegenheit dazu bietet. Macht er doch einfach gute Laune. Zudem sollte man auch unbekannten Bands eine Chance geben, denn nicht selten sind echte Perlen darunter zu entdecken. Und die "Eddie Kold Band" machte (und hatte selbst) jede Menge Spaß. Den ganzen Abend über und selbst vor nur kleinem Publikum.

Humor hatte das Quartett mitgebracht, als es nach einer knappen Stunde fragend von der Bühne hieß: "Wie ist das hier in Hückeswagen, gibt es bei Euch in der Regel eine Pause oder wird hier durchgespielt?" Es gab eine Pause. Aber ein Song wurde nach der fantastischen und unglaublich funkigen Version des Rolling-Stones-Klassikers "Sympathy For The Devil" schon noch gegeben - nachdem Sänger Larry Doc Watkins die kompletten Reihen im schmal bestückten Publikum abgegangen war, um von jedem Einzelnen das obligatorische "Woo-hoo" abzuholen. . . In der Pause drückte es der Amerikaner mit der kräftigen, souligen Stimme schmunzelnd so aus: "Naja, vor mehr Leuten macht das Ganze schon mehr Spaß. . ."

Egal. Denn wenn man den Big-Bill-Broonzy-Klassiker "Key To The Highway" tatsächlich einmal live in der Schloss-Stadt spielen konnte, verzichtete man gerne auf großes Publikum. Ganz abgesehen davon, dass das Quartett auf der Bühne die Zuhörer vergessen ließ, dass die Kulisse kaum die 20 erreichte. Spätestens als Gitarrist Kold zum Evergreen "Johnny B. Goode" im besten Chuck-Berry-Meets-Angus-Young-Duckwalk über die Bühne rockte, war das jedem im Kultur-Haus Zach klar. Auch das dazugehörige Schlagzeugsolo bekam nicht nur den entsprechenden Applaus, sondern passte auch einfach perfekt an seine Stelle im Set.

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Eddie Kold und seine drei Mitmusiker brachten den Blues, im Stehen wie auch im Sitzen am Bühnenrand, in die Schloss-Stadt. Und das auch im exzessiven Solo und dem ausufernden Jam. Immer dann war das Quartett am besten - etwa, wenn es die Musiker schafften, "Got My Mojo Working" so perfekt zum Leben zu erwecken, als befände man sich in einer Jazz-Spelunke in New Orleans. Sven Ostrowski an den sechs Saiten bewies genau wie Schlagwerker Christian Wübben, dass sie Kold und Doc Watkins in nichts nachstanden.

Es war wieder einmal eine großartige Blues-Night - die aber deutlich mehr Publikum verdient hätte.

(wow)