Bobs in Hückeswagen fahren um den Grand Prix

Rückblende : Erstes Sommerbob-Rennen in der Stadt

Mangels Eiskanal hatte Organisator Sven Schreiber von der Firma Hammerevents gemeinsam mit der „Professional Summer Bob Association“ (PSBA) eine 525 Meter lange Strecke auf einer Breite von 1,20 Metern mit einer Teerschicht belegen und mit stabilen Banden versehen lassen.

Zu bestimmten Gelegenheiten fällt der Begriff „Chronistenpflicht“. Selten war der Ausdruck, den man auch mit „vollständigkeitshalber“ übersetzen könnte, zutreffender, wie beim Notieren der Resultate des „Ersten Internationalen Sommer Bob Grand Prix“ in Hückeswagen. Nach drei Tagen Training und Wettbewerb vom 11. bis 13. Juli 2008 stand bei den Männern das Team von Karl Angerer und bei den Frauen das von Anja Schneiderheinze auf dem Siegerpodest, Letztere mit einem Streckenrekord von knapp 85 Kilometern in der Stunde.

Doch es war letztlich eine Randnotiz, vielmehr war es das Ereignis an sich, das Geschichte in Form einer Weltpremiere schrieb: Fast wie Außerirdische wirkten die Vertreter der internationalen Bob-Elite in ihren Rennanzügen, die mitten im Sommer in der idyllischen Altstadt gelandet waren, um auf der Marktstraße beginnend mit einer spitzen Kurve in die Islandstraße einzubiegen und über den Wilhelmplatz bis in die Bahnhofstraße hinunter zu rasen. Auf den Schlossplatz, wo man eher eine altertümliche Postkutsche vermuten würde, hatten die Stars zuvor ihr Fahrerlager aufgeschlagen.

Mangels Eiskanal hatte Organisator Sven Schreiber von der Radevormwalder Veranstaltungsagentur „hammerevents“ gemeinsam mit der „Professional Summer Bob Association“ (PSBA) eine 525 Meter lange Strecke auf einer Breite von 1,20 Metern mit einer Asphaltschicht belegen und mit stabilen Banden versehen lassen. Die Kufen wurden durch Rhombus-Rollen ersetzt, von denen der Hersteller aus Wermelskirchen 200 Stück zur Verfügung stellte. Zudem galt es, die sonstige Infrastruktur zu errichten: eine kilometerlange Verkabelung für die Übertragungstechnik am Zieleinlauf, Aufstellen von Überquerungshilfen für die Zuschauer oder der Aufbau des Riesen-Zelts „Pflitsch-Arena“ auf dem Etapler Platz.

Mit jedem Tag, an dem das Event näher rückte, wuchs auch die Vorfreude, während Veranstalter, Hauptsponsor Pflitsch und das Stadtmarketing unter der Regie von Uwe Ufer und Monika Winter kräftig die Werbetrommel rührten. Spätestens als die Asphaltmaschine ins Island anrückte und auf der extra verlegten Kunststoffplane die Bahn ausrollte, war klar, dass aus einer verrückten Idee Wirklichkeit wurde.

Auch die Bergische Morgenpost war mit von der Partie: Sie sponserte das Team von Manual Machata, das am Ende Platz 3 belegte, und verloste zudem für die Leser Schussfahrten im Viererbob. Am 14. Juli 2008 titelte die BM „Zwei Tage Begeisterung pur“ und berichtete von etlichen tausend Menschen, die im Verlauf des Wochenendes die Strecke säumten. In den Rennpausen oder abseits der Strecke wurden eine Stuntshow oder Autogrammstunden geboten, während sich die Feierwütigen am Samstagabend in der „Pflitsch-Arena“ versammelten, um Live-Musik von Olaf Henning oder den „Alpenstürmern“ zu erleben.

Und die Sportler? Die waren begeistert – Karl Angerer fand die Sache „total crazy“. Die BM schrieb am 15. Juli: „Alle wollen wiederkommen“. Und sie kamen wieder: 2009, 2012 und 2014 wurden noch drei weitere Sommerbob-Feste gefeiert.
NORBERT BANGERT