Hückeswagen: BM sucht weitere Zeugnisse des Weltkriegs

Hückeswagen : BM sucht weitere Zeugnisse des Weltkriegs

Die Bergische Morgenpost hat ihre Leser dazu aufgerufen, der Redaktion Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg, der vor 100 Jahren ausbrach, zur Verfügung zu stellen. Im Stadtarchiv sind dazu bereits einige "Schätzchen" angekommen.

Vorsichtig öffnet Susann Bröker die graue Kiste, in der sie die Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) gelagert hat. "Teilweise sind schon sehr schöne Sachen dabei. Ich war ziemlich angetan", sagt die Archivarin des Hückeswagener Stadtarchivs. In der Hand hält sie inzwischen einen uralten Atlas, der, mit der Zeit vergilbt, schon von außen aussieht, als könne er seinem Betrachter viele Geschichten aus dem Ersten Weltkrieg erzählen. Das zentimeterdicke Buch, das Susann Bröker mit großer Vorsicht öffnet, um einen Blick auf seine Seiten zu werfen, ist nur eine der Quellen, die eser der BM-Redaktion zur Verfügung gestellt haben.

Fast 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs sucht die Rheinische Post/Bergische Morgenpost in Kooperation mit dem Stadtarchiv nach Zeugnissen aus dem Ersten Weltkrieg, die irgendwo im Verborgenen schlummern. Mit der Hilfe der Leser soll ein Bild davon gezeichnet werden, wie der Erste Weltkrieg im Rheinland und im Bergischen erlebt wurde.

Viele Dokumente sind schon in den Archiven eingegangen. So zum Beispiel die vielen Feldpostkarten, die unterteilt nach Einsender in einer großen Kiste aufbewahrt werden. "Eine Dame hat sich die Mühe gemacht und sie alle übersetzt", freut sich die Archivarin über die Mithilfe. Denn das Entziffern der teils 100 Jahre alten Karten ist schwierig. Geschrieben sind sie fast ausschließlich in Sütterlin, und auch an den Postkarten, die teilweise direkt aus dem Schützengraben geschrieben wurden, hat sichtbar der Zahn der Zeit genagt.

Auch der Inhalt mutet heute kurios an. Von der Front in Russland schreibt ein Soldat: "Schreib mir mal, ob du viele Ärpel (Kartoffel, Anm. d. Red.) kriegst im Feld. Wenn das Stroh anfängt dürr zu werden, dann fang an auszumachen. Nach Ende August kannst du immerhin anfangen." Auch viele der anderen Karten beschäftigen sich inhaltlich mit banalen Geschichten des Alltags. Karten, in denen Kritik am Kaiser geübt wurde, sind dagegen selten.

Motivlich bilden die meisten Postkarten Szenen aus dem Krieg ab, so wie auch der erwähnte Atlas, der dem Archiv von einer Familie zur Verfügung gestellt wurde, die keine Verwendung mehr dafür hatte. "Bei genauerem Betrachten mutet er an wie ein Panini-Album", sagt Susann Bröker mit Verweis auf das vor allem bei Kindern beliebte Fußballer-Sammelheftchen. Der Atlas trägt die Aufschrift "Bilderwerk zum Großen Krieg" mit dem Untertitel "Zusammengestellt aus dem Bildermaterial des Reicharchivs Potsdam". Fabriziert wurde er in den Immann-Werken in Mettmann.

Was unter den Einsendungen bislang vollkommen fehlt, sind Briefe, Tagebücher oder Nachlässe von Verstorbenen. Zur Aufarbeitung vergangener Zeiten sind das allerdings häufig die bedeutendsten Quellen. Wer etwas bei sich zu Hause beim Herumstöbern findet, kann sich an das Stadtarchiv wenden (s. Kasten).

(RP)
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